aktualisiert: 25.09.2011 19:06 Uhr
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GEISELWIND
Von Geiselwind auf nach Berlin
Delegierte der Freien Wähler folgen mit großer Mehrheit ihrem Chef Hubert Aiwanger
Am Ende war das Signal klarer als nach Stunden kontroverser Diskussion von vielen erwartet. Die Landesdelegiertenversammlung der Freien Wähler (FW) stimmte am Samstag mit Zwei-Drittel-Mehrheit für die Teilnahme an der Bundestagswahl 2013. Frenetisch feierten die Freien aus allen Teilen des Freistaats den, der die Weichen Richtung Berlin gestellt und mit seiner dreiviertelstündigen Rede ordentlich Dampf und damit Entscheidungsdruck in der Strohhofer-Halle in Geiselwind (Lkr. Kitzingen) erzeugt hatte: Hubert Aiwanger, Bundesvorsitzender, Landesvorsitzender und Fraktionschef im Landtag.
Warnung vor den Piraten
Zunächst hatte es gar nicht nach einem Heimspiel ausgesehen für den Mann aus Niederbayern. Denn mehr noch als das bundespolitische Engagement der vor allem in Kommunen und Kreisen verankerten Wählergruppierung war schon im Vorfeld der Versammlung darüber gestritten worden, wer in dieser Frage entscheiden soll. Die Delegierten oder die Basis in einer Urabstimmung?
Hubert Aiwanger, intern als niederbayerischer Sturkopf bewundert, ging in seiner Rede nicht weiter auf die Frage nach dem Sinn einer Urabstimmung ein. Für ihn gibt es nur eine Richtung: Berlin. „Wir müssen dorthin, wo die Weichen gestellt werden“, rief er unter starkem Beifall, „wir als vernünftige Kraft der bürgerlichen Mitte.“ Auch die Landtagswahl 2013 werde bundespolitisch dominiert werden, so Aiwanger. „Wenn wir da (auf der bundespolitischen Bühne, Anm. d. Red.) nicht dabei sind, werden wir unter Umständen von den Piraten geentert“, rief er den Delegierten zu. Es gelte, die bürgerliche Mitte zu halten gegen eine Politik, die mehr und mehr „an den linken Rand“ abzugleiten drohe. Wobei Aiwanger auch in Geiselwind aus Opportunitätsgründen vermied darzulegen, wo für ihn dieser „linke Rand“ beginnt.
Auch für diejenigen seiner Anhänger, die ihm nicht überall hin folgen wollen, ist der Mann am Rednerpult „der Hubert“. Das liegt einerseits am 10,2-Prozent-Erfolg der FW bei der Landtagswahl, den sich der Mehrfach-Vorsitzende auf die Fahnen heften kann. Sicher auch an der Leidenschaft, mit der Aiwanger die Botschaften der FW an die Frau und den Mann bringt, indem er mit dem unerhört erdigen Akzent seiner Heimat auf sie einredet oder einschreit, ihnen einhämmert: „Gebt den Kommunen mehr Geld“, „Wir setzen auf dezentrale Lösungen“, „Wir müssen überbordende Großstrukturen in Frage stellen“. Weitere gern gehörte Slogans sind die „Energieversorgung vor Ort“, überhaupt „regionale Lösungen“ und „eine Gesellschaft, wo der Bürger dabei ist“. Das kommt an, nicht nur in der Halle von Geiselwind, auch an bayerischen Stammtischen und auf bayerischen Marktplätzen, überall, wo „der Hubert“ zum Bürger spricht. Was steht eigentlich dagegen, dass „der Hubert“ diese wohlklingenden Sprüche von einer Bürgergesellschaft, der der Befreiung aus der Knechtschaft der Energiekonzerne und der Stärkung von Gemeinden und Regionen auch dort vorbringt, wo die meisten entscheidenden Gesetze gemacht werden, im Bundestag? Wohl vor allem, dass Hubert Aiwanger zwar ein wendiger und findiger Politiker ist, aber kein Tausendsassa. Sollte er eines Tages tatsächlich im Bundestag sitzen, wird er nicht mehr groß in der Landespolitik mitmischen können. „Selbstverständlich haben wir alle Angst, unseren Hubert in Bayern zu verlieren“, sagte Wolfgang Schoch aus Kaufbeuren in der Diskussion.
Überaus lebhafte Diskussion
Da ging es überaus lebhaft zu. Mehr als 40 Delegierte traten vor die Mikrofone, die Mehrzahl plädierte für mehr Basisdemokratie, also eine Urabstimmung der Mitglieder für oder gegen den Weg nach Berlin. Für Gerald Brehm aus Höchstadt gibt die lückenhafte FW-Programmatik kein bundespolitisches Engagement her, Elisabeth Kraus aus Dachau fürchtet, dass die „finanziell gut aufgestellte“ Wählergruppierung FW bei einer Fusion mit der FW-Bundesvereinigung ausblutet. Hauptargument für eine Urabstimmung aber war das FW-Motto „Der Mensch im Mittelpunkt“. „Wir müssen die mit ins Boot holen, auf deren Mitarbeit wir angewiesen sind, sagte Manuela Koller, Mitglied im Landesvorstand.
Ihr Appell erzielte nicht die gewünschte Wirkung, nur 249 von 745 Delegierten votierten für Urabstimmung. Folglich konnte die Landesversammlung gleich das Berlin-Engagement mit 557 Ja- gegen 174 Nein-Stimmen empfehlen. Getragen von den Ovationen aus der Halle trat ein befreit wirkender Hubert Aiwanger nach vorne und bat, die Reihen nun wieder zu schließen. „Ich bin stolz, Ihr Vorsitzender zu sein. Die Tür ist aufgestoßen nach Berlin.“

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