publiziert: 01.09.2010 15:32 Uhr
aktualisiert: 02.09.2010 11:33 Uhr
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SCHWEINFURT/BURKARDROTH
Ehefrau erstochen: Angeklagter schweigt zu Details
Prozessauftakt bringt Licht ins Leben des 37-Jährigen
Was ist wirklich geschehen in der Nacht zu Silvester 2009? Damals wurde eine 36-jährige Mutter von vier kleinen Kindern in der Gemeinde Burkardroth (Landkreis Bad Kissingen) tot in ihrem Bett gefunden. Die Anklage spricht von Mord.
Der 37-Jährige habe seiner schlafenden Frau eine tiefe Stichwunde in den Hals versetzt und dabei die Hauptschlagader und die Luftröhre durchtrennt, erläutert Staatsanwalt Andreas Hein den Mordvorwurf. „Er wollte nicht akzeptieren, das sich seine Frau von ihm trennen und die Scheidung einreichen wollte.“
80 Minuten lang schildert der Kraftfahrzeugtechnik-Meister Dirk H. dann seine wechselvolle Lebensgeschichte, die im Juni 1973 in Brandenburg an der Havel begann. Es ist ein Leben mit vielen Träumen und vielen Rückschlägen. Er bekennt sich zu seinen Alkoholproblemen und der immer knappen Familienkasse.
Doch als die Vorsitzende Richterin Elisabeth Ott wissen will, warum er am 30. Dezember 2009 nach gut drei Jahren Abstinenz wieder zum Alkohol gegriffen habe und warum sich seine Frau trennen wollte, bleibt er die Antwort schuldig. „Ihre Frau blühte auf, wurde selbstbewusster und sicherer, seitdem sie wieder arbeitete“, wirft Ott in den Raum.
„Keine Fragen mehr, was meine Frau betrifft“, erklärt der 37-Jährige nach kurzer Rücksprache mit seinem Anwalt.
In seiner Jugend ist Dirk H. Sportler. Sein großes Ziel sind die Olympischen Spiele 1992 in Barcelona. Dort rechnet er sich eine Chance im Doppelvierer aus. Mit elf Jahren hat er mit dem Rudersport begonnen. 1987 wird er in die Sportschule Potsdam aufgenommen. Dreimal wird er Spartakiadesieger.
Als „schlimm, erniedrigend und deprimierend“ erlebt er, wie er 1989 von der Stasi verhört wird, nachdem drei Sportler einen Wettkampf in Paris zur Flucht genutzt haben. Vom Mauerfall erfährt er, als er nach einem sechswöchigen Trainingslager in Bulgarien in Sofia in den Flieger einsteigt.
Als Spitzensportler hat er in der DDR etliche Privilegien genossen, aber 1990 treffen auch ihn die Folgen der Wende. Die Sportschule und sein Verein Dynamo Potsdam werden aufgelöst, damit geht auch der Ausbildungsplatz als Koch bei der Polizei verloren. Mit einer Freundin geht er 1992 nach Kaiserslautern. 1994 heiraten beide.
Zwei Jahre später trennen sie sich nach einem Seitensprung seiner Frau. Dirk H. zieht nach Unterfranken zu seiner Schwägerin, lernt dort seine zweite Frau Simone kennen. Doch seine Scheidung zieht sich hin und: Seine Ex-Frau räumt 20.000 Euro vom gemeinsamen Konto ab.
„Ich bin zum Alkoholiker geworden“, bekennt der Familienvater. „Doch das hat die Probleme nicht gelöst, sondern verstärkt.“ Jahre später verliert Dirk H. seinen Job, macht auf Drängen seiner Frau eine Entziehungskur, mit Erfolg. Er besucht die Meisterschule, seine Frau kümmert sich um die mittlerweile vier Kinder.
„Finanziell war das eine sehr klamme Zeit“, sagt der 37-Jährige. Auch dann noch, als er einen festen Job in Fulda hat, dafür aber kaum noch zu Hause ist. „Ihre Frau lebte unter permanenter Angst, dass ihr das Geld nicht reicht“, fasst die Vorsitzende Richterin die Aktenlage zusammen.
Ungeachtet dessen nimmt sich Dirk H. 2008 einen Mietwagen und trifft sich mit einer ehemaligen Schulfreundin. Simone H. will sich scheiden lassen, vermisst Zuneigung, Zärtlichkeit, Ehrlichkeit - auch in Sachen Geld.
Doch die beiden bleiben zusammen. Ein Jahr später nimmt sie wieder einen Vollzeitjob an. Was dann am 30. Dezember 2009 passierte, soll nun der auf fünf Verhandlungstage angesetzte Mordprozess klären. Das Urteil ist für 24. September geplant.
dpa
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