publiziert: 01.02.2012 18:43 Uhr
aktualisiert: 02.02.2012 09:51 Uhr
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Jäger will Joggerin aus seinem Revier vertreiben

Richter hält Klage für aussichtslos

Eine Viertelmillion Euro Strafe fürs Joggen im Wald – so weit wird es wohl nicht kommen. Das deutete sich am Mittwoch in einem Zivilverfahren am Amtsgericht Gemünden (Lkr. Main-Spessart) an.

Ein Jagdpächter will einer Marathonläuferin verbieten lassen, das Wild in seinen Revieren zu stören. Unter Androhung von Ordnungsgeld soll sie donnerstags, eine Stunde vor Sonnenuntergang, bis sonntags, eine Stunde nach Sonnenuntergang, den Wald meiden. Ebenso verboten sein sollen ihr „akustische und optische Warnmittel“ sowie – das Urinieren an Kirrungen (Wildfutterstellen).

Kein Anrecht auf ungestörte Jagd

„So kriegen Sie den Antrag nicht durch, das sage ich Ihnen gleich“, beschied Zivilrichter Christian Spruß dem Jagdpächter und seinem Anwalt Enno Piening (Vizepräsident des Bayerischen Jagdverbands). Nach der Verfassung und nach höchstrichterlichen Urteilen dürfe sich jeder immer im Wald aufhalten, die Natur genießen und seinen Hobbys nachgehen. Laut einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2003 begründet das Jagdausübungsrecht weder einen Anspruch auf einen bestimmten Wildbestand noch auf eine ungestörte Jagd, zitierte der Richter. Natürlich dürfe es keine systematische Störung geben.

Es stelle sich die Frage, ob die Klage überhaupt zulässig ist, so der Richter und bejahte dies allenfalls für den eingangs erwähnten Vorwurf des Urinierens. Das Aufenthaltsrecht im Wald hingegen hat Verfassungsrang, und Warnkleidung und -lichter seien „sehr vernünftig, wenn Leute mit Waffen im Wald sind“. Das Betretungsrecht könne nur durch behördlich genehmigte Drück- und Treibjagden eingeschränkt werden.

Vergleich abgelehnt

Üblicherweise werden in Zivilprozessen Vergleiche angestrebt. Die Beklagte könnte zum Beispiel anbieten, zu bestimmten Zeiten den Revieren des Jagdpächters fernzubleiben, führte der Richter aus, aber: „Inwieweit Sie Ihre Grundrechte einschränken lassen wollen, ist Ihre Sache.“

Burkard Hohmann, der Anwalt der Joggerin, lehnte einen Vergleich ab und bekundete „großes Interesse, dass das mal geklärt wird“. Absichtliche Störungen durch seine Mandantin schloss er aus: Sie laufe mehrere Strecken in einem Gebiet von 5000 Hektar, die Reviere des Jagdpächters seien ein Fünftel davon.

Dringendes Bedürfnis im Wald

Für den Vorwurf des Urinierens an eine Kirrung gab es einen Zeugen, ein Jagdhelfer des Klägers. Ob es sich vielleicht um Dehnübungen der Marathonläuferin gehandelt haben könnte, wollte der Richter wissen, was der Zeuge verneinte: „Weil man zum Dehnen die Hose nicht runtermacht.“ Dazu meinte der Anwalt der Läuferin, ein Laie wisse nicht unbedingt, was eine Kirrung ist. Und ein dringendes Bedürfnis könne jeden überkommen: „Wie machen Sie's? Sie lassen's bestimmt nicht in Ihre Stiefel laufen.“

Sollte es keine weiteren Beweisanträge geben, will Richter Spruß bereits am Freitag seine Entscheidung verkünden.

Von unserem Redaktionsmitglied Michael Fillies
    
    

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»Alle 43 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

lobi (148 Kommentare) am 12.02.2012 09:56

ein Jäger aus Birkenfeld

ist auch schon bekannt dafür, Wanderer, aber vor allem Hundehalter mehr als unverschämt zu belästigen. Er droht sogar: "Wenn sie den Hund auf dem Feldweg laufen lassen, dann bekommen sie Ärger mit mir" (Wie zu erfahren war, gilt in Birkenfeld Leinenpflicht auf manchen Radwegen und ein Hundehalter wollte auf einen Feldweg ausweichen um den Hund frei laufen zu lassen). Dieser Jäger ist Aussagen Einheimischer für sein rüpelhaftes Benehmen bekannt. Ich verstehe nicht, dass solche Leute nicht im Interesse des Verbandes aus diesem ausgeschlossen werden, schadet er dem Ruf doch sehr.
Aber es gibt auch andere Jäger, die den Dialog suchen und selbst Hundetraining in ihrem Wald zulassen und das auch in MSP.
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goessenheim (1 Kommentare) am 04.02.2012 21:15

robiner: Sozialstrukturen der Tiere des Waldes?

Selten so einen Unsinn gelesen. Allein Aussagen wie "Hoher Jagddruck ergibt hohe Geburtenzahlen" zeigen eine umfassende Unwissenheit die erschreckt.

Zunächst: der Jäger ist im Unrecht, wenn er keine Jogger will muß er sich ein anderes Jagdrevier suchen.

