publiziert: 25.11.2012 17:47 Uhr
aktualisiert: 25.11.2012 20:13 Uhr
» zur Übersicht Franken
    
    
Artikel
 
    
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text NÜRNBERG
Christkindlesmarkt schneidet bei Umfrage schlecht ab

Tradition statt Ballermann: Nürnberger halten an Konzept fest

Anfang der Woche sorgte eine Umfrage der Fachhochschule Hagen (Südwestfalen) unter 5000 Besuchern von Weihnachtsmärkten für Unmut in Nürnberg.

  • Foto: dpa
    Traditionelle Süßigkeit: Bündelweise Lebkuchenherzen hängen an einem Stand auf dem Christkindlesmarkt im mittelfränkischen Nürnberg. Das Foto ist ein Archivbild. Am kommenden Freitag, 30. November, wird der Markt mit dem traditionellen Prolog des Christkinds eröffnet.
Bild von
Der weltberühmte Christkindlesmarkt zählt demnach nicht zu den weihnachtlichsten und gemütlichsten Märkten in Deutschland. Er landete auf hinteren Plätzen. Auch mit der Freundlichkeit sollen es die Franken nicht so haben. Die Marktverantwortlichen halten jedoch am traditionellen Konzept fest.

Das „Fress- und Saufangebot“ auf manchen Märkten sei auch nicht gemütlicher als auf dem Christkindlesmarkt, sagt etwa der Vize-Vorsitzende des Deutschen Schaustellerbundes, Lorenz Kalb. „Die singen da ihre lustigen Ballermann-Lieder, es gibt Geisterbahnen und Fahrgeschäfte.“ Das wünsche er sich für Nürnberg nicht.

Diplomatischer formulierte es Wirtschaftsstadtrat Michael Fraas (CSU): Solche Studien gebe es immer kurz vor der Adventszeit. Das seien aber doch subjektive Eindrücke und kaum vergleichbar. So koste etwa der Weihnachtsmarkt am Berliner Gendarmenmarkt Eintritt, die Hälfte der Buden seien Pavillons, teils präsentierten sich noble Restaurants dort. „Ich glaube nicht, dass die Menschen wegen des Marktes nach Berlin fahren“, sagte Fraas. Und das sei in Nürnberg anders. „Die Zahlen geben uns Recht.“ Im vergangenen Jahr seien etwa 2,2 Millionen Besucher auf den Nürnberger Markt gekommen. Wichtig sei, die Waage zwischen Tradition und Moderne zu halten. „Man darf aber auch nicht jedem Trend hinterherlaufen“, sagte Fraas. „Wir sind nicht der kleine kuschelige Weihnachtsmarkt und dazu stehen wir auch.“

Aufbau ist im vollen Gange

Während die Diskussion weitergeht, haben viele Verkäufer bereits ihr Sortiment in den Buden untergebracht. Hier und da wird in den kleinen Gassen zwischen den Ständen noch eingeräumt und geputzt, Mitarbeiter der Stadt bringen bereits den Weihnachtsschmuck an. Dort wo am kommenden Samstag tausende Menschen das „Städtlein aus Holz und Tuch“ betreten, stehen jetzt noch vollbepackte Autos. Auf dem Dach eines Bratwurststandes turnen vier Mitarbeiter herum und bringen die Verzierung an. Noch kommt keine festliche Stimmung auf.

Händler reißen sich um Buden

Kritik am Markt gibt es durchaus. Viele beklagen das schummrige Licht oder das für Stöckelschuhe gefährliche Kopfsteinpflaster. Auch die Häuser rund um den Hauptmarkt seien – verglichen mit Rothenburg ob der Tauber, Dinkelsbühl oder Wiesbaden – nicht besonders schön, wie etwa ein Nürnberger urteilt.

Dennoch ist das Interesse der Händler an einer Bude riesengroß. Wer einen Stand ergattern will, muss sich den strengen Vorgaben der Stadt beugen. Die Bewerbungsfrist läuft wie in jedem Jahr bereits im Februar aus, Fehlverhalten führt zum Ausschluss bei der nächsten Auswahl. Auch gibt es einen einheitlichen Schmuck an den Buden, Werbung und PR-Aktionen sind verboten.

