aktualisiert: 19.04.2011 19:35 Uhr
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WÜRZBURG
Das Automatenspiel hat höchstes Suchtpotenzial
Schnelle Spielfolgen verleiten zu immer mehr Wiederholungen – Sportwetten sollen auch privaten Anbietern erlaubt werden
(dpa/noh) Es ist ein Milliardenmarkt, der viele Zocker ins Verderben stürzt, in die Spielsucht treibt. Dennoch wollen die Bundesländer die Regeln fürs Glücksspiel lockern: Bei Sportwetten bekommen 2012 auch private Anbieter eine Chance – mit strengen Auflagen. Bis jetzt werden über 90 Prozent der Einnahmen illegal gemacht, Experten fürchten, dies könnte so bleiben.
Der aktuelle Glücksspiel-Staatsvertrag läuft Ende 2011 aus. Laut Urteil des Europäischen Gerichtshofs ist ein staatliches Monopol nur zulässig, wenn es die Suchtgefahr bei allen Spielarten konsequent bekämpft. Dazu werden die sieben Sportwettenanbieter verpflichtet, die künftig eine Lizenz erhalten. Als Druckmittel gilt deren Befristung auf fünf Jahre. Das staatliche Lotto-Monopol soll laut den Länderchefs unangetastet bleiben.
Die bei Sportfans beliebten Live-Wetten – auf Zwischenstände oder den nächsten Torschützen – bleiben verboten. Wichtig für Fußball-Bundesligisten ist, dass sie auf ihren Trikots oder den Banden im Stadion für private Wettfirmen werben dürfen. Das könnte ihnen zusätzliche Millioneneinnahmen bringen. TV-Werbespots im Umfeld von Sportsendungen sind dagegen nicht zulässig.
Doch auch wenn der neue Staatsvertrag zustande kommt, bleibt ein Grundübel: Rund 80 Prozent der Spielsüchtigen sind nach Ansicht von Experten abhängig vom Daddeln an Automaten oder im Internet – und dafür ist laut Gewerbeordnung das Bundeswirtschaftsministerium zuständig. In Gaststätten stehen rund 70 000 Automaten, in Spielhallen 165 000, von mehreren Hunderttausend Süchtigen ist die Rede.
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dykmans (FDP), würde am liebsten alle Automaten aus den Kneipen verbannen. Doch der Radikalvorschlag hat keine Chance auf Umsetzung, wenngleich die schwarz-gelbe Koalition plant, Auflagen zu verschärfen. Das jedoch trieb die Lobby der Spielhallen und Kneipen auf die Barrikaden: Automaten-Hersteller Paul Gauselmann etwa behauptet, die große Mehrheit der fünf Millionen Spieler an Geld-Gewinn-Geräten seien „gesund und störungsfrei“. Nur rund 30 000 spielten mehr, als ihnen guttue.
Was das Suchtpotenzial an Spielgeräten erhöht, verdeutlicht der Würzburger Professor Jobst Böning: Die Automaten würden ständig anreizender gestaltet. Und immer schnellere Spielfolgen regten zu Wiederholungen in kurzen Zeiträumen an. Laut Erhebungen sei von den 3,25 Milliarden Euro, die 2008 in Spielautomaten gelandet seien, 56 Prozent von Spielsüchtigen gekommen. Beim Sportwetten-Anbieter Oddset seien es 52 Prozent gewesen. Deshalb müsse der Staat gegensteuern.
In Bayern war eine Konsequenz 2008 die Einrichtung der „Landesstelle Glücksspielsucht“. Eine der sechs unterfränkischen Beratungsstellen ist bei der Diakonie Schweinfurt. Dort steigt laut Berater Sebastian Gerhard der Zulauf: 2010 habe es über 80 Anfragen gegeben, 2009 70, davor seien es deutlich weniger gewesen. „Durch die Landesstelle ist das Thema mehr in den Köpfen angekommen“, glaubt der 29-Jährige. Er arbeitet seit zweieinhalb Jahren für die Diakonie, ist seit einem Jahr für die Spielsüchtigen zuständig.
Zur Beratung gehöre, anhand von Fragen ein Gesamtbild des Spielers zu erstellen: Wo stehe ich? Ist der Leidensdruck hoch, weil gerade ein kompletter Monatslohn verspielt wurde oder hohe Verschuldung vorliegt? Ist eine Therapie nötig, beispielsweise in der Fachklinik, oder kann die Diakonie helfen? „Im Vordergrund steht die Frage, wieso jemand spielt“, erläutert Gerhard.
Wenn sich Angehörige melden, werde versucht, diese in die Lage zu versetzen, bei dem Spieler Problembewusstsein auszulösen. „80 Prozent unserer Klientel kommt aus Spielhallen.“ Dort werde an Geldautomaten wieder und wieder Geld gezogen, oft bis zur Kontosperre. Onlinespieler seien nur vereinzelt zur Beratung gekommen. „Aber das ist noch ein relativ junges Thema, wird wohl zunehmen“.
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blaubi (2799 Kommentare) am 20.04.2011 08:02
warum dagegen wettern?gerade das glücksspiel ist doch eine enorm hohe einnahmequelle für vater staat. man solle es auch mal von der positiven seite sehen.jedem menschen sollte es freigestellt sein, glücksspiel zu tätigen, ob und inwieweit er dann dem verfallen ist, sein eigenes pech, er solle sich halt unter kontrolle haben. dann sollte man vorher den alkohol verbieten, denn dieser macht noch mehr abhängig und macht noch wesentlich mehr gesellschaftlichen schaden. entweder wir haben die verfassungsgemässe und demokratische freiheit selber über unser tun und handeln zu entscheiden oder eine moralapostelsche diktatur, wo der mensch durch den menschen in seinem handeln gelenkt und erzogen wird. |
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