aktualisiert: 09.09.2010 19:55 Uhr
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SCHWEINFURT/KATZENBACH
Angeklagter gesteht Tötung seiner Ehefrau
Prozess um die Bluttat im Burkardrother Ortsteil Katzenbach – „Ich hasse mich für das, was ich getan habe“
Es herrschte völlige Stille im Zuschauerraum. Einige der Zuhörer starrten zur Anklagebank, hielten die Hand vor den Mund. Mit Trauer und Entsetzen folgten sie der Aussage des Angeklagten im Mordprozess von Katzenbach am Landgericht in Schweinfurt.
Weinend und zitternd schilderte der 37-Jährige am vierten Verhandlungstag am Donnerstag, wie er seine 36-jährige Ehefrau in der Nacht vom 30. auf den 31. Dezember 2009 umbrachte.
Blutüberströmt hatte man die vierfache Mutter in der Tatnacht im Schlafzimmer in ihrer Wohnung im Burkardrother Ortsteil Katzenbach (Lkr. Bad Kissingen) gefunden. Getötet durch einen Stich in den Hals. Ihren Ehemann, Dirk H., fand man Stunden später auf der A 7 bei Bad Homburg. Mit seinem Auto war er dort in die Leitplanke gekracht. Er hatte lebensgefährliche Stichverletzungen.
„Ich schäme mich für das, was ich Simone angetan habe“, sagte Dirk H. mit zitternder Stimme zu Beginn seiner Aussage. Dann berichtete er ausführlich von dem, was in der Tatnacht und in den Tagen und Wochen zuvor zwischen ihm und seiner Frau vorgefallen war. Seit Längerem habe es in ihrer Ehe Probleme gegeben, berichtete der Angeklagte, der sich zu Prozessbeginn nicht zur Tat geäußert hatte. Seine Ehefrau habe gesagt, sie brauche mehr Freiheiten. Mehrfach habe man über eine Trennung gesprochen. Kurz nach Weihnachten habe sie dann angekündigt, sie wolle die Scheidung.
„Ich wollte das nicht wahrhaben“, sagte der 37-Jährige. Er habe eine Trennung auf Zeit vorgeschlagen. „Ich wollte versuchen, meine Beziehung zu retten.“ Auch am 30. Dezember habe man mehrmals über die Trennung gesprochen. Seine Frau sei dabei „distanziert und kalt“ gewesen. „Es war ein komisches Gefühl.“ Er habe Angst gehabt, sie zu verlieren. Im Lauf des Abends habe er dann drei Bier getrunken, berichtete der trockene Ex-Alkoholiker. Irgendwann sei er zu seiner Frau ins Schlafzimmer gegangen, die dort auf dem Bett lag. Er habe sich hinter sie gekniet, sie angestupst und gesagt: „Lass es uns noch einmal versuchen.“ Sie wies ihn ab. Dann habe er das Messer gesehen, es genommen und zugestochen. Als seine Frau sich zu ihm drehte und ihn anschaute, sei er fürchterlich erschrocken. „Überall war plötzlich Blut.“ Er nahm eine Decke und legte sie über seine Frau. „Ich konnte die Augen nicht mehr sehen.“
Die Szene laufe jeden Abend in seinem Kopf ab, sagt der 37-Jährige. „Ich hasse mich für das, was ich getan habe.“ Das Messer, mit dem er zustach, habe im Schlafzimmer gelegen. Seine Frau und er hatten dort an den Tagen vor Weihnachten Pakete aufgeschnitten, die die Großeltern den Kindern geschickt hatten.
An das, was nach der Tat geschah, könne er sich nur bruchstückhaft erinnern. Er sei ins Bad gegangen, habe das Messer ins Waschbecken gelegt, sich eine Zigarette angezündet. Dann packte er die leeren Bierflaschen, Geld und das Messer und stieg ins Auto. An einer Tankstelle habe er noch mehr Bier gekauft, bevor er auf die Autobahn fuhr. Per SMS verständigte er zwei Bekannte: „Simone ist tot. Kümmere dich um die Kinder.“ Erinnern kann er sich daran nicht. Irgendwann habe er Glas splittern gehört, dann Sirenen. Der 37-Jährige war mit dem Auto gegen die Leitplanke gerast. Er wurde ins Krankenhaus gebracht mit lebensgefährlichen Stichverletzungen. „Ich wollte mich umbringen“, sagt er.
Die Kinder der Familie haben von der Tat nichts mitbekommen. Sie schliefen bereits. Über sie sagte der Angeklagte, er werde alles tun, dass es ihnen gut geht. Er werde den betreffenden Stellen alle Vollmachten ausstellen, die notwendig sind. Nach der Haftstrafe will er sich „langsam an die Kinder herantrauen“. Ob sie mit ihm Kontakt haben wollen, liege bei ihnen.
Der Prozess wird am 22. September fortgesetzt.
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