publiziert: 21.06.2010 19:25 Uhr
aktualisiert: 21.06.2010 19:27 Uhr
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1000 Unterfranken zapfen Wärme in der Tiefe

Experten trafen sich bei einem Geothermie-Forum in Würzburg

Tiefenbohrungen haben Hochkonjunktur. Seit fünf Jahren boomt die oberflächennahe Geothermie. Mehr als 1000 Unterfranken zapfen mittlerweile Wärme aus dem Erdinneren, Tendenz stark steigend. Rund 30 Anträge gehen Monat für Monat beim Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg ein, das die Formulare aus den Regionen Untermain und Würzburg sichtet, bestätigt der Hydrogeologe Rasso König von der Servicestelle des Amtes in Würzburg.

Das „Unterfränkische Anwenderforum für oberflächennahe Geothermie“, das im Vogel Convention Center in Würzburg stattfand, könnte den Drang hin zur Erdwärme verstärken. Mehr als 100 Architekten, Ingenieure und Kommunalpolitiker waren gekommen.

Fortschritte bei der Technik

Die Technik hat Riesenfortschritte gemacht seit den 80er Jahren, als so manche Anlage zur Erdwärme-Gewinnung noch nicht ausgereift war und die Technik in Verruf brachte. Aber noch immer ist erste Bauherrenpflicht, sich vor dem Bohren ins Erdreich bohrende Fragen zu stellen: Ist der Untergrund geeignet, wer plant und baut kompetent, wer garantiert die Qualität der einzelnen Komponenten, wer stellt die Anlage optimal ein? Um diese und andere Fragen zu beantworten, hatten die Veranstalter des Forums, die Firmengruppe Haaf aus Gaubüttelbrunn bei Würzburg und die Firma Frank aus dem hessischen Mörfelden-Walldorf, namhafte Referenten aufgeboten.

Manfred Reuß vom Zentrum für Angewandte Energieforschung (ZAE) etwa. Er schätzt den Bestand an Erdwärmepumpen in Deutschland auf mittlerweile rund 260 000, zwei Drittel werden über Erdwärmesonden gespeist, rund 20 Prozent werden mit Erdwärmekollektoren betrieben, die als eine Art Matte flächig verlegt werden. In 13 Prozent der Fälle dient Grundwasser als Wärmequelle. Erdwärme gibt es rund um die Uhr unabhängig vom Wetter, und wird sie nicht von einer Wärmepumpe von rund 11 Grad Celsius auf 35 bis 60 Grad Celsius „verdichtet“, dann kann sie auch zur Kühlung von Gebäuden verwendet werden.

Von oberflächennaher Geothermie spricht man bis zu einer Bohrtiefe von 400 Metern. In Unterfranken wird meist nicht tiefer als 80 Meter gebohrt, so Wasserwirtschaftler König. Bevor eine solche Anlage geplant und installiert wird, muss das Vorhaben bei der Kommune angezeigt werden. Dann prüft das Wasserwirtschaftsamt, ob und wie tief gebohrt werden darf.

Anträge werden nahezu ausnahmslos bewilligt, sagt König auf Nachfrage, nur nicht in inneren Wasserschutzzonen und dann nicht, wenn der Bauherr zu tief hinab will. Aber drei 30-Meter-Sonden bringen die gleiche Leistung wie eine in 100 Meter Tiefe, erläutert König.

Sparen auf lange Sicht

Mit Erdwärme lassen sich, gute Technik und Installation vorausgesetzt, viel fossile Energie und Klimagase sparen; auch Geld, das allerdings nur auf lange Sicht. Letzteres liegt an den vergleichsweise hohen Investitionskosten. Allein für eine Bohrung müssen rund 6000 Euro berappt werden, alles in allem sind 25 000 Euro nicht die Ausnahme. Wer es günstiger haben möchte, entscheidet sich für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, die allerdings in der Regel nicht so effizient und geräuschvoller arbeitet.

Letztlich geht es darum, fossile Energien aus den Häusern zu verbannen, verdeutlichte die Würzburger Bürgermeisterin Marion Schäfer in ihrem Grußwort. Das Forum bot fundierte Informationen. Es moderierte Edmund Gumpert, der Umweltreferent der Diözese.

Von unserem Redaktionsmitglied tilman toepfer
    
    

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Die neuesten Kommentare

mnickel (1 Kommentare) am 22.06.2010 08:14

Veröffentlichung

Hallo Herr Toepfer,

Vielen Dank für den Super Beitrag! Trifft alles genau auf dem Punkt.

Gruß

Michael Nickel
(0)
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