publiziert: 13.07.2012 17:48 Uhr
aktualisiert: 13.07.2012 18:08 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text MESPELBRUNN/WÜRZBURG
Greifvogel verletzt Joggerin: blutende Wunde

Ungewöhnliche Attacken von Bussarden hat es jetzt bei Mespelbrunn im Spessart und bei Würzburg gegeben. Das sei normal, sagen Vogelkundler.

  • Foto: Thinkstock
    Wehrhafte Vögel: Während der Brutzeit greifen Bussarde gelegentlich Menschen an, um ihren Horst zu schützen. Jüngst wurde eine Joggerin in Mespelbrunn (Lkr. Aschaffenburg) von einem Greifvogel verletzt.
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Im Rücken des Opfers kommt er im Sturzflug herangeflogen. Er nähert sich lautlos. „Dann sauste er zwei Zentimeter über meinen Kopf hinweg“, berichtet ein Würzburger Jogger.

Er wurde so mehrfach von einem Greifvogel, vermutlich einem Bussard, beim Joggen oberhalb des Rottenbauerer Grunds in Würzburg attackiert. „Ich bin ordentlich erschrocken. Das sind ja riesige Vögel.“ Es ist beim Schrecken geblieben. So kann der Jogger dem Aufeinandertreffen mit dem Raubvogel auch etwas Gutes abgewinnen. „Irgendwie hatte es etwas Faszinierendes. Eine Feder, die er verloren hatte, habe ich mit nach Hause genommen“, erzählt er.

Nicht so viel Glück hatte dagegen eine Frau aus Mespelbrunn (Lkr. Aschaffenburg). Eine stark blutende Wunde am Kopf und einen gestauchten Halswirbel trug die Joggerin davon, als sie von einem Bussard attackiert wurde.

Das bestätigte Mespelbrunns Bürgermeister Erich Schäfer: „Es ist auf einem Weg am Waldrand passiert, der gerade bei Wanderern und Joggern sehr beliebt ist.“ Im Volksmund heißt die Gegend bei Mespelbrunn „Goldhammers Höh'“. An der gleichen Stelle habe es auch letztes Jahr schon mehrere Vorfälle gegeben, so Schäfer. Er hat daher auch schon gehandelt und mehrfach im Amtsblatt vor den Angriffen gewarnt.

Greifvögel beschützen im Frühjahr ihre Brut. Sie sind daher besonders aggressiv und versuchen Eindringlinge von ihrem Horst fernzuhalten. Alf Pille vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Bayern kennt die Berichte von solchen Angriffen: „Das gibt es immer wieder und auch flächendeckend. Überwiegend sind es Bussarde, aber uns wurden auch schon Angriffe von Waldkäuzen gemeldet.“

Die Angriffe in Mespelbrunn seien allerdings in zwei Punkten ungewöhnlich, sagt der Vogelschützer: Erstens vertrieben die Greifvögel Eindringlinge eigentlich nur mit Scheinangriffen. Zweitens seien die Mespelbrunner Bussarde jahreszeitlich spät dran.

Die späte Brutzeit könne man dadurch erklären, dass eine Brut zuvor verloren ging, erklärt Pille. Dann komme es vor, dass das Vogelpaar einen erneuten Anlauf startet. Für das übermäßig aggressive Verhalten der Mespelbrunner Tiere hat Thomas Staab, Leiter der LBV-Regionalgeschäftsstelle Untermain, eine mögliche Erklärung: „Ich vermute, dass dort die Störungen am Horst sehr stark sind. Zudem ist gerade die Zeit der Beeren- und Pilzsammler.“

Diese liefen ja auch querfeldein durch den Wald. Die Bussarde würden dann irgendwann von Scheinangriffen auf richtige Attacken umstellen, vermutet der Vogelschützer.

Am einfachsten gegen die Angriffe schützen könne man sich, wenn man einen anderen Weg geht, so Pille. Ansonsten schütze eine Kopfbedeckung vor den scharfen Krallen. „Der Abschuss ist strikt verboten“, erklärt Thomas Schreder, Sprecher des Bayerischen Jagdverbands.

Eine solche Maßnahme könne höchsten die oberste Naturschutzbehörde, beschließen, sagt Thomas Staab vom LBV. „Aber die wird es nicht geben. Schließlich sind es nur kurze Perioden und es ist ja bald wieder vorbei.“

Von unserem Redaktionsmitglied Max Koch
    
    

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Die neuesten Kommentare

jetztfelix (8 Kommentare) am 14.07.2012 09:59

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a) Am Waldrand über Escherndorfs Weinbergen
Der "Kollege" droht mir nur und versucht den Läufer mit knappsten Überflügen zu vertreiben. Weil er auch durch Anschreien nicht abließ, trat ich die Flucht durch die Weinbergszeilen an.
b) Auf dem Fahrradweg von Volkach nach Schweinfurt, kurz vor dem Kloster Sankt Ludwig.
Wenn er mit seinen Fängen zuschlägt, glaubt man zunächst sich in Mitten einer Kissenschlacht zu befinden. Die behandelnde Ärztin im Volkacher Krankenhaus sprach von deutlich erkennbaren Kratzerspuren in "L-Form" auf meinem Kopf.
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jonni-nora (28 Kommentare) am 14.07.2012 08:58

Bussard greift Joggerin an

Ein ähnliches Erlebnis hatte ich auch schon mal. Ist allerdings schon ein paar Jahre her. Ich machte einen Abendspaziergang auf einem Waldweg als von hinten - ebenfalls völlig überraschend und natürlich auch völlig lautlos - ein Waldkauz einen Scheinangriff auf mich flog. Er flog so dicht über meinen Kopf hinweg, dass sogar mein Hut heruntergefallen ist. Ich bin natürlich sehr erschrocken und fast automatisch "in Deckung gegangen", d.h. ich habe mich geduckt. Der Waldkauf hat diese Scheinangriffe noch 2 mal wiederholt. Jedesmal ganz knapp über meinen Kopf hinweg. Ich musste mich jedesmal ducken. Dann flog er in den Wald. Ein Vogelkenner, dem ich dieses Erlebnis erzählt habe, meinte dann auch, dass der Waldkauz vermutlich in der Nähe seinen Horst mit Jungen gehabt hat und dieses Verhalten ganz normale Verteidigungs- bzw. Abschreckungsangriffe waren. Angst hatte ich nicht. Aber interessant war dieses Erlebnis schon.
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Firefox (574 Kommentare) am 13.07.2012 19:05

Der tut nix...

Der will NUR SPIELEN grinsen grinsen grinsen
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