aktualisiert: 01.08.2012 19:11 Uhr
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LOHR
Kinderpsychiatrie für Lohr?
Bemühen um neue Behandlungsplätze wegen steigender Fallzahlen
Der Karlstädter SPD-Landtagsabgeordnete Harald Schneider macht sich für den Aufbau einer kinder- und jugendpsychiatrischen Station am Bezirkskrankenhaus Lohr stark. Derzeit gibt es im Landkreis Main-Spessart keine Möglichkeit zur stationären Behandlung von psychisch erkrankten Kindern und Jugendlichen in einer speziellen Kinder- und Jugendklinik. Zwar werden pro Jahr im Bezirkskrankenhaus Lohr rund hundert psychisch kranke Jugendliche behandelt – aber diese Jugendlichen sind in der Erwachsenenpsychiatrie untergebracht.
Schneider hält dies für einen unhaltbaren Zustand. „Es kann nicht sein, dass Kinder und Jugendliche aus dem Landkreis, die Hilfe benötigen, nach Würzburg geschickt werden, dort wiederum abgewiesen werden und letzten Endes in der Erwachsenenpsychiatrie in Lohr landen“, kritisierte Schneider.
Hintergrund des Problems ist die unterfrankenweite Zunahme der Zahl psychisch kranker Kinder und Jugendlicher. Nach der Einschätzung des Leiters der Würzburger Uniklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Professor Marcel Romanos, zeigen mittlerweile 20 Prozent aller Kinder psychische Auffälligkeiten und zehn Prozent sind behandlungsbedürftig. Insbesondere die Zahl der stationären Therapieplätze in Unterfranken entspricht nach Expertenangabe nicht dem realen Bedarf.
In einem ersten Versuch, adäquate kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung im Kreis Main-Spessart zu gewährleisten, bemüht sich der Leiter der Psychiatrischen Klinik des Bezirkskrankenhauses Lohr, Dr. Dominikus Bönsch, um die Einrichtung eines kinderpsychologischen Konsiliardienstes: Ein- oder zweimal pro Woche könne ein Kinder- oder Jugendpsychiater der Würzburger Kinderpsychiatrie nach Lohr kommen und dort Patienten behandeln. „Mittelfristig brauchen wir im Landkreis aber auf jeden Fall eine eigene Kinder- und Jugendpsychiatrie“, so Schneider.
Schneider zufolge wären innerhalb des Bezirkskrankenhauses Lohr Räume dafür vorhanden, Investitionen aber nötig. Der SPD-Politiker will sich um die Bereitstellung von Finanzmitteln bemühen, plant nach der Sommerpause sowohl entsprechende Anträge im Landtag wie im Bezirk.
Der Bezirk Unterfranken allerdings, in dessen Trägerschaft das Bezirkskrankenhaus Lohr fällt, sieht keine Zuständigkeit für eine neue kinder- und jugendpsychiatrische Einrichtung im Landkreis Main-Spessart. „Traditionsgemäß ist die Kinderpsychiatrie Aschaffenburg zuständig für Patienten aus dem westlichen Unterfranken“, versichert Bezirkspressesprecher Markus Mauritz.
Der Chefarzt der Aschaffenburger Klinik für Psychiatrie des Kindes- und Jugendalters, Dr. Victor Kacic, kennt allerdings keine solche Tradition. „Wir sind zuständig für Patienten aus Aschaffenburg und dem Kreis Miltenberg; definitiv nicht für Main-Spessart“, sagt er.
Wie alle kinder- und jugendpsychiatrischen Einrichtungen der Region sei Aschaffenburg aufgrund der steigenden Zahl psychisch kranker Kinder stets ausgelastet. Gerade habe man in Aschaffenburg die Zahl der stationären Behandlungsplätze von neun auf 18 erhöht; doch gebe es auch für diese Plätze bereits eine Warteliste.
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