aktualisiert: 20.01.2012 11:31 Uhr
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WÜRZBURG
Juliusspital baut ein Hospiz für die Region
Die stationäre Einrichtung in Würzburg soll im Sommer 2013 eröffnet werden
„Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben“, ist ein oft zitierter Satz der Begründerin der Hospizbewegung und Palliativmedizin, Cicely Saunders (1918–2005). Dem Engagement der Engländerin ist es zu verdanken, dass 1967 in London das erste moderne Hospiz eröffnet werden konnte. 46 Jahre später, im Sommer 2013, wird das zweite Hospiz in Unterfranken seine Arbeit aufnehmen – auf dem Gelände der Kongregation der Ritaschwestern in der Würzburger Friedrich-Spee-Straße. Die Planung steht, die Stadt Würzburg hat die Baugenehmigung im Dezember 2011 erteilt. Die Kosten werden nach Angaben der Juliusspital-Stiftung rund 3,9 Millionen Euro betragen. Sie ist Bauherr und Träger des Hospizes.
„Bereits seit sechs, sieben Jahren ist das Thema Hospiz bei uns dauerpräsent“, sagt Oberpflegeamtsdirektor und Leiter der Stiftung, Walter Herberth, und meint damit die Verwirklichung einer stationären Einrichtung als Ergänzung des seit 2001 bestehenden Palliativzentrums im Juliusspital. Dr. Rainer Schäfer, Chefarzt für Anästhesie und Palliativmedizin im Juliusspital, bezeichnet die acht geplanten Betten als „Minimalausstattung, aber als gute Ausgangsbasis“. Im Hospiz könnten Menschen mit einer unheilbaren Erkrankung und begrenzter Lebenserwartung länger bleiben als in der Palliativstation und pflegerisch weiterversorgt werden. Schäfer sieht die Einrichtung nicht nur für Tumorpatienten, sondern auch für Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) oder mit einer weit fortgeschrittenen Multiplen Sklerose (MS).
Das Hospiz ist L-förmig geplant und besteht aus einem eingeschossigen Teil mit acht, rund 25 Quadratmeter großen Einzelzimmern, von denen aus ein direkter Zugang in den Garten möglich ist. Im daran angegliederten zweigeschossigen Trakt befinden sich unter anderem Personal- und Büroräume, Küche, ein Raum der Stille und ein Appartement für Angehörige. Laut Bauprojektmanager Franz Ebert wird es ein lichtdurchflutetes Gebäude sein.
Medizinisch betreut und versorgt werden die Menschen in der letzten Phase ihres Lebens weiterhin von ihren Hausärzten, durch das Pflegeteam im Hospiz und den ambulanten Palliativdienst. Ehrenamtliche Unterstützung kommt vom Würzburger Hospizverein sowie Malteser-Hilfsdienst, sagt Oberpflegeamtsdirektor Herberth. Auch die Ritaschwestern hätten bereits signalisiert, bei der Hospizarbeit mitzuwirken. Zur ganzheitlichen Hospizversorgung gehört natürlich auch die spirituelle Betreuung, betont Palliativmediziner Schäfer.
Finanziell gefördert wird das Hospiz durch das Bayerische Sozialministerium in Höhe von 10 000 Euro pro Bett, „ein Tropfen auf dem heißen Stein“, so Herberth. Die größte Spende kam bisher von der Paula-Kubitscheck-Vogel-Stiftung (München) in Höhe von 500 000 Euro. Dennoch ist die Juliusspital-Stiftung weiterhin und dauerhaft auf Zuwendungen angewiesen (Spendenkonto: Stiftung Juliusspital Würzburg, LIGA-Bank Würzburg, BLZ 750 903 00, Konto-Nummer 3 015 530).
Bedarf an stationären Hospizen in Bayern
Derzeit gibt es 13 stationäre Hospize in Bayern. Das erste Hospiz Unterfrankens nahm im Mai 2010 in Alzenau (Lkr. Aschaffenburg) seine Arbeit auf. Wenn 2013 das Würzburger Hospiz eröffnet wird, gibt es insgesamt 16 Betten in der Region. Wünschenswert wären jedoch 22 Plätze, da von einem Bedarf von einem Bett pro 60 000 Einwohner ausgegangen wird. Das bedeutet, dass auch bayernweit zu wenige stationäre Hospizplätze existieren. Der Bedarf wären 208 Betten, derzeit sind nach Angaben des Bayerischen Sozialministerium 132 Betten vorhanden. Neben Würzburg seien auch in Vilsbiburg (Lkr. Landshut) und in Pentling bei Regensburg stationäre Hospize geplant. Laut Dr. Rainer Schäfer, Chefarzt für Palliativmedizin am Würzburger Juliusspital, wäre ein weiteres Hospiz im nördlichen Unterfranken sinnvoll. Text: cj
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