publiziert: 19.07.2011 11:27 Uhr
aktualisiert: 20.07.2011 13:52 Uhr
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"Badesalz": Warnung vor neuen Horror-Drogen

Ärzte und Rauschgiftfahnder warnen vor gefährlicher Wirkung
  • Boris Roessler (dpa)
    Symbolbild Drogen
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Sie tragen harmlose Namen wie „Badesalz“ oder „Kräutermischung“: Neue synthetische Designer-Drogen finden auch in Unterfranken schnell Verbreitung.

Aber so harmlos, wie sie heißen, sind die gefragten neuen Produkte der Drogenszene nicht: Ärzte und Rauschgiftfahnder warnen vor Designer-Produkten, die beängstigende Wirkung haben: Im Wahn kratzen oder schneiden sich Konsumenten die Haut auf, werden gewalttätig gegen sich und andere, werden zum Fall für den Notarzt.

„Die Wirkung ist nicht berechenbar, die gesundheitlichen Risiken unkalkulierbar,“ weiß Sandra Clemens, Sprecherin des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden. Es sei bei Konsumenten zu „erheblichem Herzrasen und Ohnmacht“ gekommen, und die zumeist Jugendlichen seien wegen Kreislaufzusammenbrüchen auf Intensivstationen eingeliefert worden.

„Badesalz“, das nicht im Badewasser landet, sondern in den Bronchien, Nasen oder Venen von Drogenkonsumenten, ist derzeit der Renner in den USA. Von Januar bis Juni gingen in den Giftnotrufzentralen 3470 Anrufe im Zusammenhang mit „Badesalzen“ ein, heißt es in der „New York Times“ - mehr als zehnmal so viele wie im gleichen Zeitraum 2010. "Badesalz" wird meistens geraucht, kann aber auch geschluckt oder gespritzt werden.

„Ich habe noch nie eine Droge erlebt, die sich so schnell verbreitet hat“, wird David Hayes, Polizeichef in Alton (US-Staat Illinois) von Zeitungen in aller Welt zitiert.

In 22 von 50 US-Bundesstaaten ist „Badesalz“ legal übers Internet zu bestellen. Allerdings sind die Gesetzgeber alarmiert: Vorige Woche haben mit Louisiana, Missouri und New York drei Bundesstaaten die Designerdroge für illegal erklärt.

Auch in Europa ist man durch den jüngsten Drogenbericht der EU-Kommission aufgeschreckt. Die Vizepräsidentin und Justizkommissarin, Viviane Reding, warnte vor eine Flut neuer synthetischer Drogen in Europa.

Die EU registrierte im vergangenen Jahr 41 neuen Substanzen. Laut Reding werden die Drogen „mit einer nie da gewesen Geschwindigkeit in ganz Europa verbreitet“.

Gerade junge Leute verlassen sich darauf, dass ihnen mit „Legal Highs“ nichts passieren könne. „Ein Irrtum“, weiß Lothar Dengel, Leiter des Kommissariats zur Drogenbekämpfung im Raum Würzburg. „Auch wenn sie noch nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, greift doch das Arzneimittelgesetz mit seinen verschärften Strafvorschriften“.

In Unterfranken sei Badesalz „noch kein Thema“, sagt Dengel. „aber die Dunkelziffer ist hoch“. Zum einen lassen sich die „Legal Highs“ (die noch nicht durch das Betäubungsmittelgesetz erfasst sind) problemlos übers Internet bestellen. Zum andern verhindert die ärztliche Schweigepflicht oft, dass Drogenbekämpfer erfahren, warum ein Mensch in die Notaufnahme kam.

Die Kräutermischungen haben Experten der Kripo indes in Unterfranken schon gefunden. „Die Produkte werden verharmlost“ warnt Dengel. „Sie sind gefährlicher, als sie hingestellt werden.“

Es sind nicht die Kräuter, die den gefährlichen Rauschzustand hervorrufen, sondern im Chemielabor gebastelte synthetisch hergestellte Drogen, die der Mischung beigefügt sind. Also Cannabinoide, die ähnlich wirken wie Haschisch oder Marihuana. Oder Chemikalien, die ursprünglich bei der pharmazeutischen Forschung synthetisiert wurden, aber dann vom Markt genommen wurden, weil sich die Nebenwirkungen als zu stark erwiesen oder die erwünschte therapeutische Wirkung nicht erzielt wurde.

Die Produzenten – die Lothar Dengel im asiatischen Raum ortet – ändern die chemische Zusammensetzung ihrer Drogen dauernd, damit gesetzliche Verbote nicht greifen. Die Ungewissheit, was in den zusammengepanschten Substanzen enthalten ist, stellt Ärzte im Notfalleinsatz und in der Suchttherapie vor Probleme: „Wenn man nicht nachweisen kann, was ein Süchtiger nimmt, ist es auch nicht möglich, eine Therapie darauf abzustimmen“, sagt einer.

Von unserem Redaktionsmitglied Manfred Schweidler
    
    

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»Alle 18 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

unbekannt (2 Kommentare) am 22.07.2011 18:33

Und noch was zum informieren

Hier gibt es sorgfältig recherchierte Informationen zu Drogen.

http://www.drogenkult.net/
(1)
unbekannt (2 Kommentare) am 22.07.2011 18:28

Ganz schön dürftig...

Mir ist dieser Artikel wirklich zu dürftig. Was soll das denn bitte für eine Info sein "sondern im Chemielabor gebastelte synthetisch hergestellte Drogen, die der Mischung beigefügt sind. Also Cannabinoide, die ähnlich wirken wie Haschisch oder Marihuana. Oder Chemikalien, die ursprünglich bei der pharmazeutischen Forschung synthetisiert wurden, aber dann vom Markt genommen wurden, weil sich die Nebenwirkungen als zu stark erwiesen oder die erwünschte therapeutische Wirkung nicht erzielt wurde."

