publiziert: 13.07.2012 19:48 Uhr
aktualisiert: 14.07.2012 10:45 Uhr
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Doktorfabrik beschäftigt die Justiz

20 zweifelhafte Arbeiten, vier davon unter Plagiatsverdacht - die Universität Würzburg bemüht sich um Klarheit im Titelskandal am Institut für Medizingeschichte.

  • Doktorfabrik an der Uni Würzburg (Symbolbild): Mittlerweile ein verstrickter Fall für die Justiz.
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Offiziell ist es ruhig geworden im Fall um angeblich gekaufte Doktorarbeiten am Institut für Medizingeschichte der Universität Würzburg. Doch diversen Juristen macht der Fall weiter Arbeit.

2009 hatte die Staatsanwaltschaft Würzburg gegen den fleißigen Doktorvater – der nach eigenen Angaben über 200 Dissertationen betreut hatte – einen Strafbefehl erlassen. Die Staatsanwaltschaft hielt es für bewiesen, dass zumindest in sechs Fällen Geld (teilweise als Darlehen für Forschungsvorhaben des Professors) geflossen war.

Der Anwalt des in Ruhestand gegangenen Professors betont: Der Strafbefehl wegen Vorteilsnahme erging unabhängig davon, ob ein Zusammenhang mit den Doktorarbeiten bestand. Dies belegt auch der Wortlaut des Strafbefehls, der unserer Redaktion vorliegt (wir berichteten).

Im Frühjahr 2011 sorgte der Fall aber erneut für Wirbel – durch ein Dossier, das ein oder mehrere anonyme Insider an Justiz und Medien schickten. Auf 40 Seiten werden dubiose Vorgänge um die Entstehung von Doktorarbeiten an diesem Institut geschildert, die Universitätsleitung kommt dabei denkbar schlecht weg. Der anonyme Verfasser listete Fakten, Zitate aus internen Schreiben sowie Aktenzeichen auf und behauptete: Der Professor habe Doktortitel verschachert.

Das beschäftigte erneut die Staatsanwaltschaft. Sie eröffnete wieder das Ermittlungsverfahren gegen den Professor, fand aber keine Belege für neue Straftaten. Das Verfahren sei im Mai eingestellt worden, sagt der Anwalt des Gelehrten. Von den Behauptungen sei nichts übrig geblieben. „Jetzt haben wir schriftlich, dass sich mein Mandant in der Hinsicht nicht strafbar gemacht hat.“

Dafür hat die Staatsanwaltschaft aber – zwei Jahre nach dem Professor – auch jenem Mittelsmann einen Strafbefehl geschickt, der in dem Dossier erwähnt war. Er hatte Kontakte zu Personen hergestellt, die an einem Doktortitel interessiert waren und dem Professor Geld gezahlt. Auf Anfrage bestätigte die Staatsanwaltschaft: Der 58-Jährige habe 2005 und 2006 in drei Fällen je 1000 Euro gezahlt, um sich erkenntlich zu zeigen, den Professor zu motivieren und ihn bei der Umsetzung von Forschungsvorhaben zu unterstützen. Beide Strafbefehle sind rechtskräftig.

Daneben ließ die Universität – aufgerüttelt vom Dossier und den Schlagzeilen darum – durch Gutachter monatelang Doktorarbeiten prüfen, die unter Obhut des Professors entstanden waren. 20 Arbeiten haben Anlass zu Zweifeln geliefert. Laut Uni-Pressesprecher Dr. Georg Kaiser haben die Prüfer vier Doktorarbeiten herausgefiltert, bei denen Plagiats-Verdacht besteht.

Die Mängel sind – wie der Dekan der medizinischen Fakultät, Professor Matthias Frosch, versichert – so massiv, dass die wissenschaftlichen Arbeiten „nicht einmal Mindeststandard erfüllen“. Die Uni hat sich entschlossen, in diesen vier Fällen den Doktortitel nachträglich abzuerkennen. Uni-Sprecher Kaiser sagt: Alle vier Doktoren wollen juristisch gegen den Verlust des Doktortitels vorgehen. Damit steht ein Streit bevor, der auf Jahre Gerichte beschäftigen dürfte.

