aktualisiert: 16.12.2011 19:26 Uhr
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WÜRZBURG
B 26n: Wo geht's nun lang?
Die landesplanerische Beurteilung bringt neue Aspekte in die Diskussion, doch der Streit geht weiter.
Die Straßenplaner vom Staatlichen Bauamt Würzburg sind nicht zu beneiden. Beim Pressetermin anlässlich des Endes des Raumordnungsverfahrens (ROV) zur B 26n am Freitag saßen sie mit versteinerten Mienen im Saal. Sie wussten es vermutlich längst: So, wie sie die Bundesstraße B 26n in mühevoller Kleinarbeit in die Landschaft gezirkelt haben, als Quasi-Autobahn mit gelben Schildern, so wird sie kaum gebaut werden. Der Prüfauftrag der Regierung von Unterfranken als Höhere Landesplanungsbehörde legt nahe: Wenn überhaupt, läuft es auf zwei oder drei Fahrstreifen hinaus. Für die große Lösung macht der Bund bis auf Weiteres kein Geld locker – dafür ist der Widerstand in der Region zu stark.
Zuletzt hatte auch der Bayerische Bauernverband BBV Front gegen das Projekt gemacht, nicht ganz freiwillig, wie Insider wissen. Obmänner des BBV aus betroffenen Kommunen hatten Druck gemacht, Stichwort Flächenfraß: Vier Fahrsteifen auf 50 Kilometer Länge, zehn Anschlussstellen und der Extra-Zubringer nach Lohr, das verschlingt Hunderte Hektar Land und weit mehr als eine halbe Milliarde Euro.
Dass es immer schwieriger wird, im dicht besiedelten Mitteleuropa neue Straßen zu bauen, betonte Oliver Weidlich bei der Vorstellung der 217 Seiten starken „Beurteilung“. Der Sachgebietsleiter Raumordnung, Landes- und Regionalplanung bei der Regierung von Unterfranken unterstrich den hohen Stellenwert umfassender Bürgerbeteiligung und legte die Gründe für die „Maßgaben“ an die Planer dar und für den Auftrag, eine auf ganzer Länge abgespeckte Trasse zu untersuchen. Entscheidend seien die negativen Vorzeichen bei den Punkten Landwirtschaft, Pflanzen, Tiere und Boden gewesen.
Beim wichtigen „Schutzgut Mensch“ erbrachte die Abwägung hingegen ein leichtes Plus. Zwar entstehen im Trassenbereich neue Belastungen, Lärm und Feinstaub. Es würden aber 50 Orte entlastet, einige ganz erheblich. „Ich denke da vor allem an das Werntal“, so Weidlich.
Wie geht es nun weiter? Es war viele Jahre harte Überzeugungsarbeit von Vertretern der Wirtschaft und vormaligen SPD-Bundestagsabgeordneten, das Projekt im Bundesverkehrswegeplan zu verankern. So leicht ist sein Gewicht nicht geworden, dass es von heute auf morgen wie selbstverständlich komplett herauskatapultiert werden wird. Nicht nur, aber vor allem die IHK Würzburg-Schweinfurt wird weiter für den „schnellen“ Bau der B 26n kämpfen, zur Not eben in einer abgespeckten Version. Das machte ihr stellvertretender Hauptgeschäftsführer Rudolf Trunk am Freitag deutlich. Deshalb warnten Vertreter der Bürgerinitiative gegen die B 26n vor Euphorie. Es sei zu früh für lauten Jubel, äußerte sich Matthias Zorn, Vorsitzender des Vereins Bürger und Kommunen gegen die Westumgehung.
„Wir sollten dieses Projekt so schnell wie möglich zu Grabe tragen.“
Simone Tolle, Landtagsabgeordnete der Grünen aus Arnstein
Eines aber lässt der Prüfauftrag der Regierung von Unterfranken für eine abgespeckte Version schon jetzt deutlich werden. Die Verkehrsprognosen, mit denen das Vorhaben 2003 in den Bedarfsplan des Bundes für Fernstraßen gehievt wurde, waren wohl – vornehm ausgedrückt – an der obersten Grenze des Menschenmöglichen. Die bis zu 40 000 prognostizierten Fahrzeuge am Tag wird eine abgespeckte Straße kaum bewältigen können. Muss sie auch nicht, erläuterte Oliver Weidlich auf eine Frage. „Wenn man ein Angebot schafft, dann wird das auch angenommen.“ Vier Fahrstreifen ziehen mehr Verkehr an als zwei. Oder: Das Fortkommen auf den Autobahnen A 3 und A 7 ist für Fernfahrer möglicherweise bequemer und schneller als auf einer schmalen B 26n.
Das neuerliche Prüfen und Rechnen wird dauern, die lärmgeplagten Menschen im Werntal aber wollen die schnelle Lösung. Die wünscht sich auch die Arnsteiner Grünen-Abgeordnete Simone Tolle. Das trotzige Festhalten an der B 26n behindere bedarfsgerechte Lösungen. „Wir sollten dieses Projekt so schnell wie möglich zu Grabe tragen“, schreibt Tolle und fordert: Planungsstopp.
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