Dass der Christkindlesmarkt für die Wirtschaft von großer Bedeutung ist, bestätigt die Industrie- und Handelskammer. Der Markt bestimme das internationale Image Nürnbergs und sei eine wertvolle Marke, sagte ein Sprecher. Allerdings sei die Konkurrenz mittlerweile sehr stark. Deshalb seien in den vergangenen Jahren bereits Neuerungen umgesetzt worden, wie die Kinderweihnacht oder der Markt der Partnerstädte auf dem Rathausplatz. Auch werde der Markt heuer unter der Woche eine Stunde länger geöffnet haben.

Wenn am Freitag, 30. November, das Nürnberger Christkind Franziska Handke den Markt mit ihrem Prolog eröffnet, wird die halbe Stadt auf den Beinen sein. Traditionell drängen sich Zehntausende Nürnberger auf dem Hauptmarkt. Bis Heiligabend wollen mehr als 200 Standbetreiber ihr Sortiment feilbieten. Der Christkindlesmarkt gehört zu den ältesten Märkten in Deutschland und lässt sich bis in ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen.



Der Nürnberger Christkindlesmarkt

Einer der bekanntesten und ältesten Weihnachtsmärkte in Deutschland ist der Nürnberger Christkindlesmarkt. Seine erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1628. Auf einer Spanschachtel aus Nadelholz findet sich neben der Jahreszahl der Hinweis auf einen „Kindles-Marck“ im mittelfränkischen Nürnberg. Vermutlich hatte es das „Städtlein aus Holz und Tuch“ aber schon viel früher gegeben. Denn bereits im Jahr 1610 ist in einem städtischen Ratsbeschluss von einem Markt die Rede, auf dem Geschenke zum „Kindleinsbescheren“ angeboten wurden. Bereits im Jahr 1737 waren fast alle Nürnberger Handwerker mit Verkaufsbuden vertreten.

Seine Lage im Herzen der Altstadt und die traditionell gehaltenen Verkaufsstände machen den Christkindlesmarkt seit Jahrzehnten zu einem Touristenmagneten. Jährlich kommen etwa zwei Millionen Menschen in die „Deutsche Weihnachtsstadt“, wie sich Nürnberg in der Adventszeit gerne nennt. Neben dem bekannten Nürnberger Lebkuchen werden unter anderem Krippen und Christbaumschmuck angeboten. In den vergangenen Jahren wurde um den Markt der Partnerstädte auf dem Rathausplatz erweitert. Hier gibt es Kunstgewerbe aus Städten wie Antalya (Türkei), Atlanta (USA), Glasgow (Schottland), San Carlos (Nicaragua) oder Santiago de Cuba (Kuba). text: lby

Von dpa-Korrespondent Stefan Engelbrecht
    
    

Diesen Artikel

Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

»Alle 10 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

DMA (1522 Kommentare) am 28.11.2012 12:23

Wenn das Geschäft brummt

dann passts doch. Egal, was die Befragung ergeben hat, Gedanken muss man sich in Nürnberg erst machen, wenn die Gewinne rückläufig sind. Da man am Konzept festhält scheint dies nicht der Fall zu sein. Touristen gibt es schließlich genug, die zuhause erzählen, dass sie auf dem weltberühmten Christkindlesmarkt waren und das natürlich gaaaanz toll war (wer erzählt schon, dass der Urlaub nicht ganz toll gewesen ist - erst recht wenn man Unsummen dafür gezahlt hat, wie manche Gäste aus Asien). So ist lange genug für Nachschub gesorgt, bis auch der letzte Touri verprellt wurde (was wohl kaum vorkommen wird). Die Wiesn läuft ja auch prächtig obwohl viele Münchner nur noch selten den Weg zur Wiesn finden.
(0)
ds07 (260 Kommentare) am 26.11.2012 14:52

...