Ein bisschen konkreter wäre mir lieber!

Außerdem ist die ganze Entwicklung der Drogenszene auf eine weltweit völlig verkehrte Drogenpolitik zurück zu führen! Jeder, der sich einigermaßen vernünftig mit dem Thema auseinander setzt, kann nur zu diesem Punkt kommen.

Noch was für die Augen:

http://www.youtube.com/watch?v=tveBRb8Qp2I
(1)
der bürger (1310 Kommentare) am 21.07.2011 20:58

Was soll die Aufregung......

es sind die Dummen, nicht die Leistungsträger einer Gesellschaft, die Genuss nicht von Sucht unterscheiden können.......

Zwar hat der Staat grundsätzlich für die Volksgesundheit Sorge zu tragen, das sollte allerdings auch Grenzen haben.... zwinkern
(2)
grayjohn (3108 Kommentare) am 20.07.2011 16:04

Einstiegsdrogen

Es klingt hier einmal kurz an: in NL, wo Cannabis erlaubt ist, "versuchen" es nur 20% der Bevölkerung, anderswo bei einem Verbot über 40%.

Warum?

Beim Verbot von ... (suchen Sie sich etwas aus) bildet sich ein Schwarzmarkt dafür mit "unheimlichen" Gewinnspannen. Es muss jedem halbwegs marktwirtschaftlich denkenden Menschen klar sein, dass alle Schwarzhändler versuchen, (nicht nur) für das eingegangene Risiko wenigstens auch den Gewinn zu maximieren. Dafür wiederum müssen sie aktiv Kunden keilen bis zum Geht-nicht-mehr.

Wäre Heroin ein "ganz gewöhnliches" landwirtschaftliches Produkt wie alle anderen auch, fiele nicht nur die Triebfeder für den Schwarzmarkt weg, sondern auch die unweigerlich damit verbundene Beschaffungskriminalität etc.

Und vermutlich würde auch kaum jemand auf die Idee kommen, gefährliche "halblegale" bzw. als legal propagierte Substanzen vom Schwarzmarkt einzunehmen (schon mal gleich, weil es nämlich nicht wirklich einen gäbe), wenn das Original an jeder Ecke zu haben wäre.

Man könnte also glatt zu dem Schluss kommen, dass unser Staat besser damit fahren würde, alle(!) Drogen zu legalisieren und ihre Einnahme der Verantwortung der Staatsbürger/innen selbst anheim zu stellen. Denn das würde bedeuten: weniger Drogenkonsument/inn/en/ -tote, weniger Kriminalität, weniger Kosten für die Verbrechensbekämpfung. Die jetzige so genannte Drogenpolitik kann imho angesichts der beobachteten Auswüchse beim Drogenkonsum jedenfalls nur als gescheitert betrachtet werden.
(0)
ds07 (260 Kommentare) am 20.07.2011 14:17

Aus eigener Erfahrung

kann ich zu der Diskussion nur sagen: Drogen wirken bei jedem anderst bzw. verändern ihn. Cannabis ist definitiv weit weniger schädlich, v.a. physisch, als diese Kräutermischungen, die man ja als toxisch bezeichnen kann. Diese von Profis verbreiteten Produkte sind hochgefährlich für den Körper. Und auch die zynische und durch eine massive Industrielobby unterstützte Alkoholverbreitung (wer wundert sich über den Konsum junger Menschen, wenn auf den Jugendsendern bzw. in den von Jugendlichen konsumierten Medien permanent legal Werbung dafür gemacht wird ?) ist mindestens genauso schädlich, je nach Konsum sogar schädlicher als Cannabis.
Ausschlaggebnd ist aber immer die Menge und Häufigkeit, egal welche Sustanz. Deswegen muss ich zu Cannabis auch sagen (und wie gesagt, ich habe es jahrelang selbst konsumiert): 1. Für manche Menschen, ich betone für manche, nicht alle, ist Cannabis definitiv eine Einstiegsdroge, ich habe dies im Freundeskreis öfters erlebt. Für andere, mich eingeschlossen, hat Cannabiskonsum nie den Einstieg zu Härterem bedeutet. 2. Bei starkem Konsum, wie oben erwähnt, die Menge/Häufigkeit bestimmt die Auswirkungen, führt auch C. zu psychischer Abhängigkeit, Lethargie, Faulheit....an jedem Klischee ist auch etwas wahres....und bei anfälligen Menschen kann dies auch zu schweren Depressionen/Psychosen führen. 3. Auch im Hasch und im Gras, welches von Profis verbreitet wird - also nicht das private Pflänzchen auf dem Balkon - sind immer öfter Chemikalien, Glas, Sand, sogar Blei, um mehr Gewinn zu machen.
Aber schwerste körperliche Schäden schon nach kurzer Zeit wie bei diesen Kräutermischungen (welche ich auch aus Neugierde probiert habe) sind durch Cannabis nicht zu erwarten. Wobei ständiges Rauchen natürlich auch nicht gesund ist, aber es gibt ja auch andere Möglichkeiten C. zu konsumieren.
Ich halte von der aktuellen Drogenpolitik, was Cannabis angeht, in der BRD bzw. BY auch nicht viel. Ob und wie eine Liberalisierung die Verbreitung dieser Chemiekräuter eindämmen könnte, ist schwer zu sagen. Ich denke auch bei einer gewissen Tolerierung von Hanf, würde der Konsum von Spice, etc. in kleinerem Umfang anhalten. Allein schon wegen der starken Wirkung und bequemen Bestellung per Internet.
Fazit: Finger weg von den Kräutern, v.a. nicht häufig nehmen ! zwinkern
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