publiziert: 05.02.2012 15:36 Uhr
aktualisiert: 06.02.2012 20:44 Uhr
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Passauer Rektorin: Kein "Hallo" und "Tschüss" mehr

Die Passauer Rektorin Petra Seibert hat ihre Schule zur «Hallo- und tschüss-freien Zone» erklärt. «Über ein 'Grüß Gott' und ein freundliches 'Auf Wiedersehen' freuen wir uns jedoch jederzeit», ist auf einem Aushang in der Mittelschule St. Nikola zu lesen.

  • «Hallo- und tschüssfreie Zone» Klassenzimmer der Mittelschule St. Nikola im bayrischen Passau: Die Rektorin hat ihre Schule zur «Hallo- und tschüss-freien Zone» erklärt. Foto: Armin Weigel
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„Hallo“ und „Tschüss“ - für die Passauer Rektorin Petra Seibert sind das Reizwörter. Sie legt Wert auf gutes Benehmen bei ihren Schülern, schließlich sollen sie sich bei der Jobsuche nicht blamieren. Den norddeutschen Gruß empfindet sie als unhöflich - und hat daher ihre Schule zur „Hallo- und tschüss-freien Zone“ erklärt.

„Wir bemühen uns, ohne diese beiden Grußformeln in unserem Haus auszukommen“, verkündet ein Aushang in der Mittelschule St. Nikola. „Über ein 'Grüß Gott' und ein freundliches 'Auf Wiedersehen' freuen wir uns jedoch jederzeit.“

Nichtbayern mögen sich über diese Regelung wundern - im Freistaat bleibt der große Proteststurm aus. Seiberts Ansatz mache pädagogisch Sinn, sagt der Sprecher des bayerischen Kultusministeriums, Ludwig Unger. „Es ist ein positives Signal der Wertschätzung, aber man darf es nicht zum Dogma stilisieren.“

Die Jugendlichen müssten den Sinn der Aktion verstehen, um sie anzunehmen. Wenn ein Schüler nach einem „Hallo“ zu einem Aufsatz verdonnert werde, sei das der falsche Weg. Jugendliche müssten lernen, sich gegenüber Autoritätspersonen anders zu verhalten als gegenüber Gleichaltrigen.

Grußformeln könnten dieses Bewusstsein schärfen. Ein „Hallo“ sei zwar nicht zwangsläufig abwertend, könne aber bei manchem so ankommen.

Bei einem sprachlichen Ausrutscher wiesen die Lehrer den Schüler höflich zurecht, erläutert die Rektorin. Sie wolle ihre Schüler optimal auf den Beruf vorbereiten, sonst habe sie ihren Erziehungsauftrag nicht erfüllt. Und ein flapsiges „Hallo“ hörten bayerische Personalchefs nun einmal nicht gern.

Seibert sieht sich nicht als Verfechterin des bayerischen Dialekts. „Aber in Bayern heißt es nun mal 'Grüß Gott'.“ Wem das nicht leicht über die Lippen gehe, könne auch freundlich „Guten Morgen“ oder „Guten Tag“ sagen.

Der Respekt voreinander schwinde, findet sie. „Was früher selbstverständlich war, ist heute problematisch.“

Die Landesschülervereinigung ist skeptisch. Die bayerische Schülerschaft diskutiere die „Hallo- und tschüss-freie Zone“ sehr kontrovers, erzählt der Vorsitzende Martin Zelenka, der in Passau eine andere Schule besucht. „Die Maßnahme ist ein weiterer Schritt zur Entfremdung von Lehrern und Schülern.“

Der 17-Jährige kann an „Hallo“ und „Tschüss“ nichts Respektloses finden - und grüßt seine Lehrer deshalb auch so. Er sei zwar in Bayern geboren, könne sich aber nicht vorstellen, zu jemandem „Grüß Gott“ zu sagen.

Es sei schon viel gewonnen, wenn ein Schüler überhaupt grüße, sagt der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, Max Schmidt. Er vermisst an den Schulen eine Höflichkeitskultur. Daher versteht er Seiberts Initiative

Umgangsformen, die ein Schüler nicht in jungen Jahren lerne, seien ihm später noch viel schlechter beizubringen. „Wenn das im Elternhaus nicht mehr geschieht, muss die Schule stärker als bisher eingreifen.“ Grußformeln sollten Schmidts Ansicht nach verbindlich sein. Freundlicher als „Hallo“ sei ein adressatenbezogenes „Grüß Gott“, das dem Empfänger Gutes wünsche.




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Der Präsident des Bayerischen Lehrerverbands BLLV, Klaus Wenzel, lobt zwar die Idee hinter Seiberts Initiative. „Die Schüler müssen den richtigen Ton finden.“

Allerdings schlägt er vor, das Thema Grußformeln lieber im Unterricht zu behandeln, als einen Hinweis aufzuhängen. „Am Ende einer solchen Stunde könnte ich dann auf das Schild verzichten - es gibt schon so viele Gebote und Verbote.“ Das norddeutsche „Tschüss“ ist traditionell bei vielen Bayern unbeliebt.

Seiberts Aktion erinnert an frühere Initiativen, in denen sich Bürger gegen die Verabschiedungsformel zur Wehr setzten. 2006 etwa erklärte Dialektpfleger Hans Triebel einen oberbayerischen Ort zur „Tschüss-freien Zone“ - mit Verbotsschildern am Ortseingang.

