aktualisiert: 13.10.2011 08:45 Uhr
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UNSLEBEN
Dorfladen Unsleben: Bequem Einkaufen im Heimatort
Einrichtung hat sich bewährt
Klein und verwinkelt ist das alte Anwesen, das den Dorfladen an der Hauptstraße von Unsleben (Lkr. Rhön-Grabfeld) beherbergt. Jeder Zentimeter wird hier genutzt. So wurde die alte Küche zum Büro mit Kaffeeecke umfunktioniert und im ehemaligen Schlafzimmer türmen sich die Waren bis unter die Decke.
Vor rund zwölf Jahren entstand der Dorfladen, angeleiert von der damaligen Bürgermeisterin Elisabeth Machon. Es ging und geht Machon um die Gewährleistung einer Grundversorgung vor Ort. „Nicht jedes Gemeindemitglied kann weite Wege zurücklegen. Ältere und alleinstehende Menschen sowie Mütter mit kleinen Kindern bekommen hier die Dinge des täglichen Bedarfs einfach um die Ecke.“
Die Idee dazu hatte sie sich bereits ein paar Jahre vorher in einem anderen Dorf abgeschaut. Mit Unterstützung vom Landratsamt und etwas Glück, wie sie sagt, konnte sie mit einer Anlaufzeit von knapp drei Jahren 1999 die Eröffnung des Dorfladens feiern.
Die Kosten übernahm anfänglich die Gemeinde. Sie mietete die Räumlichkeiten an und bezahlte die Mitarbeiter. Neben einer festangestellten Geschäftsführerin sorgen auch heute noch vier Hilfskräfte und zwei ehrenamtliche Mitarbeiter dafür, dass der Laden läuft.
Als das Haus 2009 zum Verkauf stand, wurden die Bürger von Unsleben in die Pflicht genommen. Neben 8600 Euro, die als Fördergeld von der EU kamen, benötigte die Gemeinde für den Kauf und die Innenausstattung weitere 20 100 Euro. Also wurde zum zehnjährigen Bestehen des Ladens der „Dorfladentaler“ eingeführt. Anteile des Kredits, der zum Kauf des Hauses aufgenommen worden war, konnten die Kunden erwerben. Ihre Investition wird seitdem verzinst und in Form von Dorfladentalern getilgt. Die Höhe der Anteile am Kredit war von Bürger zu Bürger unterschiedlich.
Die Taler haben einen Wert von fünf beziehungsweise zehn Euro. Mit dieser Währung können die Bürger im Dorfladen einkaufen. So bekam die Gemeinde das nötige Kapital für den Erwerb der Immobilie und einen festen Kundenstamm dazu.
„Wir rühren aber weiterhin die Werbetrommel. Es steht eine dringend benötigte Renovierung an, und für die müssen wir trotz der vielen freiwilligen Helfer Geld sammeln“, so die Leiterin des Ladens, Christa Hüllmandel.
Sie war vor 30 Jahren als junge Mutter nach Unsleben gekommen und bei der Entstehung des Ladens vom ersten Tag an mit dabei. Dass der Laden mittlerweile schwarze Zahlen schreibt, darauf ist sie besonders stolz. „Ich war auch früher schon im Einzelhandel tätig, das ist mein ursprünglicher Beruf. Aber ich hätte nie gedacht, dass ich ihn noch mal machen würde, vor allem nicht mit dieser Begeisterung!“
Mit Begeisterung sind hier alle dabei. „Der soziale Aspekt steht für uns im Vordergrund!“, bestätigt Hüllmandel. So gibt es zum Beispiel keinen offiziellen Lieferservice, aber wenn mal jemand anruft, weil er etwas braucht und nicht selbst kommen kann, dann bringt die Belegschaft des Dorfladens die Ware gern persönlich vorbei – ohne Aufpreis, versteht sich. Auch auf die persönlichen Wünsche der Stammkunden wird eingegangen. „Wenn jemand fragt, ob wir das ein oder andere besorgen können, bestellen wir das.“
Ansonsten besteht das Sortiment aus allem, was der Mensch so braucht. „Bei Gemüse und Obst achten wir auf Bioware und Erzeugnisse aus der Region, das geht bei uns am besten. So etwas kristallisiert sich nach und nach raus“, berichtet die Geschäftsführerin.
Kinder üben Umgang mit Geld
Nach der Schule kommen auch viele Schüler vorbei, die sich auf dem Platz vor dem Dorfladen treffen und ihr Taschengeld gegen Süßigkeiten eintauschen. Oft müssen die Verkäufer dann beraten, was die Kleinen für ihre Cent-Münzen bekommen können. Auch werden viele Kinder mit Aufträgen ihrer Eltern vorbeigeschickt und können hier im geschützten Rahmen einkaufen. „Auf dieser Wiese lernen sie, mit Geld umzugehen!“, erklärt Hüllmandel. Diesen Vorteil nutzt auch die örtliche Förderschule. Jeden Tag kommen Schüler in Begleitung eines Erziehers vorbei, um „Einkaufen“ zu üben.
Die Belegschaft kann sich über fehlende Kunden nicht beklagen. Denn neben den Waren des täglichen Lebens gibt es hier auch Ansprache gratis zum Einkauf dazu. „Das Gefühl, gehört zu werden und mal was erzählen zu können, ist besonders für ältere und alleinstehende Menschen wichtig.“ sagt Hüllmandel. „Bei manchen unserer Kunden kann man die Uhr danach stellen, wann sie vorbeischauen. Wenn so ein Kunde dann mal nicht kommt, fragen wir schon mal nach, ob alles in Ordnung ist!“
Jedes Jahr fährt die komplette Mannschaft nach Thierhaupten bei Augsburg auf ein Seminar für Dorfladen-Betreuer. Das stärkt neben den Fähigkeiten als Verkäufer auch den Gemeinschaftssinn innerhalb des Teams.
Elisabeth Machon, die Initiatorin des Dorfladens, ist noch dabei, obwohl sie ihr Amt als Bürgermeisterin 2008 aufgab. Sie kümmert sich weiterhin und nun ehrenamtlich um die Buchführung. Beide Frauen begründen Ihre Motivation mit dem Zusammenhalt im Dorf. „Was ich an Zeit und Mühe investiere, das bekomme ich von den Kunden in Form von Zufriedenheit und einem Dankeschön hier und da zurück“, sagt Christa Hüllmandel.
Der Laden kommt bei allen gut an. Das bestätigt auch Edith Koch, eine von knapp 1000 Unslebenern: „Ich komme mindestens viermal in der Woche, manchmal mit dem Fahrrad oder ich laufe. So einen Laden sollte es in jedem Dorf geben!“
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