publiziert: 05.08.2012 19:08 Uhr
aktualisiert: 05.08.2012 20:23 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text WÖRTH/KONSTANZ
Aufruf zu Facebook-Party kann teuer werden

Polizei sucht noch nach Initiator in Wörth

Der Aufruf zu einer verbotenen Facebook-Party in Wörth am Main bei Miltenberg kann den Initiator teuer zu stehen kommen. Die Person, die im Netz unter dem Pseudonym „Streifenhörnchen“ für viel Wirbel sorgte, muss damit rechnen, die Kosten für den Einsatz von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten am 21. Juli aufgebrummt zu bekommen.

Wie teuer das wird, steht noch nicht fest. Die Polizei hatte mit 1400 Teilnehmern an der illegalen Veranstaltung rechnen müssen und dafür gesorgt, dass genug Einsatzkräfte vor Ort waren. Wie teuer so etwas kommen kann, zeigt der ähnlich gelagerte Fall in Konstanz. Dort ist von 225 000 Euro die Rede. Die soll ein 20-jähriger Lehrling angeblich zahlen, der als Urheber des Aufrufes zur Party per Internet identifiziert worden war.

„Wir müssen gewappnet sein“

In Unterfranken sollte die Party auf einer abgelegenen Sandbank am Main stattfinden, in Konstanz in einem Freibad. Allerdings sind die Fälle nur bedingt vergleichbar: In Konstanz sperrte die Polizei das gesamte Areal ab. Darunter hatte auch das Restaurant mit Kiosk zu leiden. „Wir rechnen mit einem Verdienstausfall in der Größenordnung von 15 000 bis 17 000 Euro“, sagt Betreiber Tino Schumann.

Eine übertriebene Reaktion der Stadt und Polizei? „280 Mann im Einsatz finde ich nicht unverhältnismäßig“, sagt Michael Aschenbrenner, Pressesprecher der Polizeidirektion Konstanz. Dass von den angekündigten 2500 Gästen lediglich 30 aufgetaucht sind, sei unerheblich. „Das war keine Anzahl, die besorgniserregend war. Aber wir müssen gewappnet sein“, erklärt er.

Genauso war in Wörth Einsatzleiter Johannes Hemm vom Polizeipräsidium in Würzburg verfahren. Auch hier zeigten die Reaktionen im Internet: Die meisten Jugendlichen hatten sich von der Polizeipräsenz beeindruckt gezeigt und waren zu Hause geblieben.

Die Polizei hatte auch zehn Jugendliche konkret angesprochen, die für die Party in Wörth geworben hatten. Sie nahmen ihren Aufruf aus dem Netz, was nicht ohne Wirkung blieb.

„Streifenhörnchen“ gut getarnt

Nur „Streifenhörnchen“ ließ sich von Verbot und Strafandrohung nicht abschrecken: Bis zuletzt warb er für die Veranstaltung, gut getarnt und schwer fassbar, weil er seine Nachrichten im Internet über Knotenpunkte im Ausland umleitet. Er „konnte noch nicht identifiziert werden“, sagt Hauptkommissar Stefan Brabetz, Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken. „Sobald der Verantwortliche gefunden ist, wird das Polizeipräsidium die Übernahme der polizeilichen Kosten prüfen.“

Doch selbst wenn er gefunden wird, ist noch nicht sicher, ob er zahlen muss. Noch wartet die Stadt Wörth ab, welche Rechnungen ihr ins Haus flattern. Und selbst, wenn ein Betrag feststeht, ist noch nicht klar, wer ihn zahlen muss.

Von unserem Redaktionsmitglied Manfred Schweidler
    
    

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Die neuesten Kommentare

pavetedudu (214 Kommentare) am 06.08.2012 17:12

Medieninkompetenz und Hysterie

Zitat:
Polizei hatte mit 1400 Teilnehmern an der illegalen Veranstaltung rechnen müssen

Wieso das? Weil so viele auf "Gefällt mir" geklickt hatten? Das sind keine festen Teilnahmezusagen. Die Polizei musste gar nichts, sie hat in schöner Demonstration von MedienINkompetenz ein imaginiertes Worst-Case-Szenario als definitiv angenommen.
Zitat:
sollte die Party auf einer abgelegenen Sandbank am Main stattfinden

Umso unverständlicher, wieso die Polizei hier derart m. E. hysterisch reagierte. Gerade der gewählte Ort zeigt, daß keinerlei Gefährdung der Öffentlichkeit oder Störung zu befürchten war.
(1)
pavetedudu (214 Kommentare) am 06.08.2012 17:12

Gewappnet sein für nichts

Zitat:
Dass von den angekündigten 2500 Gästen lediglich 30 aufgetaucht sind, sei unerheblich. [...] Aber wir müssen gewappnet sein"

Lernfähigkeit: nicht gegeben.
Die Polizei geht vom Schlimmsten aus, hier: Horden tausender feierwütiger Vandalen, die alles in Schutt und Asche legen wollen.
Zeigt die Realität, daß nichts dergleichen passiert, ist das irrelevant.
Selbst wenn 2500 "Gäste" gekommen wären, ist durch nichts zu belegen, daß von diesen irgendeine Bedrohung ausgegangen wäre.
Zitat:
Die Polizei hatte auch zehn Jugendliche konkret angesprochen, die für die Party in Wörth geworben hatten.

Welch sinnlose Bindung von Polizeikräften und welch peinliches Schauspiel wegen der Ankündigung eines simplen Treffens von Menschen, um zu feiern.
Die sog. (per se schon zweifelhaften) "Gefährderansprachen" kennt man sonst nur vor im Zusammenhang mit bei Ausschreitungen auffällig gewordenen Personen. Inzwischen sind wir schon bei Jugendlichen, die rein gar nichts getan haben.
(1)
pavetedudu (214 Kommentare) am 06.08.2012 17:09

Identitätsermittlung wg. einer Feier und sich verschleiernde Party-Hacker

Zitat:
"Streifenhörnchen" [...] gut getarnt und schwer fassbar, weil er seine Nachrichten im Internet über Knotenpunkte im Ausland umleitet.

Die Polizei hat also wg. eines Aufrufs, zusammenzukommen und zu feiern, TK-Unternehmen um die Offenlegung von Identitäten ersucht? Ein Mittel, um Terroristen aufzuspüren oder Personen, die schwere Straftaten verübt haben, wird genutzt, um Party-Fans zu ermitteln, die sich nichts haben zuschulde kommen lassen?
Der böse Initiator verschleiert seine Person auch noch -- das spornt die ermittlungswütigen Polizisten wohl noch mehr an.
Ein einziges Trauerspiel.
(1)
pavetedudu (214 Kommentare) am 06.08.2012 17:09

Kostenverursacher zahlt - tja, dummerweise ist das nicht der Feierwillige

[quote]selbst, wenn ein Betrag feststeht, ist noch nicht klar, wer ihn zahlen muss.[quote]
Wie wäre es mit den Verursachern? Das wäre diejenigen, die panisch-präventiv Einsatzkräfte angefordert haben, statt einfach entspannt abzuwarten.
Sollte tatsächlich jemand medizinische Hilfe benötigen, ruft man den Notarzt. Sollte es Auseinandersetzungen geben, ruft man die Polizei. Wie immer und überall.
Stattdessen vorsorglich in Hysterie zu verfallen und im Nachhinein auch noch die hierdurch entstandenen Kosten als Strafe jemandem auferlegen zu wollen, der nichts getan hat, außer öffentlich Leute zu suchen, um etwas zu feiern, halte ich für kontraproduktiv, lächerlich und unanständig.
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