publiziert: 29.07.2010 20:33 Uhr
aktualisiert: 29.07.2010 20:33 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text WÜRZBURG
Falsches Gold für 956 Euro bei Ebay ersteigert

Würzburger Rechtsanwalt warnt vor Betrügern im Internet – Falschgold-Käufer bekommt sein Geld zurück
  • Gewogen und für zu leicht befunden: Mit der hydrostatischen Waage bestimmt Sachverständiger Bernhard Thein die Dichte des Metalls: Das echte Stück Gold hat eine Dichte von 19,3 Gramm pro Kubikzentimeter, die Dichte des gefälschten Barren liegt deutlich darunter.
    Foto: THOMAS OBERMEIER
  • Das ersteigerte Falschgold – solche Stücke gibt es auch heute noch im Internet zu kaufen.
    Foto: THEIN
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Als Bernhard Thein in der vergangenen Woche den „Goldbarren“ mit der Prägung „Troy Oz, 1000 Mills, 999 Gold“ in die Hand bekam, war ihm sofort klar, dass mit dem circa fünf mal drei Zentimeter großen Stück etwas nicht stimmt. Die Erfahrung sagte dem Uhrmacher und Goldschmiedemeister, dass der Barren ein bisschen größer ist, als es eine echte Unze Gold wäre.

Für den Kunden im Geschäft des vereidigten Sachverständigen in Würzburg ist das eine bittere Wahrheit: Christoph Stang weiß jetzt, dass er betrogen worden ist. Der Mann aus Mulfingen zwischen Bad Mergentheim und Crailsheim hat das angebliche Gold Ende Mai über das Internet-Auktionshaus Ebay für 956 Euro ersteigert.

Angeblich 999er Gold

„Ich habe den Barren bei einem Angebot von 200 Euro entdeckt, weiter verfolgt und mitgesteigert, bis ich den Zuschlag bekam“, sagt Stang. Der Verkäufer habe den Barren als 999er Gold beschrieben. Ein paar Tage später hält Stang das glänzende Metallstück in der Hand und ahnt nichts Böses.

„Bislang habe ich bei Ebay gute Erfahrungen gemacht“, berichtet der 33-Jährige. Beim kanadischen Barren locken ihn zusätzlich noch 50 Euro Ersparnis zum Tagespreis der angeblichen Unze, der zu diesem Zeitpunkt bei rund 1000 Euro lag. Doch als er den Barren einige Zeit später auf eine Feinwaage legt, zeigt diese einen kleinen, aber bedeutenden Unterschied: Statt 31,1 wiegt die „Unze“ nur 30,6 Gramm. „Da bin ich stutzig geworden.“

Vermutlich Messing statt Gold

Um Gewissheit zu bekommen, fährt Stang nach Würzburg. Thein, der einzige vereidigte Sachverständige der Handelskammer für Gold- und Silberschmiedehandwerk in Unterfranken, erstellt ein Gutachten: Per hydrostatischer Waage ermittelt er für den Barren eine Dichte von acht Gramm pro Kubikzentimeter. Gold hat aber die Dichte 20. Das heißt, der Barren ist aus einem leichteren Metall geprägt. Thein: „Vermutlich aus Messing, wenn das poliert ist, glänzt es wie Gold.“

Ob Stang ein Einzelfall ist, oder ob schon mehr Kunden bei Ebay Goldfälschungen, im Glauben diese seien echt, ersteigert haben, kann eine Pressesprecherin von Ebay auf Anfrage dieser Zeitung nicht sagen. Der Verkäufer des Stangschen „Goldbarrens“ sei nach Bekanntwerden des erstens Verdachts sofort gesperrt worden. Weder Käufer noch Ebay haben bislang die Polizei informiert.

