aktualisiert: 11.02.2009 17:37 Uhr
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NEUSTADT/VOLKACH
Fränkische Weinkönigin im Finale
Marlies Dumbsky und die Wahl der Deutschen Weinkönigin
Nervös sei sie, sagt Marlies Dumbsky. Etwas blass steht die Fränkische Weinkönigin vor dem Saalbau in Neustadt an der Weinstraße, umringt von ihren Fähnchen schwingenden Fans aus Volkach mitsamt Bürgermeister Peter Kornell. Noch nervöser ist ihre Mutter. Nur der Vater strahlt die Ruhe eines fränkischen Winzers aus. „Das macht Marlies schon. Nächste Woche sind wir beim Finale hier.“ Und recht hat er.
Drei Stunden später: Auf der Bühne im Scheinwerferlicht der Fernsehkameras Saal verliest Monika Reule, die Geschäftsführerin des Deutschen Weininstitutes, die Namen der Finalistinnen. Nervöse Spannung im fränkischen Lager. Erst beim vorletzten Umschlag kommt Jubel auf. Marlies Dumbsky im eleganten dunkelbraunen Kostüm strahlt und winkt. Am kommenden Freitag darf sie nach der Krone der Deutschen Weinkönigin greifen. Mit ihr stehen Irene Grusla aus Sachsen, Sarah Schmitt von der Nahe, Christina Wagner vom Mittelrhein, Andrea Königer aus Baden und Michaela Hans aus dem Rheingau im Finale.
Gesucht wird die 60. Repräsentantin des deutschen Weines, gewählt erst die 59. Denn die erste Weinkönigin wurde 1949 aus einer Laune heraus beim Neustädter Weinlesefest von einigen Honoratioren bestimmt.
Viel hat sich geändert seitdem. Das Bild von der pausbäckig-barocken Winzertochter von einst hat sich gewandelt. Wer heute nach der Krone greift, muss nicht nur attraktiv – und unverheiratet – sein. Von den jungen Damen, die allesamt in den 13 deutschen Weinanbaugebieten regionale Weinkönigin sind, wird viel Fachwissen verlangt, ein sicheres Auftreten, Charme, Witz, Schlagfertigkeit und gute Englischkenntnisse.
In einem sehr starken Feld hat Marlies Dumbsky in allen Belangen überzeugt. Wie man die Qualität im Weinberg mit Rebschnitt, Ertragsregulierung, Ausbrechen, Blattarbeit und Bodenpflege steigert, weiß die gelernte Winzerin natürlich. Dass sie schlagfertig ist, zeigte die 22-jährige Studentin der Kommunikations- und Medienwissenschaft bei der Frage, wie lange man eine geöffnete Flasche Wein im Kühlschrank aufbewahren kann: Bei ihr jedenfalls bleibe geöffneter Wein nicht lange im Kühlschrank.
„Sie hat sich hervorragend präsentiert. Dass sie im Finale ist, ist ein Muss“
Andreas Oestemer Weinbauverbandspräsident
Spontan und witzig überzeugte Marlies auch beim Englischtest, als sie einem Franzosen die Vorzüge der Pfalz erläutern sollte. „Auf Französisch oder Englisch?“, fragte sie beim Moderator nach. Sie hätte beides gekonnt, doch in der Aufregung hat sie die Frage zunächst auf Deutsch beantwortet. Das hat ihr nicht geschadet, ebenso wenig, dass ihr beim „merkwürdigen“ Test, bei dem es galt, sich Utensilien aus der Weinwelt zu merken, ausgerechnet der fränkische Bocksbeutel durch die Lappen gegangen ist.
„Sie hat sich hervorragend präsentiert. Dass sie im Finale ist, ist ein Muss“, meinte jedenfalls der Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes Andreas Oestemer. „Spontan und charmant wie immer“, meinte der stolze Vater, und eine überglückliche Mutter umarmte ihre Tochter: „Oh Mädel, das ist ja Wahnsinn.“

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