aktualisiert: 11.03.2010 20:19 Uhr
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WÜRZBURG
Bauer soll Achtjährige missbraucht haben
55-Jähriger bestreitet die Vorwürfe
Der Angeklagte ist guter Laune und tritt sehr selbstbewusst auf. „Unternehmer“ sei er, erzählt der 55-Jährige, der nach eigenen Worten von 400 Euro monatlich lebt, vor dem Würzburger Amtsgericht. Tatsache ist, dass er eine kleine Landwirtschaft im Main-Spessart-Kreis betreibt – und dass er wegen Kindesmissbrauchs angeklagt ist.
Auf einem Grundstück mit einem Bauwagen, wo er Hasen und Ziegen hält, habe er der Achtjährigen ein Pornoheft gezeigt, dabei onaniert und dem Kind erzählt, „wie Frauen Kinder bekommen“, sagt die Anklage. Bevor die Kleine heimging, soll er ihr eingeschärft haben, zu schweigen. Wenn sie erzähle, was passiert ist, müsse er „ins Gefängnis“.
Pornoheft in der Hand
Während die Anklage verlesen wird, schüttelt der 55-Jährige, den die Schülerin öfter besuchte, weil sie seine Tiere mag, oft den Kopf. Dann erzählt er seine Sicht der Dinge. Nach der Ernte habe er im Bauwagen den Feierabend einläuten wollen. Als er onanierte, sei plötzlich das Mädchen reingekommen. Damit die Kleine nicht sieht, was er macht, habe er das zufällig herumliegende Pornoheft in die Hand genommen. Die Schülerin habe sich für die Bilder interessiert. „Was tun die denn da?“, habe sie gefragt, sagt der Landwirt vor Gericht. „Das darf ich dir nicht sagen“, habe er geantwortet, „sonst komme ich ins Gefängnis.“
Sollte die Version des Bauern stimmen, wäre er unschuldig. „Wer beim Onanieren von einem Kind überrascht wird, macht sich nicht strafbar“, sagt der Vorsitzende Richter. Er fragt den 55-Jährigen aber auch, warum das Mädchen lügen solle.
Die Achtjährige, deren polizeiliche Vernehmung auf einer DVD aufgenommen wurde und die nun im Gericht abgespielt wird, hat nämlich präzise Angaben gemacht. Ganz unbefangen und sehr genau hat sie der Polizeibeamtin erzählt, was der 55-Jährige an jenem Augusttag mit ihr gemacht haben soll.
Geweint und gezittert
Die Mutter der Kleinen erzählt dem Gericht, dass der Angeklagte ihr Kind sechs Tage vor dem Prozess noch mal angesprochen habe. Er werde ihr „heimzahlen“, was sie ihm „angetan“ habe, habe er gesagt. Das Kind, das sich seit Monaten in psychiatrischer Behandlung befinde, sei „völlig aufgelöst“ gewesen und habe gezittert und geweint. Der Bauer bestreitet die Begegnung.
Drei Monate nach dem angeklagten Missbrauch hat der 55-Jährige das Mädchen bei der Anklagebehörde diskreditiert. Die Kleine habe sich „herumgetrieben“, „Eier zerbrochen“ und einen „Hasenstall geöffnet“, schrieb er der Behörde.
Die Pornohefte, die bei ihm gefunden wurden, gehörten ihm nicht, sagt der Bauer vor Gericht. Vermutlich habe sein Neffe sie liegen lassen. Oder sie stammten aus dem Besitz seiner verstorbenen Mutter.
Obwohl vieles gegen den 55-Jährigen spricht, wollen er und sein Verteidiger, dass die Kleine als Zeugin vernommen wird. „Sie spielen mit der Freiheit Ihres Mandanten“, warnt der Richter den Anwalt. Aber auch nach einer Besprechungspause bestehen Angeklagter und Verteidiger auf einer erneuten Vernehmung des Kindes. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.
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