publiziert: 24.08.2012 18:32 Uhr
aktualisiert: 26.08.2012 10:57 Uhr
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Kreuzbergwallfahrt: Steten Schrittes näher zu Gott

500 Pilger trafen am Freitag nach schweißtreibendem Marsch in Würzburg ein.

  • Fotos: N. Kess, G. Meissner, Th. Obermeier; Mp-Grafik: Grigull
    Kurz vor dem Ziel: Glücklich und zufrieden kommen die mehr als 500 Kreuzbergwallfahrer am Freitagmorgen in Rimpar an, der letzten Station vor dem Ziel Würzburg.
  • Bischof Friedhelm Hofmann segnet die einziehenden Pilger.
  • Aufbruch: Nach Pilgermesse und feierlicher Kreuzwegandacht hatten die Wallfahrer am Mittwoch den Rückweg vom Kreuzberg angetreten.
  • Ankunft: Im Würzburger Neumünster erhalten die Wallfahrer den Segen.
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Sengende Hitze oder kalte Regenschauer – das Wetter in der hohen Rhön wechselt auch im Hochsommer schnell. Still laufend oder gedanklich im Gebet versunken, den Blick auf die Schritte des Vordermanns gerichtet. Dann der letzte Anstieg zum Kreuzberg über einen steilen Waldpfad, der die Pilger an ihre Grenzen führt – manche darüber hinaus. Tausende nehmen jedes Jahr die Strapazen auf sich, um auf dem heiligen Berg der Franken Einkehr zu finden.

Allein 75 Fußwallfahrten pro Jahr zählt Bruder Johannes Matthias heute. Vor 30 Jahren waren es gerade einmal 35. Rechnet man die Buswallfahrten hinzu, dann sind es rund 30 000 Pilger, die sich im Jahr zum wichtigsten und höchst gelegenen Wallfahrtskloster der Diözese Würzburg aufmachen.

    
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Wallfahrer auf dem Rückweg
Kreuzberg
23.08.2012
    

In der Regel sind es die „Bruderschaften zum Heiligen Kreuz“, die die Wallfahrten auf den heiligen Berg organisieren. Die älteste unter ihnen stammt aus Würzburg. Seit ihrer Gründung im Jahr 1647 führt von dort alljährlich der Pilgerzug auf den Kreuzberg.

Mit bis zu 600 Teilnehmern stellen sie heute auch die größte Pilgergruppe, gefolgt von den Wallfahrten aus Karlstadt, Arnstein und Haßfurt. Die Kreuzbruderschaft aus Ochsenfurt, die sich im 19. Jahrhundert von der Würzburger Bruderschaft abgespalten hat, legt in sechs Tagen mit insgesamt 220 Kilometer die längste Laufstrecke zurück.

    
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Ankunft auf dem Kreuzberg
Kreuzberg
23.08.2012
    

Wie schon zu Zeiten von Fürstbischof Julius Echter sorgen sich Franziskaner um das leibliche und seelische Wohl der Pilger. Vier Patres und drei Laienbrüder leben ständig im Kloster. Aus der Pilgerherberge ist ein ansehnlicher Wirtschaftsbetrieb mit rund 70 Mitarbeitern geworden.

89 Betten bietet die Klosterpension. Für große Wallfahrtsgruppen werden zusätzlich Matratzenlager aufgeschlagen. 450 Pilger finden dann einen Schlafplatz im Kloster. Wenn an Spitzentagen Wanderer und Ausflügler hinzukommen, müssen bis zu 2000 Gäste bewirtet werden.

    
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Kreuzberg Wallfahrer
Kreuzberg Wallfahrer
Kreuzberg Wallfahrer
Kreuzberg Wallfahrer
Kreuzberg Wallfahrer
Würzburg
20.08.2012
    

Die Küche der Klostergaststätte ist auf diesen Andrang eingerichtet. Das dunkle Bier, das seit 1731 auf dem Kreuzberg gebraut wird, wird hoch geschätzt und fließt in Strömen, wenn durstige Pilger nach langem Fußmarsch am Kloster ankommen. Seit einigen Jahren sind die Wirtschaftsbetriebe in einer eigenen GmbH zusammengefasst. Der straff organisierte Betrieb in seiner heutigen Form gilt als das Werk von Bruder Johannes Matthias Tumpach, der seit 2001 die Geschäfte führt. Mit dem Erlös finanziert das Kloster unter anderem Missionsprojekte des Ordens.

Dabei erlebt der Franziskanermönch den täglichen Zwiespalt zwischen dem Armutsgrundsatz seines Ordens und den wirtschaftlichen Erfordernissen eines funktionierenden Betriebs. Den Spagat zwischen Kontemplation und Konsum – der inneren Einkehr und der Einkehr ins Gasthaus – hat schon 1901 der spätere Kardinal Michael Faulhaber im Gästebuch des Klosters mit dem Worten beschrieben: „Den Kreuzberg herauf kam ein endloser Zug, die einen zur Kirche, die anderen zum Krug.“

Johannes Matthias begegnet der Aufgabe, klösterliches Leben von weltlichem Treiben zu trennen, mit äußerer Strenge. Er achtet ehern darauf, dass die nächtliche Ruhezeit eingehalten wird, und schreckt in groben Fällen auch nicht dafür zurück, Gäste der Herberge zu verweisen. „Dass mich das nicht überall beliebt macht, ist mir klar“, sagt er mild lächelnd dazu, „aber anders geht's nicht.“

Schließlich müsse ein Kloster zu allererst ein Ruheort zu sein, an dem Gläubige Gelegenheit finden, auf Gott zu treffen – und das soll auch der Kreuzberg bleiben. Diesem Verlangen nach Ruhe und Besinnung schreibt Bruder Johannes Matthias die Beliebtheit zu, die die Wallfahrt zum Kreuzberg in jüngster Zeit wieder gewonnen hat. In einer immer ruheloseren Welt verlangen die Menschen danach.

