aktualisiert: 03.02.2012 19:24 Uhr
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BERTHOLDSDORF
Landesbischof wird Dorfpfarrer
Johannes Friedrich hält diesen Sonntag seinen ersten Gottesdienst im mittelfränkischen Bertholdsdorf
Zuletzt hatte er fast drei Millionen Schäfchen in ganz Bayern. Jetzt sieht er Schafe eher draußen auf der Wiese. Der frühere evangelische Landesbischof Johannes Friedrich hat nach dem Ende seiner Amtszeit einen ungewöhnlichen Karriereschritt gewagt: Er ist Dorfpfarrer geworden. Die Zahl seiner Schäfchen ist im mittelfränkischen Bertholdsdorf radikal geschrumpft – auf 712.
Also Hühnergackern statt Großstadtleben? An seiner Adresse hat sich immerhin nicht viel geändert. „In München habe ich in der Himmelreichstraße gewohnt“, erzählt Friedrich. Sein neues Zuhause liegt im Hirtenweg. „Zufall“, wie der 63-Jährige betont. Inmitten seiner neuen Gemeinde wohnt er allerdings nicht. Friedrich ist zusammen mit seiner Frau in sein früheres Ferienhaus im benachbarten Örtchen Spalt gezogen.
Wenn er an diesem Sonntag seinen ersten Gottesdienst im Dorf feiert, ist er nach zahllosen öffentlichen Auftritten plötzlich wieder aufgeregt. Die Predigten als Landesbischof seien anders gewesen. „Da war ich vor allem jemand, der öffentlich geredet hat“, sagt Friedrich. „Ich habe immer ein paar Sätze eingebaut, die von den Medien zitiert werden können.“ Darauf komme es nun nicht mehr an.
Auf dem Land stehe die persönliche Ansprache im Vordergrund. Dort sieht er sich eher als Seelsorger. „Mein wichtigstes Ziel ist, dass ich alle besuche.“ Bei 350 Haushalten dürfte das durchaus machbar sein. Zwei Jahre hat Friedrich dafür Zeit, dann wird er 65 und geht in den Ruhestand.
„Grundsätzlich wäre uns ein jüngerer Pfarrer lieber gewesen“, sagt Heidi Gilch (39) aus der Nachbargemeinde. Nach zwei Jahren müsse dann schon wieder ein neuer Geistlicher her. „Ich glaube aber, die ältere Generation freut sich. Meine Mutter möchte jetzt wieder öfter in die Kirche gefahren werden.“
Friedrichs später Karriereschritt hat seine Gründe: Das Amt des Landesbischofs wurde in Bayern auf zwölf Jahre begrenzt. Er selbst hatte die Regelung während seiner Amtszeit auf den Weg gebracht – auch um für frischen Wind zu sorgen. Was danach aus den Bischöfen werden sollte, war aber nicht ganz klar. Nun also Dorfpfarrer.
„Das hat noch kein bayerischer Bischof vorher gemacht“, sagt Johannes Minkus von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche. Er sieht Friedrichs Entscheidung daher als „zukunftsweisenden Schritt“.
Niedrige Häuschen, enge Gassen und diese Ruhe: Mit München hat Bertholdsdorf nicht viel gemein. „Da war schon ein bisschen die Angst, dass uns die Decke auf den Kopf fällt“, gesteht Friedrich. „Von acht Uhr an hört man hier abends nichts mehr.“ Er genieße das aber. Und: „Einmal im Monat fahren wir nach München ins Theater.“ Zeitlich geht das, denn er hat nur eine halbe Stelle.
In der Bertholdsdorfer Kirche fällt Sonnenlicht durch das bunte Fensterglas, nur ein paar leise Schritte sind zu hören. Noch. Christine Rißmann putzt die Bänke und wischt den Boden vor dem Gottesdienst am Sonntag. Die 50-Jährige erwartet „viel Trubel“ bei der Amtseinführung des neuen Pfarrers. In Bayern sei Friedrich ja regelrecht prominent. Ob sie das Gotteshaus extra wegen Friedrich putze? Das nicht, sagt sie. „Aber man macht es doch gründlicher.“
Friedrich kann derweil einen Gang runterschalten. „Die Anspannung wird jetzt weniger.“ Allein deswegen hat er sich aber nicht für das Landleben entschieden, sagt der 63-Jährige. Ob Auslandspfarrer oder Dekan und Landesbischof – er sei mittlerweile schon alles gewesen. „Nur Dorfpfarrer, das war ich noch nie.“
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Die neuesten Kommentare
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frei100 (423 Kommentare) am 07.02.2012 08:36
Gott dienen - IHN anbetendiesem allmächtigen Gott dienen, das ist Gottesdienst! Wünsche dem Bischofeine ganz neue und tiefe Berührung mit diesem einzigartigen Gott und Vater. |
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klausburkard (874 Kommentare) am 04.02.2012 13:34
ob schäfchen hin oder her -ich denke, bischof friedrich hat einen sehr wichtigen meilenstein gesetzt, nachdem er nicht bis zum letzten atemzug am bischofsstuhl kleben wollte und somit sich noch ein paar jahre seiner eigentlichen aufgabe als pastor widmet: seelsorge für die ihn angetraute gemeinde, oder auch schafe genannt. in diesem sinn hat schafe eigentlich keinen nachhaltigen effekt, werte(r)fresh, denn bereits in der bibel steht über jesus gesprochen: ich bin der gute hirt, ich kenne meine schafe, und sie hören auf meine stimme. sicherlich mag das wort "schaf" für manche einen faden nachgeschmack haben, da man früher das schimpüfwort gebrauchte " du bist ein dummes schaf" aber tiere sind im allgemeinen nicht dumm. zum teil klüger wie wir menschen. mich freut es, dass die gemeinde bertholdsdorf mit ehem. landesbischof nun einen pfarrer gefunden hat, der wohl doch neuen schwung in seine herde bringen wird. ihm einen guten start.
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fresh (85 Kommentare) am 04.02.2012 10:06
Pfarrer haben Schäfchen - Redakteure haben wohl ABC-Schützen??Dem ehemaligen Landesbischof und nun Pfarrer Friedrich für seine neue Aufgabe Gottes Segen oder säkular gesprochen: Alles Gute.Apropo "Schäfchen" Wann dämmert es den Redakteuren beiderlei Geschlechts endlich, dass in den Gemeinden keine harmlosen Schäfchen warten sondern leibhaftige gescheite Christen. Wenn vor allem der katholischen Kirche sändig vorgehalten wird, sie sei so rückständig, dann mögen die Verantwortlichen der Zeitung bitte endlich ihr "Schäfchen- Denken ablegen. Der Unterton macht hier die Musik! Oder spricht man in den Redaktionen von ABC-Schützen, wenn man die Leser einer Zeitung meint? Falls ja, dann wird die Zeitung sicher noch in Redaktionsstuben geschrieben |
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