publiziert: 28.10.2010 16:45 Uhr
aktualisiert: 28.10.2010 20:57 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text SCHWEINFURT
Angeblich fittes Pferd war reif für den Schlachter

Viehkaufmann wegen Betrugs verurteilt

Im zweiten Anlauf und mit einer Reihe von Zeugen hat das Amtsgericht Schweinfurt einen 42-jährigen Viehkaufmann aus dem Landkreis und seine 33-jährige Ex-Mitarbeiterin, eine Pferdepflegerin, wegen Betruges zu Geldstrafen von 3500 beziehungsweise 750 Euro verurteilt. Nach der Überzeugung des Gerichts hatten sie eine 24 Jahre alte, kranke Lipizzanerdame – von einem anderen Händler als Schlachtpferd erworben – über das Internet-Forum „Schlachtpferderettung“ als angeblich „topfit“ und reitfähig verkauft.

"Fragwürdiges Geschäft mit Schlachtpferden": Hier kommen Sie zur Vorgeschichte

Der Vorwurf der Tierquälerei im Fall eines anderen verkauften Pferdes wurde eingestellt, weil nicht nachgewiesen werden konnte, dass das Tier schon zum Verkaufszeitpunkt und beim Transport zur Käuferin schwer erkrankt war. Tierärztlich wurde die Druse – eine fieberhafte Infektionserkrankung des Nasen- und Rachenbereichs mit Vereiterung auch von Lymphknoten – erst vier Wochen nach dem Verkauf sicher festgestellt.

„Auf den Beinen völlig fertig“

Die Verteidigung wollte bezüglich des Betrugs einen Freispruch, zumindest aber eine Einstellung erreichen. Doch damit kam sie nicht durch. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Interessentin aus Pfaffenhosen, die sich unter Bezug auf das Schlachtpferdeforum telefonisch erkundigt hatte, ein fittes Pferd versprochen worden war. Sie wollte es zum Reiten für ihren Sohn kaufen. Ihr sei versprochen worden, dass es reitbar ist.

Dabei war die Lipizzanerstute Zwirna nach den Zeugenaussagen des Vorbesitzers und des Zwischenhändlers völlig verbraucht. Jahrelang hat sie als Fahrpferd gearbeitet, vor allem bei Hochzeiten. „Sie war am Ende so fertig, vor allem auf den Beinen, dass sie immer wieder zusammengebrochen ist“, sagte der Zeuge, der Zwirna gezüchtet und 24 Jahre bei sich auf dem Hof hatte. Sie sei krank gewesen, er habe sie zum Schlachten verkauft, weil er ihr weiteres Leiden ersparen wollte.

Eine Sachverständige aus Niedersachsen bestätigte, dass das Tier sichtlich an der „Schimmelkrankheit“ litt – Melanome an verschiedenen Stellen. Viel schwerwiegender sei aber die „hochgradige Arthroseerkrankung“ gewesen. Reitfähig war die 24 Jahre alte Schimmelstute demnach keinesfalls mehr.

Statt eines drei Pferde geliefert

Das hat die Käuferin, der im Oktober 2008 mitten in der Nacht nicht nur eines, sondern gleich drei kranke Pferde geliefert wurden mit der Bemerkung des Fahrers, er werde keines der Pferde mehr mit nach Hause nehmen, erst am Tag darauf bemerkt. Zwirna fiel auf der Koppel hin. Die Käuferin hatte sich das Pferd vorher auch ansehen wollen, kaufte es aber „blind“, nachdem ihr gesagt wurde, das Tier sei zum gewünschten Besichtigungszeitpunkt schon auf dem Weg zum Schlachter in Italien.

Darin, dass die alte, kranke Zwirna als topfit und reitfähig bezeichnet und die Käuferin zu einer Entscheidung ohne Augenschein gedrängt worden war, sah das Gericht den Betrugsvorwurf erfüllt. Auch in der Höhe der Geldstrafe für die Angeklagten, die als Fachleute vom Zustand des Tieres wissen mussten, folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwältin.

Der Verteidiger der früheren Angestellten hat beiden Angeklagten angeraten, in Berufung zu gehen.

Von unserem Redaktionsmitglied Stefan Sauer
    
    

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Die neuesten Kommentare

kasoke (1 Kommentare) am 29.10.2010 08:24

...beim schlachten dabei

...da ich die Machenschaften der Pferdehändler kenne,war ich beim Schlachten meiner Stute persönlich dabei.
Ich habe diesem, im Artkel genannten,Pferdehändler wortwörtlich ins Gesicht gesagt. " ich bin beim Schlachten dabei,denn sonnst führe ich das Pferd vorne rein und Du verkaufts es an der Hintertür weiter.....

...weshalb hatte der Vorbesitzer der Lippizanerstute nicht Rückrad genug sein Tier bis zum Tode zu begleiten?

Jeder Idiot kennt doch die Arbeistweise der Pferdehändler!!!!
Bei einem Händler kauft man sowieso kein Pferd ohne Ankaufsuntersuchung.

Sage nur:selber schuld!
(0)
adon52 (254 Kommentare) am 29.10.2010 07:35

Betrüger finden immer eine Masche...

Ich kenne mich in diesen Kreisen nicht aus, aber es kann ja sein, daß das Pferd vom Vorbesitzer der es schlachten lassen wollte, weiter verkauft wurde, weil er damit mehr erlöste, als wenn er es direkt zum Schlachter gegeben hätte.
Sicher hat er sich damit mehr oder weniger des Problems erledigt, was mir nicht verwerflich erscheint.
Die Erwerber haben aber anscheinend in betrügerischer Absicht gehandelt, und mir ist nicht klar warum sie jetzt jammern und in Revision gehen wollen.
Andererseits ist es unlogisch, daß gleich 3 Pferde geliefert werden und auch abgenommen werden.
Vielleicht wurde auch hier noch ein Geschäft gewittert, daß am Ende keines mehr war.
(0)
reutjo (1660 Kommentare) am 28.10.2010 21:14

das verstehe ich jetzt nicht......

und kann und will es auch nicht tolerieren.
Wenn der Züchter des Pferdes, das er 24 Jahre lang 'in Betrieb' hatte
und zuletzt bei ihm wegen allerlei Gebrechen öfters zusammenbrach,
'seinen Pferd', eine solche 'Tortur' (möglicherweise Transport zum
Schlachten nach / in Italien, letztendlich doch zugemutet hat. Wenn er dem
Pferd "gnadenvoll" weiteres Leiden ersparen will / wollte, dannnnnnnn
hätte es sicher auch einen 'liebevolleren Gnadenweg' für das Tier
gegeben. Aber sooo ...... naja........ (soll sich jeder seinen eigenen Reim
drauf machen) !
(0)
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