Ähnlich sieht es der Würzburger Weihbischof Ulrich Boom, der sich in diesem Jahr zum ersten Mal dem Pilgerzug angeschlossen hat. „Im Letzten liegt die Beliebtheit daran, weil Wallfahrt das treffendste Bild für unser Leben ist“, sagt er. Im Zweiten Vatikanischen Konzil, dessen Auftakt sich heuer zum 50. Mal jährt, sei das „pilgernde Gottesvolk“ deshalb zur zentralen These einer erneuerten katholischen Kirche geworden.

Der Kreuzberg

Der Legende nach soll Frankenapostel Kilian im Jahr 686 auf dem 928 Meter hohen Bergkegel das erste Kreuz errichtet haben und von dort ausgezogen sein, die fränkischen Stämme zu bekehren. Dass sich die Geschichte tatsächlich so abgespielt hat, ist mehr als unwahrscheinlich – aber sie hat einen historischen Kern. Bereits in der Hallstattzeit um 500 vor Christus lag auf dem Gipfelplateau eine Kultstätte. Vielfach nutzten christliche Missionare solche heiligen Orte, um ihren neuen Glauben zu verkünden. Der Berg hieß damals noch Aschberg oder Asenberg, was auf das heidnische Göttergeschlecht der Asen hindeuten könnte. Der Name Kreuzberg taucht erst im 16. Jahrhundert auf. Im Mittelalter bereits hatte die Wallfahrt zum Kreuzberg eine erste Blüte erlebt, kam aber durch die Wirren des Bauernkriegs wieder zum Erliegen. Erst Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn als energischer Vertreter der Gegenreformation belebte die Wallfahrt wieder und ließ 1598 eine Kapelle bauen. Er entsandte Franziskaner aus dem Kloster Dettelbach, um während des Sommers die Wallfahrt auf dem Berg zu versehen. Der Kreuzberg war fortan nicht nur religiöses Zentrum, sondern zugleich eine politische Bastion gegen die Einflüsse des mächtigen Klosters Fulda, der protestantischen Gebiete im Nordosten und der thüringischen Franziskaner-Provinz, die ihren fränkischen Ordensbrüdern den rasanten Aufstieg der Wallfahrt neideten. 1647 – der 30-jährige Krieg, der Leid und Elend über halb Europa gebracht hatte, dauerte noch an – gründete sich in Würzburg die „Bruderschaft zum Heiligen Kreuz“, die seitdem alljährlich zur Wallfahrt auf den Kreuzberg aufbricht. Selbst als Wallfahrten nach der Säkularisation als Aberglauben abgetan und verboten wurden, ließen sich die Würzburger nicht beirren und versammelten sich vor den Toren der Stadt zum Aufbruch auf den heiligen Berg der Franken. Im 365. Jahr seines Bestehens erlebte die Bruderschaft eine beinahe revolutionäre Neuerung: Seit wenigen Monaten steht mit der Präfektin Barbara Schebler erstmals eine Frau an der Spitze der traditionsreichen Vereinigung. Text: MEG

Von unserem Redaktionsmitglied Gerhard Meissner
    
    

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»Alle 27 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

frei100 (856 Kommentare) am 27.08.2012 08:18

Denn die Augen des Herrn,

sind auf die Gerechten gerichtet. Ps. 34, 13 Denn der Herr wendet sich denen zu, die seinen Willen befolgen, und hat ein offenes Ohr für ihre Bitten; doch wo jemand Böses tut, wendet er sich gegen ihn. 1.Petr.3,12 Gottes Liebe können wir uns durch nichts verdienen!
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average (978 Kommentare) am 25.08.2012 21:22

Friede sei mit euch!

Ist wohl doch nur eine Floskel bei den Gottesanbetern und Sündenfreikäufern jeglicher Coleur.
So, jetzt könnt Ihr alle zusammen auf mich dreinschlagen...
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average (978 Kommentare) am 26.08.2012 19:47

Ups, "Coleur" wie peinlich!

Muss natürlich "Couleur" heißen.
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giraffe (815 Kommentare) am 25.08.2012 23:21

Nein, nicht schon wieder prügeln.

Der sog.""???freie Christ???""" ist weder f r e i noch C h r i s t ,sondern einfach eine 0, ein alberner Dampfplauderer,der gerade das Lesen gelernt hat und alle fallen auf sein albernes Geschwätz herein.
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Groschi (1227 Kommentare) am 26.08.2012 00:26

Nö, soweit sollte man nicht gehen.

es ist einfach nur ein durch einen Schicksalschlag aus der Bahn geworfener Mensch, eingefangen in eine radikale Sichtweise, dem geholfen werden sollte.
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