publiziert: 03.09.2010 17:49 Uhr
aktualisiert: 09.09.2010 08:42 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text SCHWEINFURT
Katzenbacher Mordprozess: War der Angeklagte alkoholisiert?

Freunde der Familie sagten am Freitag im Prozess um den Mord an Simone H. aus
  • Nächster Mordprozess am Landgericht Schweinfurt: Das Medieninteresse am Prozess um den Mord an einer vierfachen Mutter ist deutlich geringer als das beim Icedome-Mord-Prozessauftakt.
    Foto: Hannes Helferich
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Emotionen am zweiten Tag im Katzenbacher Mordprozess. Im Mittelpunkt die Aussagen mehrerer Freunde von Simone (36) und Dirk H. (37), der seine Ehefrau in der Nacht vom 30. auf den 31. Dezember 2009 heimtückisch mit einem Messer erstochen haben soll.

Als die Paten von zwei Kindern und ein Freund der nicht mehr existierenden Familie die Getötete trotz aller Eheprobleme und der vier Kinder als eine in sich ruhende, liebevolle und bewundernswerte Persönlichkeit beschreiben, fließen bei ihrer Schwester die Tränen.

Sie tritt als Nebenklägerin auf, hat ihre Tätigkeit im Ausland aufgegeben, um sich um die noch in einem Heim untergebrachten Kinder in einer Art neuen Familienverbund kümmern zu können. Aber auch der Angeklagte reagiert, indem er jeden Blickkontakt zur Schwägerin meidet. Als ein Freund (43) dem Gericht schildert, was der Angeklagte ihm bei einem Besuch in der Justizvollzugsanstalt Schweinfurt über den Tathergang berichtet hat, starrt Dirk H. auf den Boden, die Hände stützen den Kopf, er zittert am ganzen Leib.

    
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Der Freund, wie dessen Frau Pate eines Kindes, berichtete, dass Dirk H. beim Knastbesuch nur geweint habe. Auf seine Frage, wie das passieren konnte, habe H. die Tat bruchstückhaft als Unfall beschrieben. Simone habe ihm an Heilig Abend 2009 die endgültige Trennung offenbart.

Sie habe in der Tatnacht schon geschlafen, als Dirk H., weil er Licht am Ende des Tunnels gesehen haben will, noch einmal mit ihr reden wollte. Er sei ins Schlafzimmer gegangen, habe Simone wecken wollen, sei dabei abgerutscht. Plötzlich sei überall Blut gewesen. Das Messer habe im Zimmer gelegen. Er habe die Hand auf die Wunde gedrückt. Auf die Frage, warum er nicht die Kinder zu Hilfe gerufen habe, wenn es ein Unfall gewesen sein soll, habe Dirk H. gestammelt, dass ihn das viele Blut in einem Schockzustand versetzt habe, deshalb sei er geflüchtet.

Dem 43-jährigen Freund schickte der Angeklagte um 0.45 Uhr eine SMS: „Kümmere Dich um die Kinder“. Auch ein zweiter Kumpel (42) erhielt um 0.56 Uhr eine SMS aufs Handy: „Simone ist tot, kümmere Dich um die Kinder, bitte“. Auch dieser hatte H. im Knast besucht, dabei habe dieser aber nicht über Simone und die Tat sprechen wollen.

Dirk H. war nach der Tat mit dem Auto bis ins hessische Bad Homburg gefahren. Dort verletzte er sich mit einem Stich in den Brustkorb, wollte sich möglicherweise selbst töten. Er kam in ein Krankenhaus und sagte dort zu zwei Pflegekräften: „Ja, ich habe meine Frau umgebracht“.

Eine Kernfrage im Prozess: War er zur Tatzeit alkoholisiert? Ein Zeuge berichtet, dass H. beim Knastbesuch gestammelt habe: „Scheiß Alkohol“. Angeblich will der trockene Ex-Alkoholiker drei Bier konsumiert haben. Leere Flaschen fand die Polizei aber nicht. Bier sei bei Familie H. üblicherweise nicht vorhanden gewesen, sagt ein Freund. – Der Prozess wird am 9. September fortgesetzt.

 
Von unserem Redaktionsmitglied Hannes Helferich
    
    

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