Einer der Vier reagierte extrem ungehalten auf die Nachfrage, ob...

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Von unserem Redaktionsmitglied Manfred Schweidler
    
    

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»Alle 15 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

eightyone (157 Kommentare) am 15.07.2012 11:58

jeder deep mit geld

kann sich heute vom meisterbrief bis zum doktortitel einkaufen. auf den titel sch..... ich schon lange. aber es fällt doch auf das die studis immer blööder sind und doch zu einem abschluß kommen. mit wechen mittel auch immer. geld und gaunerrei oder so. blööd sind die ehrlichen armen leute die lernen wie verrückt und da läuft gehörig was falsch im vorzeigestaat deutschland.
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cigogne (67 Kommentare) am 14.07.2012 17:36

honor professorentitel an der fh

nicht vergessen werden sollte, wie die fh würzburg-schweinfurt ihre honorarprofessorentitel verschenkt. für zwei stunden lehrauftrag, das finde ich viel skandalöser
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Du_di_ned_oo (4995 Kommentare) am 14.07.2012 14:32

Vorwürfe gegen die Universität Würzburg - Die Doktorfabrik

Mit 40 (teils abgeschriebenen) Seiten zum Doktorhut - wenn man die richtigen Freunde hat.

Einen Doktortitel für 40 Seiten über Heilpflanzen: An der Würzburger Universität lieferten Ärzte kuriose Dissertationen ab. Jetzt kündigen der Unipräsident und der Dekan der medizinischen Fakultät Konsequenzen an.
Bislang hat sich die Universitätsleitung nur sehr knapp zu den Vorwürfen geäußert. Nun erklären sich Unipräsident Alfred Forchel und der Dekan der medizinischen Fakultät
(im SZ-Interview:)

[Interview mit Unipräsident und Dekan der med. Fakultät in SZ]

Tja - auch dank Ex-Wissenschaftsminister Goppel (CSU) ist in Bayern eben mehr möglich als anderswo...
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closs (1766 Kommentare) am 14.07.2012 13:36

Diese Titel-Erschleichungen gibt es eigentlich nur da,

wo die öffentliche Wahrnehmung Titel sehen möchte - siehe Politiker, aber eben auch Ärzte.

Bei unserem letzten Abitreffen haben wir über dieses Thema gesprochen, und die über 10 anwesenden Ärzte haben freimütig bekannt, dass es zu ihrer Zeit nötig war, diesen albernen Titel zu haben, weil sonst das Volk gemeint hat, man sei kein richtiger Arzt ohne Dr.-Titel. - Dabei waren - so sagen die Betroffenen - diese Dr.-Arbeiten in der Regel nicht sehr anspruchsvolle Auswertungen von irgendwelchen Meßreihen, zu denen man eine promotions-fähige Fragestellung gestaltet hat und sich ein halbes Jahr mit rumgeschlagen hat. Ausnahme: Ärzte, die wirklich in die Forschung wollten - davon waren auch zwei unter den anwesenden Ärzten.

Fazit: Wenn die Gesellschaft den im Ausland (außer Österreich) belächelten Dr.-Titel endlich mal richtig einordnet, ist er nur noch interessant für wirklich wissenschaftlich interessierte Forscher. Ansonsten wird der Mißbrauch bleiben, weil es die Gesellschaft so will.
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Du_di_ned_oo (4995 Kommentare) am 14.07.2012 13:47

@closs Thema wurde m.E. etwas verfehlt

Ja - Doktor-Arbeiten im medizinsichen Bereich sind häufig
Auswertungen von irgendwelchen Meßreihen ...
Vermutlich etwa auf dem Niveau wie es Physiker im Grundstudium bei Praktika anwenden

Aber darum geht es hier gar nicht - auch nicht in zweiter oder dritter Linie.
Es geht hier m.E. darum wie Titel gekauft werden und wie - zumeist "christliche" - Politiker davon profitieren oder Freunde und Bekannte davon profitieren lassen.
Das ist das Thema.
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