aktualisiert: 11.02.2009 17:37 Uhr
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Würzburg
Die Siegerin der Herzen
Die Wahl der 53. fränkischen Weinkönigin und damit der Nachfolgerin von Eva Barthelmes ist eine ganz besondere. Denn am Donnerstag wird die höchste Repräsentantin des Rebensaftes im Freistaat erstmals in Mittelfranken gewählt, genauer im Kongresszentrum von Bad Windsheim. „Im vergangenen Jahr waren wir in Bürgstadt am Untermain, diesmal sind wir eben in Mittelfranken. Weinfranken ist für uns überall dort, wo Wein wächst“, sagt der Geschäftsführer des fränkischen Weinbauverbandes, Herrmann Schmitt.
Er beziffert die Zahl der dortigen Winzer auf rund 612, die eine Fläche von gut 300 Hektar bewirtschaften. Das ist, sowohl was die Zahl der Betriebe als auch das Anbaugebiet angeht, etwa ein Zehntel von Franken. Dabei erlebt der Weinbau im Mittelfränkischen nach dem Niedergang durch die Reblaus und die beiden Weltkriege eine Renaissance.
Beispielhaft ist der Winzerhof Stahl in Auernhofen. Dort begannen die Eltern von Christian Stahl 1982 nach der Flurbereinigung mit einem halben Hektar Weinbergen. Zuvor hatten sie einen klassischen landwirtschaftlichen Betrieb. Heute bewirtschaftet der Winzerhof 7,5 Hektar, unter anderem in Tauberzell und Randersacker.
„Wir haben mittlerweile schon einen gewissen Bekanntheitsgrad“, sagt Simone Stahl. Trotzdem sei häufig die erste Frage: „Wo sind denn überhaupt eure Weinberge?“ Ein echtes Charakteristikum für die Weine aus Mittelfranken gebe es nicht, sagt ihr Mann: „Das kommt mehr auf die Bodenbeschaffenheit als auf die Gebietsgrenzen an“. Die hiesigen Winzer jedenfalls seien mit denen im Rest von Weinfranken mittlerweile auf Augenhöhe.
Die Wahl der Weinkönigin in Bad Windsheim verbindet Simone Stahl mit großen Hoffnungen: „Ich denke schon, dass es den Bekanntheitsgrad der mittelfränkischen Weine steigern wird.“ Noch einen größeren Schub würde es natürlich geben, wenn erstmals die fränkische Weinkönigin aus Mittelfranken kommen würde. „Es wäre schon mal an der Zeit“, sagt sie.
Die Chancen stehen gar nicht schlecht, denn mit der 21-jährigen Andrea Gebhard aus Ipsheim ist unter den drei Bewerberinnen eine echte Lokalmatadorin. Sie arbeitet als Kauffrau für Tourismus und Freizeit in der Franken-Therme in Bad Windsheim und ist als 51. Ipsheimer Weinprinzessin die Ansprechpartnerin für die örtlichen Weinbauvereine.
Ihre Mitbewerberinnen sind die 22-jährige Marlies Dumbsky aus Volkach und die 23-jährige Susanne Gehrig aus Retzbach (Landkreis Main-Spessart). Dumbsky ist ausgebildete Winzerin und studiert Kommunikations- und Medienwissenschaften in Leipzig. Gehrig ist Polizeiobermeisterin in München, ihre Eltern bewirtschaften einen kleinen Weinberg im Nebenerwerb.
Die Kandidatinnen müssen sich den Fragen der Jury stellen, rund 100 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sind darunter. Das Prozedere der Wahl ist genau festgelegt. Zunächst wird jede Kandidatin einzeln je 15 Minuten lang befragt, dann müssen die drei noch einmal gemeinsam auf die Bühne und Fragen beantworten. Nach gut einer Stunde hat die Jury das Wort.
Ob Andrea Gebhard dabei einen Heimvorteil hat? Weinbauverbandsvertreter Schmitt verweist auf die unabhängige Jury, auch Winzerin Stahl ist sich da nicht so ganz sicher. Die Bewerberin selbst sieht die Wahl nüchtern. „Wir haben gesehen, dass die deutsche Mannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 Heimvorteil hatte und trotzdem nicht gewonnen hat. Aber sie waren am Ende die Sieger der Herzen“, sagt die junge Frau.

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