Aber robiner erzählt völligen Unsinn. In den 70er Jahren hat im Steigerwald ein neuer Förster angefangen (ich kann mich leider nicht mehr an den Namen erinnern) und die Jagdquote um das Zehnfache hochgesetzt. Großes Entsetzen bei den Jägern - der Bestand würde ausgerottet, so viele Rehe gäbe es gar nicht im Wald, etc etc. Daraufhin lies der Förster die Jäger schätzen wieviele Rehe in einem bestimmten Waldstück seien, und veranstaltete eine Treibjagd in der alle herausgetrieben und geschossen wurden - und es waren zehnmal mehr als die Jäger erwarteten. Nicht nur das, wie der von Wildbiss stark geschädigte Wald waren auch die Rehe in keinem besonders guten Zustand - parasitenbefallen, krank, zahlreiche Verkümmerungen: im Wesentlichen haben sich alle vermehrt, durch die fehlenden Wölfe und den schwachen Jagddruck gab es keine Auslese. Eins der Hauptprobleme war das die Jäger nur auf ihren Hochsitzen saßen die das Wild schnell kannte und mied - womit die Jäger wenig zu Gesicht bekamen und den Bestand massiv unterschätzten, und der Bestand nicht unter Kontrolle gehalten wurde.

Als wir den Wald etwa 10 Jahre später im Rahmen einer Exkursion der Uni Würzburg 1986 besuchten war sowohl der Zustand des Waldes als auch der des Rehbestandes erstklassig. Die Jagd wurde hauptsächlich mit Hunden durchgeführt die das Wild aus dem Wald trieben, die Rehe hatten praktisch keine Parasiten und Krankheiten, und der Wald war in einem 1a Zustand (vor allem die Artenvielfalt hatte massiv zugenommen).

Eine andere Maßnahme die große Kritik auslöste war daß die tiefen Spuren die die Traktoren bei der Holzarbeit im Winter hinterließen im Frühjahr nicht mehr repariert wurden. Sowohl die Jäger als auch die Waldbesucher fanden das "unmöglich" - vor allem wenn sich diese im Frühjahr immer mit Wasser füllten. Nur waren das ideale Brutgebiete für die seltenen und vom Aussterben bedrohten Unken - bei unserer Exkursion fanden wir zahlreiche Gelbbauchunken, Molche, Frösche, Libellen etc etc.

Wenn also jemand idealistisch gegen das "Töten" der ach so putzigen Rehe und Wildschweine ist die nur "aus Angst die Knospen fressen", dann passt das vielleicht in seine Ideologie - hat aber mit Natur, Natürlichkeit, naturnah usw nichts zu tun.

Also bitte erst informieren wie Natur funktioniert und wie man sie möglichst im Gleichgewicht hält bevor man sich mit ideologischen Vorstellungen lächerlich macht.
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Naturfreund2909 (1 Kommentare) am 04.02.2012 13:45

Jäger sind anders als andere

Daß Jäger geistig nicht den restlichen 99.6% der normalen Bevölkerung entsprechen ist nichts neues. Diese Jäger scheint ja völlig aus dem Ruder gelaufen zu sein. Ich hatte erst im Januar diesen Jahres eine Gerichtsverhandlung wegen so einer Sache. Dabei bin ich gegen 23:30 mit dem Hund und einer hellen Lampe auf einer geteerten Straße am Waldrand im Abstand von ca. 100m an einem Hochstand vorbeigelaufen und dann durch den Wald wieder zurück. Als ich auf der Höhe des Hochstandes wieder auch die Straße zurückkam, wurde ich von der Polizei empfangen. Diese teilten mir mit daß sie vom Jäger wegen Jagdstörung gerufen wurde, worauf ich erst mal etwas ungehalten wurde. Denen was die Angelegenheit wohl gleichgültig, sie haben lediglich die Personalien aufgenommen. Wochen später erhielt ich vom Landratsamt eine Rechnung von 230€, hierauf habe ich Widerspruch eingelegt, worauf die Angelegenheit beim Gericht landete. Als der Jäger den Vorfall schilderte, kam dem Richter ein leichtes Schmunzeln. Auf die Frage des Richters womit er denn die Jagdstörung begründet, meinte der Jäger, es hätten sich von meinem Eintreffen Raubwild vor seinem Hochstand befunden, welcher er hätte holen können. Nach meiner Anwesenheit wäre das Raubwild verschwunden und er hätte somit die Jagd beenden müssen. Der Richter lehnte somit die Klage zurück und das Landratsamt bzw. die Stadt durfte die Gerichts- und Anwaltskosten übernehmen. Ich laufe seit diesem Vorfall regelmäßig auf dieser Straße an diesem Hochstand vorbei, habe aber niemehr einen Jäger angetroffen. Ich bin schon seit Jahren mit den Jägern über Kreuz und muß feststellen, daß man nicht zurückschrecken darf sonder denen das Leben ganz schön schwer machen kann. Es ist zum Glück nicht so, daß den wie gewünscht die Natur gehört. Dieser Jäger wird diesen Prozeß nie gewinnen.
(1)
easton (8 Kommentare) am 12.02.2012 08:52

jäger sind echt anders als andere

das ihr fall überhaupt zum fall erklärt wurde ist schon n echter witz.ich glaube nach diesem gemündener fall wird die polizei auch nicht mehr so schnell den ausführungen eines jägers glauben schenken.-sehr gut,dass sie einspruch eingelegt haben!
grinsen
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luckymoon (41 Kommentare) am 03.02.2012 23:59

Jäger hin -

Jäger her, ich liebe Tier auch sehr aber dass es keine Jäger mehr geben soll? Ich weis nicht, das wäre sich ein ganz falscher Weg...

DEM Jäger hier aber, dem gehört der Waffenschein wirklich abgenommen. bei sowas fragt man isch ernsthaft ob da im Oberstübchen noch alles beisammen ist.... den Anschein macht mir so eine Wahnwitzigkeit wirklich nicht! Wenn man bedenkt mit welchem Schwachsinn sich die Gerichte auf unser aller Kosten abgeben müssen... armes Deutschland!
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