Stimme den meisten Kommentaren voll zu....v.a. ,drkiesel,....der Nürnberger Markt ist der touristischste, kommerziellste, meist überlaufenene, ungemütlichste und engste, den ich kenne....da muss man wirklich neidlos anerkennen, dass der Markt in Würzburg in allen Belangen die bessere Wahl ist...
In Nürnberg sind die Buden dicht gedrängt, kaum Platz, es gibt max 5 verschiedene Waren/Angebote/Essen bei gleichzeitig hunderten Buden, Preise vollkommen überteuert (Drei verbrannte, warmgehaltene im ebenfalls verbrannten Tiefkühl - Billig - Weckla für
2,80.- grinsen )....das hat mehr was von Viehtrieb....aber die ganzen Italiener, Japaner, etc sind ja damit zufrieden....Die kleinen Weihnachtsmärkte (meist auf dem Land) sind definitiv besser....
(2)
drkiesel (127 Kommentare) am 26.11.2012 10:43

Also wenn ich von ausländischen Gästen...

gefragt werde, welcher Weihnachtsmarkt denn lohnend wäre, dann erwähne ich den Nürnberger "Weihnachtsmarkt" mit Sicherheit ganz zum Schluss als abschreckendes Beispiel. Gehts noch ungemütlicher und kommerzieller? Dagegen ist doch unser Würzburger Weihnachtsmarkt geradezu eine Wohltat an vorweihnachtlicher Besinnlichkeit.

Die wirklich schönen Weihnachstmärkte gibts, meiner Meinung nach, nicht in den Städten sondern aufm Land draußen. Dettelbach, Volkach, Castell,...

Leider sind die besonders schönen Weihnachtsmärkte (z.B. Sommerhausen) mittlerweile so dermaßen überlaufen, dass es auch schon wieder keinen Spaß macht.
(3)
klosterschueler (1006 Kommentare) am 26.11.2012 14:39

Auf dem Weihnachtsmarkt in Würzburg

gibt es nach meiner Erfahrung bereits ab dem 3. Advent gewaltige Lücken im Angebot.
Würzburg kann sich hier ganz gewiss nicht mit Nürnberg messen. Natürlich kann man kleinere Märkte romantischer und gemütlicher finden, nur sind diese halt auch nicht gleichmäßig über die ganze Adventszeit mit dem vollen Sortiment bestückt.
Hier werden doch Äpfel mit Birnen verglichen, ein kleiner Weihnachtsmarkt auf dem Land, der vermutlich auch nur an zwei Wochenenden stattfindet ist doch nicht vergleichbar mit dem einer Großstadt, bei dem die Beschicker auch die Auflage haben, das ganze Sortiment über die ganze Adventszeit vorrätig haben zu müssen.
(1)
drkiesel (127 Kommentare) am 26.11.2012 15:03

@klosterschueler

Ich unterstelle jetzt einfach mal, dass die meisten Menschen (Konsumenten) mehr Spaß auf einem romantischeren und gemütlicheren Weihnachtsmarkt haben als auf einer Massenveranstaltung mit "Vollsortiment". Wer geht denn schon zum Einkaufen auf so einen Markt? Was fehlt Ihnen denn ab dem 3. Advent? Glühwein (vor allem) und die anderen gutgehenden Artikel sind IMMER vorrätig - schon im Interesse der Standlbesitzer. grinsen

Die wenigsten werden ihren sonntäglichen Weihnachtsmarktbesuch danach ausrichten wo es am meisten chinesischen Billig-Weihnachtskitsch zu kaufen gibt.
(1)
Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist abgelaufen. Sie können daher keine Beiträge zu diesem Artikel verfassen.
    

Großes Unterfranken-Quiz 

Sie werden staunen, was Sie alles über Unterfranken noch nicht wissen. Oder doch? Testen Sie sich. »mehr
Anzeige
Anzeige

Zeichen setzen 

Förderpreis für
engagierte Bürger
Lesen Sie alles über den Preis und machen Sie Vorschläge, wer ihn bekommen soll. »mehr