publiziert: 14.10.2012 17:22 Uhr
aktualisiert: 14.10.2012 17:54 Uhr
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Geständnis im "Abzocker-Prozess"

Ein 31-jähriger Kaufmann hat vor dem Würzburger Landgericht erzählt, wie er in den Strudel mutmaßlich groß angelegter Betrügereien geraten ist: "Ich schäme mich, dass ich dabei mitgewirkt habe, so viele Menschen zu betrügen."

Ein Jugendfreund, so erzählte der 31-Jährige vor der Strafkammer, habe ihm einen Nebenjob angeboten. Für 1000 Euro im Monat habe er zwar für diesen Kumpel, aber auf seinen eigenen Namen ein Gewerbe angemeldet und Konten eröffnet.

„Natürlich habe ich ihn gefragt, warum er das nicht selbst macht“, sagt der Kaufmann vor Gericht. Der Kumpel habe ihm geantwortet, dass er früher bei Gewinnspielen „Telefonmarketing“ betrieben habe. Deshalb habe er nun einen schlechten Ruf und wer seinen Namen im Internet googele, werde misstrauisch. Nun aber, so habe der Kumpel beteuert, wolle er „Verbraucherschutz“ machen und dafür „seine Kenntnisse nutzen“.

Zum Geschäft selbst hat man dem Angeklagten nach dessen Worten erklärt, dass die auf seinen Namen laufenden Firmen „Leute ansprechen würden, die im Internet betrogen worden“ seien. Der Freund werde diesen vorwiegend älteren Menschen „Kontakte zu Anwälten vermitteln, die helfen könnten, eventuelle Schäden wiedergutzumachen“. Er werde auch verhindern, dass sie „weiter belästigt werden, indem er dafür sorge, dass sie von den Listen gestrichen“ würden.

„Gewerbsmäßiger Bandenbetrug“

Anfangs, so betont der 31-Jährige, sei er „gutgläubig“ gewesen. „Nach relativ kurzer Zeit“ seien ihm aber Bedenken gekommen, „ob das Ganze legal sein kann“. Indiz dafür waren die vielen Barabhebungen von den Konten und viele Auslandsüberweisungen mit Western Union. Dass er trotzdem weiter mitgemacht hat, begründet der Kaufmann so: „Ich ließ mich von der Euphorie des immer besser laufenden Geschäfts anstecken.“

Wie berichtet wirft die Staatsanwaltschaft dem 31-Jährigen und vier weiteren Männern „gewerbsmäßigen Bandenbetrug“ vor. Die Opfer, viele von ihnen aus Unterfranken, seien in der Vergangenheit auf Betrüger hereingefallen. Nach Ansicht der Würzburger Anklagebehörde sollen die fünf Angeklagten die Verunsicherung der Geprellten ausgenutzt und ihnen zum Beispiel „juristisch fundierte Schreiben“ angeboten haben, mit denen sie sich angeblich ihr Geld zurückholen oder sich von Nepp-Anrufen befreien konnten.

416 000 Euro ohne Gegenleistung

Laut Anklage fielen viele Betrogene auf die neue Masche herein. Insgesamt sollen rund 416 000 Euro auf den Konten von Firmen wie „Kundenschutz24“ oder „Deutsche Verbraucherberatung“ eingegangen sein. Eine brauchbare Gegenleistung sollen die Kunden nicht erhalten haben.

Der 31-Jährige, der das Geständnis abgelegt hat, sitzt nun in der Patsche. Weil die Firmen und Konten auf seinen Namen liefen, haftet er gegenüber dem Finanzamt. „Allein die Bezahlung der Umsatzsteuer wird mich für viele Jahre an den Rand der finanziellen Überforderung bringen“, erklärte er vor Gericht. „Ich schäme mich, dass ich dabei mitgewirkt habe, so viele Menschen zu betrügen“, sagte der 31-Jährige vor Gericht. „Ich sehe, dass es besonders schäbig ist, Leute zu betrügen, die gerade schon einmal Opfer geworden sind.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

Von unserem Redaktionsmitglied Gisela Schmidt
    
    

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