publiziert: 08.08.2012 19:27 Uhr
aktualisiert: 08.08.2012 22:05 Uhr
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1048 Rhöner Pfeifen für China

Ein Familienbetrieb aus Urspringen baut eine Orgel in der früheren Kaiserhauptstadt Nanjing
  • Foto: Thomas Hey
    Orgelbaustelle: Im Altarraum dieser neuen Kirche in Nanjing soll die Orgel aus der Rhön stehen.
  • Foto: dpa
    Orgelbaufamilie: Herbert Hey und sein Sohn Thomas in ihrer Werkstatt in Urspringen (Lkr. Rhön-Grabfeld).
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„Nur eine Orgel, die über 1000 Pfeifen hat, ist auch eine richtige Orgel“, sagt Pfarrer Lin Qinkuan aus dem chinesischen Nanjing. Deshalb ist es für ihn wichtig, dass man möglichst viele der 1048 Pfeifen seiner neuen Orgel sieht. „100 Jahre Christen in Nanjing“ feiert seine Gemeinde in diesem Jahr. Dazu gab es eine neue Kirche inklusive einer neuen Orgel.

18 Register auf zwei Manualen hat das neun Meter hohe Instrument, erklären die Rhöner Orgelbauer Thomas und Herbert Hey. In diesen Tagen verlässt es die Werkstatt ihres Familienbetriebs in Urspringen, einem Ortsteil von Ostheim im Landkreis Rhön-Grabfeld.

Thomas Hey zeigt Bilder vom Bau der Kirche, deren Form sich die neue Orgel anpasst. Zweigeteilt soll sie bald schon im Altarraum stehen. Sie ist aus Fichtenholz gebaut und in einem Cremeton lackiert, der in das moderne Design der Kirche passt. Die Lamellen der Orgel werden von hinten angeleuchtet und sind, wie der Orgelbauer sagt, „aus dem Raum genommen“. Die Heys versuchen stets, die Elemente des Raumes in dem das Instrument einmal erklingen soll, im Instrument widerzuspiegeln.

Mitte Oktober reisen vier Orgelbauer aus der Rhön nach China, um das Instrument, das zwischenzeitlich dort angekommen ist, aufzubauen. Es wurde in Hamburg verschifft und auf dem Fluss Jangtse bis nach Nanjing gebracht. Vier bis fünf Wochen wird die Montage der neuen Orgel dauern.

Regierung beeinflusst Kirchenbau

Die Orgel aus der Rhön ist die einzige in der gesamten Provinz. Sowohl die neue Kirche also auch die Orgel sind ausschließlich mit Hilfe von Spenden finanziert worden. Schon Mitte letzten Jahres war der chinesische Pfarrer auf das Rhöner Unternehmen aufmerksam geworden und hatte nach einer kleinen Orgel gefragt. Er sagte dazu, dass er eine neue Kirche baue, dabei aber die Vorgaben der chinesischen Provinzregierung befolgen müsse. So darf die neue Kirche nicht größer und prachtvoller sein als das Parteigebäude. Das neue Gotteshaus entsteht direkt im Zentrum von Nanjing, der früheren Kaiserhauptstadt.

Orgel spielt auch von allein

„Pfeifenorgeln machen Kirchen und Konzertsäle zu etwas ganz Besonderem und sind selten in China“, sagt Thomas Hey. Dort gibt es auch wenig Organisten. Deshalb gibt es an der Orgel aus der Rhön eine Aufnahme- und Wiedergabefunktion. „Die Orgel zeichnet auf, was gespielt wird und kann das dann später allein abspielen.“ Das muss man sich so vorstellen, dass sich die Tasten des Instruments wie von Geisterhand bewegen. So kann der Organist im Kirchenraum hören, wie sein Musikstück auf der Orgel klingt.

Ähnliche Orgel nur in Korea

Außerdem hat sie einen Speicher mit klassischen Stücken, die für Konzerte abgespielt werden können. Diese können aber auch dazu verwendet werden Organisten auszubilden indem sie ihnen zeigen „wie zum Beispiel Bach auf der Orgel klingen muss“, so Thomas Hey.

Das alles ist auch für die erfahrenen Orgelbauer Thomas und Herbert Hey ausgefallen. Eine weitere Besonderheit der neuen Orgel: Man kann sich auch verschiedene Registerkombinationen im Raum anhören und das Instrument in anderen Klangfarben spielen. In einer normalen Orgel ist so etwas zum ersten Mal eingebaut. Lediglich die Orgel auf der Weltausstellung in Yeosu in Korea hat eine solche Aufnahmefunktion.

Zeitpunkt der Segnung ungewiss

Eigentlich sollte die Orgel am 1. Oktober gemeinsam mit der neuen Kirche eingeweiht werden. Wann die offizielle Übergabe und kirchliche Segnung erfolgen werden, steht aber derzeit noch in den Sternen, da dazu die Kirche erst fertig sein muss und die Bauarbeiten nun doch länger dauern als geplant. Pfarrer Lin Qinkuan jedenfalls kann es kaum erwarten, dass die 1048 Orgelpfeifen in seiner neuen Kirche erklingen.

Von unserem Mitarbeiter Hanns Friedrich
    
    

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