aktualisiert: 08.05.2009 18:17 Uhr
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RETZBACH
Harfenistin Anne Kox-Schindelin: Bitte hingucken - das Auge hört mit
Mit Leidenschaft Harfenistin: Für Anne Kox-Schindelin ist das Musizieren Genuss, aber auch Selbstdisziplin
Anne Kox-Schindelin legt ihre Hände auf die Saiten der Harfe. Kleine weiche Hände mit kurzen Fingernägeln. Die Finger zupfen die Saiten, ein satter, voller Klang ertönt, sie spielt einen Tango. Ihre Hände gleiten über die Saiten, sie wiegt den Kopf, genießt das Spiel. Als der letzte Akkord erklingt nimmt sie die Hände von den Saiten, lässt den Ton kurz nachschwingen, stoppt ihn mit beiden Händen und verneigt sich vor dem Publikum.
Anne Kox-Schindelin legt ihre Hände auf die Saiten der Harfe. Kleine weiche Hände mit kurzen Fingernägeln. Die Finger zupfen die Saiten, ein satter, voller Klang ertönt, sie spielt einen Tango. Ihre Hände gleiten über die Saiten, sie wiegt den Kopf, genießt das Spiel. Als der letzte Akkord erklingt nimmt sie die Hände von den Saiten, lässt den Ton kurz nachschwingen, stoppt ihn mit beiden Händen und verneigt sich vor dem Publikum.
Anne Kox-Schindelin: Harfenistin
Wenn Anne Kox-Schindelin Harfe spielt, erzählen ihre Hände auf den Saiten von Freude und Trauer, von Mut und Angst, von Liebe und Sehnsucht. Ihre Finger gleiten über die Harfe und ihr Herz freut sich an der Musik. Eine Freude, die sie weitergeben will an das Publikum. Mit dem nimmt sie Kontakt auf. Sie ist keine schüchterne Musikerin, die sich hinter dem Instrument und den Noten, versteckt. Vielmehr versteht sie sich als Harfen-Entertainerin, die ihre Auftritte selbst moderiert.
Anne Cox-Schindelin aus Retzbach zeigt sich gerne, sie strahlt die Zuschauer mit ihren großen Augen an und erzählt von ihrem so außergewöhnlichen Instrument: 47 Saiten hat die Konzertharfe, sie wird mit acht Fingern gespielt, die Füße bedienen sieben Pedale. Das ergibt so viele mögliche Töne, dass die Harfe die Klavierstimme oder gar eine Orchesterpartitur spielen kann.
Harfenistinnen freilich gelten als kapriziös und hochnäsig, das Instrument als „verstaubtes Ding.“ Das trifft auf die 39-jährige Anne Kox-Schindelin und ihr Instrument nicht zu: Sie macht aus der manchmal spröden Harfe ein Hinguck-Instrument, aus dem man die verschiedensten Töne herauspflücken kann. Das „sich chic machen“ fürs Konzert gehört dazu. Frei nach dem Motto: Das Auge hört mit. Sie ist ein Genussmensch.
Obwohl sie sich mit zehn Jahren in das Instrument und den Klang verliebt hatte, war sie im Studium doch nicht ganz glücklich. Sie wollte nicht immer so genau die Töne kopieren, wie dies klassischerweise gewünscht war. Heute bezeichnet sie die Zeit an der Musikhochschule als „Goldenen Käfig“. Sie legte das Diplom ab, und weil sie nicht in ein Orchester wollte, wurde auch noch Diplom-Musiklehrerin. Und sie begann, sich zu befreien, ihren eigenen Weg zu suchen.
Dazu gehört die Hinguck-Musikerin: „Auf der Bühne gehöre ich dem Publikum, mit den Seiten von mir, die ich zeigen will.“ Sie gibt sich Emotionen hin. „Wenn ich nichts von meinem Inneren offenbaren wollte, würde ich nicht öffentlichspielen wollen. Man muss rausgehen und etwas erleben, und das Erlebte dann in der Musik zeigen.“
Sie sieht sich als die Melodiöse, Spontane, als Bewegungsmensch. In Bewegung ist sie auch in der Freizeit, sie liebt Radfahren, Ski-Langlauf, Tanzen. Der Genussmensch Anne Kox-Schindelin hat aber auch eine andere Seite, und die heißt Disziplin. „Man muss fleißig sein, ich bereite mich auf ein Konzert mindestens zehn Tage vor“. Sie spielt jeden Abend ein oder zwei Stunden Harfe, vermisst den Fernseher kein Stück, geht in der Zeit nicht ans Telefon und es ist ihr auch egal, ob die Küche aufgeräumt ist. Eines aber darf nie fehlen: Die Zeit für die beiden Kinder, zum reden und kuscheln. Da steht sogar die Musik hintan.
Ihr Alltag ist gut organisiert. Das muss er auch sein. Sie ist Lehrbeauftragte an der Uni Bamberg, sie spielt im Sinfonischen Blasorchester Vorspessart, sie hat im Schnitt pro Woche einen Auftrittstermin und eine ganze Reihe von Schülern. Gestresst fühlt sie sich nicht, denn „dieser kreative Beruf ist ein Superluxus.“
Zur Kreativität gehört auch das eigene Komponieren und Improvisieren, denn „selber etwas schreiben das ist die Krönung.“ So ist ein umfangreiches Programm entstanden, das an einem Abend zum Beispiel ein irisches Frühlingslied umfasst, ein Stück aus Südamerika, eigene Kompositionen und eben den Tango. Dazu gehören auch die Auftritte mit anderen Künstlern, so einer Märchenerzählerin, oder mit Musikern, die Saxophon, Geige, Cello oder Orgel spielen. Kreativität ist auch bei der Ortswahl keine Frage. Einmal trat sie mit der Märchenerzählerin auf einer sommerlichen Wiese im Steigerwald auf. Weil sie einen Notenständer mit Licht benutzt, gehörte sie an jenem Abend nicht nur dem Publikum, sondern auch den Stechmücken.
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