publiziert: 07.03.2010 19:03 Uhr
aktualisiert: 07.03.2010 19:11 Uhr
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Seehofer: Maßstäbe sind verschüttet

Ministerpräsident eröffnet „Woche der Brüderlichkeit“
  • Horst Seehofer Die CSU-Landesgruppe im Bundestag rebelliert im Koalitionsstreit gegen Parteichef Horst Seehofer.
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(lby) Zur Eröffnung der bundesweiten Woche der Brüderlichkeit hat Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Sonntag in Augsburg Werte und Maßstäbe für das gesellschaftliche Miteinander angemahnt. Angesichts „verlorener Wertebindung bei Finanzgeschäften, Zügellosigkeit und Gewaltverbrechen, schockierenden Kindesmissbrauchs und überspitzten Satiredarstellungen“ scheine es, als habe die Gesellschaft ihre Maßstäbe verloren.

Seehofer sprach dabei das Gewaltverbrechen an dem Münchner Dominik Brunner an, der sich schützend vor Kinder gestellt habe und dessen Menschenwürde dafür mit Füßen zu Tode getreten worden war. Es gelte, Maßstäbe in der Gesellschaft wieder sichtbar und erfahrbar zu machen, sie seien „echte Hilfe für ein sinnerfülltes Leben“.

Der Präsident des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, der Rabbiner Henry Brandt, sagte bei der Eröffnungsfeier, Symptome für die tiefgreifende gesellschaftliche und wirtschaftliche Krise seien schon länger erkennbar gewesen. Beim Wettlauf um Superlative seien Maßstäbe verloren gegangen. „Hunderte gewannen auf dem Fundament von tausend Tränen“. Jetzt gelte es, das „Verloren gegangene unserer Zeit“ für die Zukunft wiederzufinden. Der US-Architekt Daniel Libeskind wurde mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt.

Woche der Brüderlichkeit

Den Dialog zwischen Christen und Juden soll die bundesweite Woche der Brüderlichkeit fördern. Seit 1952 wird sie vom Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit organisiert. Veranstaltungen in zahlreichen Städten sollen die Verständigung zwischen den Konfessionen, aber auch den Kampf gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus unterstützen. Das diesjährige Thema der Woche der Brüderlichkeit heißt „Verlorene Maßstäbe“ und soll sich mit den gesellschaftlichen Umständen des Miteinanders auseinandersetzen.

    
    

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Die neuesten Kommentare

reinermoysich (31 Kommentare) am 09.03.2010 03:41

Menschenrechte als Maßstab!

Beim Bericht über die „Woche der Brüderlichkeit“ wunderte ich mich zunächst sehr, warum die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit auf diskriminierender Art und Weise nur von „Brüderlichkeit“, nicht aber auch genauso von „Schwesterlichkeit“ sprechen. Denn es gibt ja sowohl bei Christen wie bei Juden ungefähr je zur Hälfte auch Frauen auf beiden Seiten, die - so finde ich - bei der angestrebten Annäherung doch wohl nicht ausgeschlossen werden sollten.

Was spricht denn dagegen, dem Beispiel des CVJM zu folgen: Er nannte sich früher „Christlicher Verein junger Männer“ - und nun schon seit einiger Zeit „... junger Menschen“. Wie wäre es - analog dazu - von der „Woche der Mitmenschlichkeit“ zu sprechen?

Obwohl - Mitmenschen anerkennen einander. Dies ist jedoch bei Christen und Juden so lange unmöglich, wie ihre Religionen noch immer offiziell auf ihren Absolutheitsansprüchen bestehen. Dieser lautet (nebenbei: wie beim Islam), jeweils die allein wahre und gültige Religion zu sein und als solche anerkannt zu werden. Deswegen wurden bisher schon viele Millionen Menschen grausamst umgebracht!

Solange diese barbarischeren und kriegerischen Ansprüche aufrechterhalten werden, ist eine wirkliche Annäherung natürlich unmöglich. Ich finde, dieses grundsätzlich nicht nur Trennende, sondern sich gegenseitig Bekämpfende sollte ehrlicherweise endlich angesprochen und überlegt werden, wie diese extrem hohen Barrieren abgebaut werden könnten (sonst bleibt es bei den bisherigen völlig unzureichenden Mini-Trippelschritten - und das nun schon seit 1952!).

Sowohl beim Abschaffen der Absolutheitsansprüche als auch bei der Suche nach den „verlorenen Maßstäben“ bieten sich die universell gültigen Menschenrechte an. Würden sie von Christen- und Judentum als gemeinsames Dach endlich anerkannt, müssten logischerweise sofort die krass menschenrechtswidrigen Absolutheitsansprüche für ungültig erklärt werden - und Menschen beider Religionen könnten anschließend wirklich als „Brüder“ und „Schwestern“ miteinander umgehen.

Zusammen könnten sie dann mithelfen, dass diese fundamental wichtigen Gleichheitsrechte auf allen Ebenen der Gesellschaft umgesetzt werden - auch insofern (wenn ich an die nun massenhaft bekannt werdenden Missbrauchsfälle denke), dass Kinder endlich als vollwertige Menschen anerkannt werden, mit dem vollständigen Grundrecht auf körperlicher, seelischer und geistiger Unversehrtheit.
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