publiziert: 26.11.2012 18:32 Uhr
aktualisiert: 27.11.2012 13:49 Uhr
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Frankens Brücken bröckeln

Die Sanierung geht in Bayern nur langsam voran, stattdessen werden neue Straßen geplant

Risse im Beton, löchrige Fahrbahndecken, Rostfraß an den Stahlträgern. Immer mehr Brücken auf Bayerns Straßen sind in einem schlechten Zustand.

  • Foto: Sebastian Schmitt-Mathea
    Brückenbau in Bad Brückenau: Das Archivbild vom Juli 2012 zeigt die Arbeiten an der neuen Sinntalbrücke der A 7 im Landkreis Bad Kissingen. Die Brücke für die Spur Richtung Süden zierte da eine große Lücke.
Bild von

Betroffen sind vor allem Autobahn- und Staatsstraßenbrücken, die seit über 40 Jahren keine Grundsanierung erlebt haben. „Die meisten Brücken sind in den 60er und 70er Jahren entstanden“, sagt Harald Schmitt vom TÜV Süd in Würzburg. „Damals gab es völlig andere Qualitätsstandards als heute.“ So baute man die Brücken nur mit einer Betonüberdeckung von etwa 20 bis 25 Millimetern. Diese Schicht schützt vor Umwelteinflüssen, insbesondere vor Sauerstoff und Wasser, und verhindert damit eine Korrosion am Stahl. Eine geringe Betondeckung hat zur Folge, dass der Stahl rostet und den Beton absprengt.

„Heute werden Brücken daher mit einer Betonüberdeckung gebaut, die mindestens doppelt so dick ist“, so Schmitt. Problematisch sei auch das gestiegene Verkehrsaufkommen sowie die gewaltigen Achslasten der Fahrzeuge. Die Lastwagen sind mit den Jahren viel schwerer geworden und machen den Brücken zu schaffen. Statistisch zählt eine Lkw-Überfahrt so viel wie 150 000 Pkw-Überfahrten, sagt Bauingenieur Hartmut Metz von der Autobahndirektion Nordbayern. Er betreut unter anderem den Neubau der Sinntalbrücke bei Bad Brückenau (Lkr. Bad Kissingen). Der war wegen Rissen im Material nötig und läuft seit Mai 2009.

Lastwagen zu große Belastung

Die Stahlbetonbrücke stammt aus den 60er Jahren und sollte ursprünglich 80 Jahre halten. „Damals konnte man sich noch nicht vorstellen, welche Entwicklung der Verkehr einmal nehmen würde“, so Metz. „Der schwerste Lkw war vielleicht zehn Tonnen schwer. Heute fahren zum Teil 40-Tonner, die auch noch völlig überladen sind.“ Für die Belastungen sind die Bauwerke nicht ausgelegt.

Die Sinntalbrücke ist aber nur eine von vielen deutschen Brücken, die heute saniert oder komplett erneuert werden müssen. Das beklagen die Grünen im Bayerischen Landtag in einer aktuellen Pressemitteilung.

343 Bauwerke werden beobachtet

343 von 16 500 Bauwerken an Bayerns Autobahnen und Bundesstraßen werden demnach mit der höchsten Dringlichkeitsstufe bewertet. „Diese stehen unter besonderer Beobachtung und müssen dringend saniert werden“, sagt der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Thomas Mütze aus Aschaffenburg.

Autofahrer müssen sich aber keine Sorgen machen. „Dadurch, dass die Brücken regelmäßig geprüft werden, kann eigentlich nichts passieren“, sagt Brückenexperte Metz. Alle sechs Jahre findet eine Hauptprüfung, alle drei Jahre eine einfache Brückenprüfung statt. „Schlimmstenfalls würde eine marode Brücke gesperrt werden.“

Dennoch sollten sich Bundes- und Staatsregierung endlich mehr auf den Erhalt von Straßen und Brücken konzentrieren, statt immer neue Verkehrswege zu bauen, fordert Mütze. Konkret kritisiert der Grüne die vor wenigen Tagen veröffentlichte Wunschliste des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) für den künftigen Bundesverkehrswegeplan. Sie enthalte zahlreiche neue Autobahnabschnitte, dagegen würden marode Brücken lediglich eingehüllt, damit nicht loser Beton herunterfalle und Schaden anrichte. Laut Mütze setzen die Fernstraßenplaner die falschen Prioritäten: „Da muss man doch zunächst mal schauen, dass ich bestehende Straßen und Brücken saniere und nicht immer neue baue.“

In diesem Jahr werden in Bayern 130 Brückeninstandsetzungen in Angriff genommen, im nächsten Jahr sollen weitere 144 Brückensanierungen folgen. Ein Anfang ist gemacht, das Ende nicht absehbar. Selbst für marode Bauwerke gibt es noch keinen Fahrplan zur Sanierung, kritisiert Mütze. „Wenn wir in dem Tempo weitermachen, sind wir in 700 Jahren noch nicht fertig.“

Von unserem Redaktionsmitglied HENRIKE FISCHER
    
    

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Die neuesten Kommentare

rumpel-stilzchen (4 Kommentare) am 26.11.2012 23:28

Frankens Brücken bröckeln "der schwerste LKW war vielleicht 10 Tonnen schwer"

soll diese Aussage der Bauingenieur Hartmut Metz von der Autobahndirektion gemacht haben?
Schon vor Inbetriebnahme dieser Brücken waren unzählige 40 Tonner auf unseren Stassen unterwegs .....
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DerFr@nke (50 Kommentare) am 27.11.2012 01:10

Die Speditionen sollen blechen!

Immer größere und schwerere LkW-Monster, auch als "Giga-Liner" bezeichnet,
zerstören die Straßen, Brücken, die Infrastruktur. Wer braucht denn sowas?
Und: wer verdient denn daran?
Und wo bleibt hier das Verursacherprinzip? Na?
Wer bestellt - die Speditionen - der soll, bitteschön, löhnen.
Und ordentlich bezahlt werden die LkW-Fahrer ja auch nicht -
da müßte man ja vom üppigen Gewinn einen Krümel abgeben.
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grayjohn (3287 Kommentare) am 27.11.2012 09:50

Mal langsam - @ DerFr@nke

"(Giga-Liner) Wer braucht denn sowas?"
Sag ich Ihnen: da ist für jeden etwas drin.
Billig-billig-billig soll es sein?
Die Transportkosten haben am Preis einen steigenden Anteil. Was liegt da näher, als mehr auf einen Laster zu packen als bisher?
Die Schweiz macht das anders. Aber wir sind nicht die Schweiz - wir sind Deutschland einig Autoland. Sie fordern Konsequenzen? Schön. Schreiben Sie einen Brief nach Berlin, lassen Sie möglichst viele Leute mit unterschreiben - Inhalt: Sie fordern eine nachhaltige Verkehrswende mit weitestgehender Nutzung der Bahn. Diese Verkehrswende wird kommen - beginnend nach ca. 20 - 25 Jahren ab heute, wenn nur noch eine Minderheit sich "Auto, Auto über alles" leisten kann. Aber dann wird sie richtig teuer - würden wir jetzt schon damit anfangen, würde sie "nur teuer". Geht das denn damit zusammen, dass wir immer alles billig-billig-billig haben wollen? Hm...
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