Viele Bayern hätten Sorge, dass die heimischen Begriffe ins Lächerliche gezogen würden und schließlich verloren gingen, erläutert der Chef des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte, Horst Münzinger. Rektorin Seibert kann er gut verstehen: „Das Tschüss tut richtig in den Ohren weh.“

(dpa)
    
    

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»Alle 74 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

Berge (552 Kommentare) am 09.02.2012 16:32

Peinlich

Es ist wirklich peinlich und lächerlich, wie eine harmlose Angelegenheit sofort ohne
genau zu lesen mit antireligiösen Animositäten hochgeschaukelt wird. Wenn man manche
Kommentare liest, dann wundert es nicht, dass manche Lehrer ihre wertvolle Unterrichts-
zeit nicht damit vergeuden wollen, Kindern auch das beizubringen, was man eigentich
in der Kinderstube lernt . Manche Eltern,nicht selten der 68iger Generation, die all dies
als scheißbürgerlich diffamierte und brüllte: we dount need your edjucation, und
heute in der Erziehung überfordert sind,möchten dies immer mehr staatlichen Organen überlassen. Die Schule hat aufgegriffen, was landaufund landab beklagt wird, und
möchte Jugendliche für grundlegende Umgangsformen, zu denen wesentlich auch das
Grüßen gehört, empfindsam machen, ohne die sie heute in vielen Bereichen des Be-
rufslebens, besonders bei der Bewerbung, auf die Nase fallen. Dass dies bei uns in
Bayern üblicherweise Grüß Gott etc. ist, besagt nicht ,dass auch andere höfliche Gruß-
formen möglich sind. Wer etwas sachlich und nicht ideologisch verengt denkt. kann
eigentlich nichts Verwerfliches daran finden, wenn einem Jugendlichen bewusst ge-
macht wird, dass es Situationen gibt, bei denen ein Hi, tschüss oder servus nicht ange-
messen ist und nicht so gut ankommt. Darum geht es eigentlich und daraus einen
ideologischen Grabenkampf auszufechten, ist wirklich lächerlich und ein geistiges
Armutszeugnis. Ende der unsinnigen Debatte!
(1)
muttzier (151 Kommentare) am 08.02.2012 18:39

Tschüs

Französisch: Nach diesem Modell ist das Wort tschüs aus französisch adieu für „mit Gott“ (im Sinne von „gehe mit Gott!“ Wiktionary-Eintrag),

Wo ist das Problem, wenn man jemand mit "geh mit Gott!" verabschiedet?

Wichtiger halte ich es, dass Kinder und Jugendliche überhaupt zum Grüßen angehalten werden - in welcher Sprache auch immer zwinkern
(1)
werntal (70 Kommentare) am 09.02.2012 11:27

Grüßen

Ich gebe dir Recht mit dem Grüßen. Wir haben noch gelernt: "Wer älter ist als du, wird grundsätzlich gegrüßt. Tut er dreimal nicht zurückgrüßen, brauchst du ihn auch nicht mehr zu grüßen." - Heute können Kinder, selbst aus der nächsten Nachbarschaft, über dich hinweg stolpern, aber die bringen den Mund nicht auf. Das liegt aber wohl am Elternhaus. Ich wurde neulich von einem kleinen,farbigen Mädchen freundlich gegrüßt, obwohl die mich sicherlich nicht kannte. Hat mich sehr gefreut. Ich grüße auch in meinem "hohen Alter" grundsätzlich freundlich zurück, ob ich den Anderen kenne oder nicht! Wir haben es eben so gelernt.
(0)
Berge (552 Kommentare) am 08.02.2012 15:33

Gleiche Masche

Lieber Peter Pan, schön dass sie ihren Gesinnungsgenossen wastl-one etc. bei-
springen und den Spieß umkehren. Wenn sie deren Beiträge als sachliche Meinungs-
äußerung verkaufen wollen, dann sollte sich jeder hier selbst seine Meinung dazu bildenund deren Beiträge lesen, dort finden sie das, was sie mir vorwerfen wollen.
Lesen sie meinen Beitrag zum Gesamtinhalt der Maßnahme in Passau und nicht bloß
die Schlagzeile. Wenn dann sofort die antireligiöse Mottenkiste aufgemacht wird, was
mit der Thematik nichts zu tun hat, dann ist eine klare Antwort fällig. Freilich sind jaauch ihre Beiträge gerade zu kirchlichen Themen ausgewiesen an Sachlichkeit, Toleranz und Respekt. Darin habe ich wirklich keinen Grund, mich von ihnen angreifen zu lassen.
Lesen sie ihre eigenen Stellungnahmen, von wastl-one oder denkforum und schauen sie dabei in den Spiegel, dann finden sie das, was sie anderen vorwerfen, nur weil
man den Frevel begeht, gegen ein Meinungskartell aus einer bestimmten Ecke zu
wiedersprechen. Was ein gesitteter Mitteleuropäer ist, da brauche ich bei ihnen wahrlich
keinen Nachhilfeunterricht.
(1)
werntal (70 Kommentare) am 08.02.2012 15:25

Nordlichter

Haben wir Bayern es eigentlich nötig, uns vor unseren norddeutschen Mitbürgern zu rechtfertigen? Für mich ist "Moin, moin" auch nicht besser, aber die Nordlichter mögen das halt so. Jeder wie er will! In Bayern haben wir " Grüß Gott" gelernt und damit basta!
(1)
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