aktualisiert: 22.09.2009 17:54 Uhr
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Damit Energie-Felle nicht wegschwimmen
MdB Hans-Josef Fell im Fotovoltaikzentrum Kolitzheim auf der Wahlkampftour durch Bayern
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Inmitten der Solarmodule des Kolitzheimer Solarparks stellte der bayerische Spitzenkandidat der Grünen für die Bundestagswahl und Vater des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes, MdB Hans-Josef Fell (links), beim Besuch des Fotovoltaikzentrums die Ziele grüner Umwelt- und Energiepolitik vor. Das Bild zeigt ihn im anschließenden Gespräch unter anderem mit Kolitzheims 2. Bürgermeister Martin Mack (Mitte).FOTO Norbert Vollmann -
Seit zehn Jahren fährt der Hammelburger Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fell bereits ein Elektromobil. Darin kam der bayerische Spitzenkandidat der Grünen jetzt auch auf seiner Wahlkampftour durch den Freistaat ins Kolitzheimer Fotovoltaikzentrum, um die Batterien sogleich an der Elektro-Tankstelle aufzuladen.FOTO Norbert Vollmann
Bei Hans-Josef Fell ist der Akku offenbar niemals leer. Denn so beinahe geräuschlos, wie der bayerische Spitzenkandidat der Bündnisgrünen für die Bundestagswahl neben Claudia Roth und Christine Scheel auf den Stationen seiner Wahlkampftour quer durch den Freistaat mit seinem Elektromobil auftaucht, verlaufen seine Auftritte, wie jetzt im Fotovoltaikzentrum in Kolitzheim, beileibe nicht.
Geht es um die Forcierung der Erneuerbaren Energien und die Abkehr von fossilen und atomaren Energieträgern, dann redet er sich in Fahrt, strotzt er nur so vor Energie. In der Umstellung sieht der Hammelburger Bundestagsabgeordnete und weltweit anerkannte und gefragte Energie-Experte die Zukunft des Landes.
Beinahe geräuschlos rollt, wie erwähnt, das Elektromobil die letzten Meter auf den speziell für Elektroautos ausgewiesenen Parkplatz im Fotovoltaikzentrum. Dann klappt das Glasdach nach oben und der grüne Vordenker in Energiefragen entsteigt dem weißen Elektroleichtfahrzeug, das er bereits seit zehn Jahren fährt. Unter der Fahrerkabine prangt deutlich sichtbar sein Wahlkampfmotto: „Auf alle Felle – 100% Erneuerbare Energie.“
Während in der Zwischenzeit an der Elektro-Tankstelle die Batterien seines fahrbaren Untersatzes aufladen, wird der Obmann im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gleich wenige Meter weiter im Kolitzheimer Solarpark inmitten der Dünnschicht-Solarmodule über die Ziele grüner Politik reden.
Thomas Vizl als Sprecher der Kreisverbände Schweinfurt und Kitzingen von Bündnis 90/Die Grünen in Vertretung des erntebedingt verhinderten Bundestagskandidaten Hans Plate – er ist Landwirt – und Bernhard Beck erwarten Fell bereits.
Als Fell den Geschäftsführer von Beck-Energy, einem Pionier in Sachen Solarstrom, vor rund zehn Jahren im kleinen Dimbach, wo alles begann, besuchte, hatte die Firma vier Mitarbeiter. Heute, so Beck stolz, beschäftigen Beck-Energy sowie die anderen unter dem Dach des Fotovoltaikzentrums vereinten Firmen Blitzstrom, S&F (Solar & Fotovoltaik) und Climagy weltweit „deutlich über 400 Menschen“. Und Bernhard Beck weiß, wem der Erfolg mit zu verdanken ist: „Ohne Hans-Josef Fell wäre all dies nicht möglich gewesen.“
Das Musterbeispiel Kolitzheim, wo man seit 2002 konsequent auf Solarkraft und damit auf weniger Kohlenstoffdioxid- und Schadstoffausstoß setzt, ist ganz nach dem Geschmack von Hans-Josef Fell. Hier ist der 57-Jährige, der seit 1998 im Bundestag sitzt, in seinem Element.
Ja, er habe das inzwischen auf der ganzen Welt kopierte Gesetz für Erneuerbare Energien einst auf den Weg gebracht, aber er habe noch viele andere Gesetze gleichen Kalibers für die Zukunft im Kopf, kündigt er an. Nur die regenerativen Energien könnten die Wirtschaftskrise bekämpfen, Arbeitsplätze schaffen, Kriege um Erdöl verhindern, die Abhängigkeit von der Energielobby und den von ihnen diktierten Preisen für Erdöl, Erdgas oder Uran verhindern, sowie die Gesellschaft aus der Wirtschafts-, Klima-, Energie- und Armutskrise führen.
Hans-Josef Fell: „Wir haben die Energien. Sonne, Wind, Wasser, Erdwärme oder Bioenergie sind in Hülle und Fülle da.“ Zwei Euro Solarstromkosten seien auf seiner Reise im Elektromobil durch Bayern auf 100 Kilometer angefallen. Der grüne MdB: „Da merken Sie, wo die Zukunft liegt“. Um nachzuschieben: „Wer ein schnelles Wachstum und den Ausbau der Erneuerbaren Energien forcieren will, muss aber die sowohl ökologisch als auch für unser Wirtschaftssystem schädlichen Atomkraftwerke abschalten und neue Kohlekraftwerke verhindern“.
Fell: „Lassen Sie sich nicht von den alten Konzernen, die auf Gewinnmaximierung abzielen, ins Bockshorn jagen. Nur mit den Erneuerbaren Energien geht es aufwärts.“ Ein Drittel aller Kugellager in Schweinfurt würde so heute für die Windkraftanlagen bereitgestellt.
Überhaupt habe das lange belächelte grüne Wirtschaftswunder bereits rund 300 000 Jobs in der Branche Erneuerbare Energie geschaffen. Landwirte hätten ein zusätzliches Einkommen erhalten, viele Handwerksbetriebe in der Elektro- oder Heizungsbranche lebten von den Erneuerbaren. Und viele weitere Arbeitsplätze könnten im Umwelt- und Klimaschutzbereich hinzukommen. Fell: „Aber es ist kein Selbstläufer, dass es auf diesem Gebiet weitergeht. Die politischen Rahmenbedingungen müssen stimmen“.
Die sind in den Augen Fells aber gefährdeter denn je, wenn er etwa an die Besteuerung der heimischen reinen Biokraftstoffe oder an die aktuell geführte gefährliche Diskussion denke, die Vergütungssätze für die Fotovoltaik deutlich zu senken.
Eine Million Arbeitsplätze verspricht sich Fell von der „Ökologisierung der Gesellschaft“. Der Grüne: „Wir wissen, wie es geht. Wir brauchen nur die Zulassung des Wählers, wieder mitregieren zu können.“
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