aktualisiert: 06.02.2012 18:40 Uhr
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WÜRZBURG
In Bayern wachsen die „Schulen ohne Rassismus“
Großes Schulnetzwerk gegen Diskriminierung
Um Moritz herum ist es schwarz und er kann sich nicht orientieren. Joys Hand, die ihn eben noch geleitet hat, ist weg. Ziemlich verloren steht er da, bis er die Augenbinde abnimmt. Zum Glück war es nur eine Übung, die Abhängigkeit und Vertrauen lehren soll. Als nächstes steht eine Gruppenarbeit zum Thema Zivilcourage auf dem Plan. Moritz und Joy werden am Jugendbildungszentrum Würzburg zu Aktivcoaches ausgebildet. Im Rahmen der Initiative „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ (SOR-SMC) lernen sie hier, sich an ihren jeweiligen Schulen in Würzburg sowie im mittelfränkischen Zirndorf gegen Diskriminierung und Rassismus einzusetzen. „Ich habe in dem Workshop eine andere Sichtweise kennengelernt und sehe Vorurteile, die ich vorher gar nicht wahrgenommen habe“, erklärt der 15-jährige Moritz von der Gustav-Walle-Mittelschule in Würzburg. Auch der 14-jährigen Joy ist in dem Seminar etwas klar geworden: „Manchmal urteilt man vorschnell über Leute, lässt sich von Vorurteilen oder Klischees in die Irre führen. Dabei fällt einem gar nicht auf, dass man die Person damit verletzt.“
Würzburg koordiniert bayernweit
Stefan Lutz-Simon, den bayerischen Landeskoordinator von SOR-SMC, freuen die Aussagen der neuen Aktivcoaches. Die Jugendlichen lernen, die Welt nicht in Schwarz und Weiß einzuteilen, sondern bunt wahrzunehmen, sagt er. Seit Anfang der Woche leitet er von Würzburg aus die Arbeit des größten deutschen Schulnetzes in Bayern. 139 Schulen im Freistaat gehören der Initiative bereits an, 20 weitere sollen bald hinzukommen. Bislang war die Organisation in Bayern zweigeteilt, es gab nur die Regionen Nord und Süd. „Jetzt haben wir eine Landeskoordination in Würzburg und wollen dazu viele kleinere, regionale Standpunkte aufbauen“, so Lutz-Simon. Das Ziel sei es, die Arbeit an den Courage-Schulen standortnah zu begleiten und Aktionen gegen menschenverachtende Ideologien zu unterstützen. Nach Nordrhein-Westfalen ist Bayern das Bundesland mit den meisten „Schulen ohne Rassismus“, zudem das am schnellsten wachsende Landesnetzwerk der Initiative. In Karlstadt (Lkr. Main-Spessart) und dem oberfränkischen Wunsiedel etwa haben sich gleich alle ansässigen Schulen dem Projekt angeschlossen.
Eine positive Entwicklung
Über den neuen Standort für die zentrale Koordination freut sich auch der Geschäftsführer von SOR-SMC, Eberhard Seidel. Er wohnte selbst einmal in Würzburg und machte dabei schlechte Erfahrungen: „Ich war früher Schüler am Röntgen-Gymnasium und empfand es als sehr intolerant. Das war auch der Grund, aus dem ich Würzburg damals verlassen habe und nach Berling zog.“ Es sei schön zu sehen, dass sich die Einstellung geändert habe, so Seidel. Dass die Arbeit bereits Früchte trägt, zeigt der Neu-Aktivcoach Moritz: „Wir organisieren an der Schule jetzt einen Informationstag rund um das Thema Zivilcourage und Diskriminierung.“
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