publiziert: 28.02.2013 10:29 Uhr
aktualisiert: 28.02.2013 13:23 Uhr
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"Angriff" mit Brüsten: Frau bleibt straffrei

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Das viel beachtete Strafverfahren am Amtsgericht Unna um ein angeblich mörderisches Liebesspiel endete wenig spektakulär. Die 33-jährige Unterfränkin, die sich ihren Liebhaber heftig zur Brust genommen haben soll, blieb straffrei.

Das Verfahren wurde nach Paragraf 153 der Strafprozessordnung ohne Auflagen eingestellt. Dies bestätigte eine Sprecherin des Gerichts in Unna auf Anfrage unserer Redaktion.

Die angeblich erdrückende Liebe der Frau aus dem Landkreis Main-Spessart zu einem in Unna lebenden Rechtsanwalt hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Der 34-jährige Jurist hatte seine früheren Freundin beschuldigt, sie habe ihn mit ihrer üppigen Oberweite ersticken wollen.

Die Frau - die wegen einer Erkrankung am Donnerstag nicht vor Gericht erschien - musste in den vergangenen Wochen viel Häme ertragen. Was klang wie ein schlechter Männerwitz, führte aber immerhin zu einer Anklage der Staatsanwaltschaft Dortmund.

Nicht nur wegen der Anklage mit dem Vorwurf "Körperverletzung mittels einer Waffe" sorgte der Fall über Nordrhein-Westfalen hinaus für Aufsehen in den Medien. Das angebliche Opfer - laut Bild 1,80 Meter groß und 80 Kilo schwer - war mit der etwas kleineren, üppig gebauten Frau mit der großen Oberweite während des Studiums in Bayern vier Jahre liiert.

Er habe "nie Strafantrag gestellt", sagte die Gerichtssprecherin auf Anfrage. An einer Bestrafung habe er "kein Interesse" gehabt, sagte er vor Gericht. Ihm sei es "um die Aufklärung des Falles gegangen, nicht um Sanktionen."

Der Rechtsanwalt sprach von einem "Kampf auf Leben und Tod" an jenem Morgen im Mai vorigen Jahres und beteuert: "Ich habe Todesängste ausgestanden" bei dem "hinterhältigen Angriff".

Die Frau sprach dagegen von einem Unfall beim Liebesspiel. Nach Medienberichten soll die 33-Jährige gegenüber der Polizei aber bestätigt haben, dass es zwischen beiden zuvor Sex mit Erstickungsspielen gegeben habe. Jede ernsthafte Absicht, ihren Partner zu töten, bestritt sie jedoch.

Der 34-Jährige schilderte später der Polizei: Unvermutet habe die Frau ihre Brüste heftig an seinen Kopf gepresst, bis er "vor Atemnot blau angelaufen" sei. "Sonst hatten wir nur zärtlichen Sex, das aber war planmäßig und zielgerichtet," behauptet der geschädigte Anwalt laut ortsansässigen Zeitungen.

Laut Gesetzestext ist dies "Körperverletzung mittels einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeuges" und eine "das Leben gefährdende Behandlung". Hätte es sich aber tatsächlich um eine beweisbare Tötungsabsicht gehandelt, wäre der Fall wohl beim Landgericht Dortmund angeklagt worden.

Das Opfer wil sich "mit Händen und Füßen" gewehrt haben. Als ihn die Frau dann auch noch gewürgt habe, habe er sie in die Hand gebissen, um den Griff zu lösen.

"Es war ein Kampf durch die ganze Wohnung", bei dem er immer wieder vergeblich versucht habe, die Polizei zu rufen. Bilderrahmen und Lampen flogen, "eine Tür hat noch heute einen Riss".

Schließlich sei es ihm gelungen, in den Flur zu flüchten, wo ihm seine Nachbarin geholfen und die Polizei alarmiert habe.

Bis in den Abend seien die Beamten mit der genauen Beweissicherung beschäftigt gewesen, derweil die Aggressorin in der Zelle habe warten müssen. "Ich will ihr nichts Böses", sagt der Jurist heute, "aber sie hat mich umbringen wollen."

Der Frau ging es seinen Angaben zufolge nach dem Umzug nach Unna immer schlechter. "Sie hat psychische Probleme, konnte deshalb nicht arbeiten. Je besser es in meinem Job lief, desto schlechter ging es ihr."

Der Mann berichtete von einem Telefonat, in dem sie alles eingeräumt habe: "Sie wollte mich töten." Warum sie dafür ihre Brüste wählte? Sie soll ihm gegenüber erklärt haben: "Ich wollte es so angenehm wie möglich machen."

Der Fall findet ein gewaltiges Echo in den Medien. "Riesenbrüste als tödliche Waffe" titeln Boulevardblätter von "Bild" über WAZ bis zum Kölner Express. Glaubt man diesen Berichten, so hat die Redaktion eines Privatsenders sogar versucht, für ihre Zuschauer die Situation vor der Kamera nachzustellen – in einem Bordell.
Von unserem Redaktionsmitglied Manfred Schweidler
    
    

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