Barren, die genauso aussehen, wie der von Stang, werden in Ebay allerdings weiterhin gehandelt. In den vergangenen Tagen boten sechs Verkäufer diese für einen Startpreis zwischen einem und 24,99 Euro an. Bei einigen Artikeln wird klargestellt, dass kein echtes Gold versteigert wird. „Ich möchte der fairnesshalber noch erwähnen dass es sich dabei nicht um reines Echtgold handelt“, hat ein Verkäufer seine Beschreibung am 25. Juli ergänzt. Andere preisen diese Barren „mit Stempelglanzqualität“ aber als „eine gute Wertanlage“ an.

Laut des Würzburger Rechtsanwaltes und Fachanwaltes für Internetrecht Chan-Jo Jun ist der „Handel mit Fälschungen eine moderne Plage im Internet“. Meistens gehe es um Markenartikel.

Werde eine Fälschung als echt verkauft, könne der Käufer den Preis zurückverlangen und Schadensersatz für einen Ersatzkauf geltend machen. „Oft sind Verkäufer dann aber mit dem Geld schon über alle Berge.“

Versteckte Hinweise

Schwer habe es der Käufer, wenn in der Produktbeschreibung Hinweise auf die fehlende Echtheit versteckt sind: Zum Beispiel wird das unechte Gold in Angeboten teilweise als „999 Gold Replique“ beschrieben. Auch müsse eine angebotene Silberschale nicht aus reinem Silber sein – das hat das Amtsgericht Würzburg in einem Urteil 2005 so entschieden. Laut Rechtsanwalt Juns Erfahrung gehen Portalbetreiber Beschwerden von Käufern oft nur halbherzig nach.

Der geprellte Käufer Stang hat indes gute Chancen, sein Geld zurück zu bekommen: Er hat mit Käuferschutz PayPal bezahlt, und Ebay gibt sich nach Anfrage dieser Zeitung kulant. „Auch wenn die Frist zur Rückabwicklung des Kaufs überschritten sein sollte, bekommt der Kunde den Preis von uns erstattet, sobald er den Artikel zurückgesendet hat“, erklärt die Sprecherin von Ebay.

Tipps für sicheren Kauf im Internet

Käuferschutz gibt Ebay nur, wenn der Käufer das Zahlsystem PayPal benutzt.

PayPal-Zahlungen garantieren Datenschutz und sichern Einkäufe in unbegrenzter Höhe ab – wenn die Ware nicht kommt oder nachweisbar nicht der Produktbeschreibung entspricht.

Produktbeschreibungen sollten Käufer ganz genau lesen. Werden sie nicht verstanden: Finger vom Produkt lassen.

Vorsicht ist auch geboten, wenn Verkäufer PayPal nicht anbieten oder Gewährleistung ausschließen. Auch ein brandneues Anmeldedatum oder eine geringe Zahl von Bewertungen können Hinweise auf betrügerische Verkäufer sein: Kauffallen bleiben im Netz auf niedrigem Startpreis und warten auf dumme Käufer.

Infos: www.falle-internet.de

Von unserem Redaktionsmitglied MANUELA GÖBEL
    
    

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Die neuesten Kommentare

wahrheit (93 Kommentare) am 30.07.2010 18:23

Schön blöd ist auch blöd

Es wird leider überall betrogen und beschissen, in allen Bereichen. Der Käufer hier gehört extra nochmal bestraft, für seine Blödheit, Gold über eBay zu kaufen
(0)
reutjo (1660 Kommentare) am 30.07.2010 07:38

"Dumme Käufer" ......... !!!

darauf warten Viele!
Den Spruch: " täglich kommen welche aus den
Bahnhof; den muss man finden! "; hörte ich
erst gestern wieder zB bei einer Auto-Oldtimer
-Show. Da ist ja auch oft viel Rost und Spachtel-
masse unter den glänzenden Lack.
'Rosstäuscher' gibt es schon seit der Antike.

Schlimm ist nur, dass Viele dieser Spezies,
als "clevere Geschäfts- u. Kaufleute" hofiert
werden und mancher sich im Glanze derer sonnt -
Geblendet ist.
Daher gilt: 'es ist nicht alles Gold was glänzt!'
(0)
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