publiziert: 26.04.2010 19:24 Uhr
aktualisiert: 26.04.2010 19:36 Uhr
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Genmaisgegnerin macht Notstand geltend

Erstes Berufungsverfahren in Würzburg nach „Feldbefreiung“ im Landkreis Kitzingen

Das Tauziehen um die juristischen Folgen der Besetzung und teilweisen Zerstörung von Genmaisanpflanzungen bei Westheim (Lkr. Kitzingen) im Jahr 2008 geht seit Montag in die zweite Runde.

  • Spektakulär: Anti-Genmais-Aktivisten demonstrieren vor Beginn der Berufungsverhandlung am Würzburger Justizzentrum. Am linken Fahnenmast die Angeklagte Cecile Lecomte.
    Foto: Torsten Schleicher
Bild von

Nachdem die „Feldbefreier“ der Initiative „Gendreck weg“ seit Juli 2009 in mehreren Prozessen vom Kitzinger Strafrichter wegen Sachbeschädigung zu Geldstrafen verurteilt worden waren, wird nun in zweiter Instanz in Würzburg über die Berufungen einiger der Verurteilten verhandelt. Den Auftakt machte am Montag das Verfahren gegen Cecile Lecomte. Die Französin war am 23. Juli 2009 in Kitzingen zu einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je 15 Euro verurteilt worden.

Am Montag hatte die Angeklagte wenig Zeit, sich der Vorbereitung ihres Prozesses hinzugeben: Gemeinsam mit einer anderen Aktivistin erklomm sie eine halbe Stunde vor Prozessbeginn die Fahnenmasten vor dem Würzburger Justizzentrum, um ein Transparent mit der Aufschrift „Kriminell ist die Gentechnik“ zu enthüllen. Wenig später entrollten andere Genmaisgegner noch ein weiteres Transparent.

    
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Wegen der intensiven Personenkontrollen am Eingang des Gerichtsgebäudes verzögerte sich der Beginn der Sitzung. Vorsitzender Arno Heß nahm Rücksicht auf den Wunsch der Angeklagten nach Teilnahme der Öffentlichkeit und ließ die Verhandlung eine Viertelstunde später beginnen. Die Unterstützer der Angeklagten kamen geradewegs aus Düllstadt (Lkr. Kitzingen), wo sie seit Freitag einen Acker besetzt halten. Den wollen sie heute jedoch verlassen: Die Regierung von Unterfranken hat inzwischen mitgeteilt, dass die Firma Monsanto für dieses Jahr eine Aussaat von Genmais in Düllstadt definitiv ausschließt.

Die gut drei Stunden des ersten Prozesstages bestanden dann vor allem aus vorbereiteten Erklärungen der Angeklagten und ihres Rechtsbeistands Jörg Bergstedt, einem hessischen Ökoaktivisten. Cecile Lecomte, die ihren Beruf mit „Bewegungsarbeiterin“ angab, ließ sich ausführlich über ihre Motive aus. „Ich stehe vor Gericht, weil ich nein sage. Ich kann es nicht verantworten, zu diesen Gefahren zu schweigen“, sagte sie und bezog sich auf die Idee der permanenten Revolte des französischen Philosophen Albert Camus. Auf die Anklagebank gehöre nicht sie, sondern gehörten die Konzerne. „Mir geht es nicht darum, Straftaten zu begehen“, sagte die 29-Jährige mehrfach.

Vorsitzender Arno Heß ließ keinen Zweifel daran, dass auch das Gericht die Gefahren der Gentechnik erkennt. Somit wird es im Verfahren wohl ausschließlich darum gehen, ob das Handeln der Angeklagten angemessen war. „Sie hätten ja auch eine Menschenkette veranstalten können“, sagte Heß, der sich als geduldiger Zuhörer zeigte, offensichtlich keine Revisionsgründe liefern wollte.

Cecile Lecomte und ihr Rechtsbeistand Bergstedt beriefen sich jedoch auf den „rechtfertigenden Notstand“: Die vom Genmais ausgehenden Gefahren hätten sich nur durch sofortiges Handeln abwenden lassen. Die Verhandlung wird am 12. Mai mit der Vernehmung von Zeugen fortgesetzt.

Von unserem Mitarbeiter Thorsten Schleicher
    
    

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»Alle 9 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

franka1 (943 Kommentare) am 08.05.2010 22:51

nachtrag

nach mehreren jahren muß mehr gespritzt werden und die erträge gehen zurück.
(0)
franka1 (943 Kommentare) am 08.05.2010 22:48

hallo superkarlchen

bush-junior hat gerufen: nur mit gen-lebensmittel können wir den hunger besiegen. am ende seiner amtszeit gab es mehr hungernde als am beginn.
(0)
superkarlchen (4 Kommentare) am 27.04.2010 14:09

Pseudoaktivisten

Da spielen sich ein paar Leute als Ökoaktivisten auf und meinen, in umserem Rechtstaat ist erlaubt, was wenigen gefällt. Zumal noch immer niemand beweisen oder widerlegen kann, wie der Verzehr sich gesundheitlich auswirkt.
Monsanto läßt sich sicherlich nicht von Aussaaten abhalten. Aber wenn die Aussaat in Entwicklungsländern ohne jegliche Kontrolle geschieht, dann ......Da ist die Aussaat hier unter strenger Aufsicht das kleinere Übel.
Wahnvorstellung weniger oder Retter der Menschheit?
Fakt ist, bei immer mehr Menschen auf unserem Planeten müssen Ernten schädlingsresistent werden.
Mir persönlich ist das lieber als ein mit Pestiziden gespritzes Gemüse.
(0)
rebnik (265 Kommentare) am 27.04.2010 09:31

Ich bin wirklich froh, ...

...dass es Menschen wie Frau Lecomte gibt! Wie gut, dass sie so agil und unbeirrbar für ihre Überzeugung kämpft und lustig den Staub aufwirbelt. Da hab ich direkt noch die Hoffnung, dass sich unsere Gesellschaft nicht völlig in eine Herde verwandelt von trägen, selbstzufriedenen Arbeitstieren, Regelbefolgern, gedankenlosen Konsumenten dessen, was ihnen immer mächtigere, unsichtbarere, ungerechtere Weltkonzerne auftischen.

Bonne chance à vous, madame Lecomte!!!
(0)
boehmervera (1 Kommentare) am 27.04.2010 01:10

mehr bewegungsarbeit = mehr zivilcourage

was zahlt der steuerzahler wirklich? den profit von monsanto & co., und wer zahlt für die risiken? 3x duerft ihr raten...äh...und was ist anständige arbeit??? etwa die soeldner die hartz-empfänger überwachen
(0)
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