publiziert: 15.11.2012 19:36 Uhr
aktualisiert: 16.11.2012 08:09 Uhr
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Lautstarker Protest gegen Studiengebühren

Hunderte Studierende demonstrieren in Würzburg – Oppositionsparteien solidarisch
  • Foto: Chris Weiss
    Gegen Studiengebühren: Freie-Wähler-MdL Hans Jürgen Fahn (links) solidarisierte sich in Würzburg mit den Forderungen der Studenten.
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Einige Hundert Studenten haben am Donnerstagnachmittag in der Würzburger Innenstadt lautstark für die Abschaffung der Studiengebühren demonstriert. Bei der anschließenden Kundgebung bekundeten Vertreter der Opposition ihre Solidarität mit dem Protest.

Eduard Göbl, Vorsitzender der Studierendenvertretung, sprach am Ende von 800, die Polizei von 500 Demonstranten. Und das bei aktuell 30 000 Studenten in Würzburg. Während es einzelne Teilnehmer „sehr traurig“ fanden, dass nicht mehr mobilisiert werden konnten, zeigte sich Göbl zufrieden. „2500 Teilnehmer vergangene Woche in München, jetzt 900 in Erlangen und 800 in Würzburg, das ist ein klares Signal.“

    
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Studenten-Demo
Würzburg
15.11.2012
    

„Bildung für alle – und zwar umsonst“, hallte es durch die Straßen. Mit dabei: Johanna (22), die auf dem zweiten Bildungsweg Abitur gemacht hat – und jetzt Museologie studiert. „Meine Eltern haben kein Geld“, also erarbeitet die Würzburgerin sich die 1000 Euro pro Jahr bei einem Ferienjob in der Industrie. Katharina (21), Psychologie-Studentin aus Freiburg, durfte sich den Studienort nicht selbst aussuchen, ihr wurde einer zugeteilt. „Sonst wäre ich nicht nach Bayern gegangen.“ Um die Gebühren aufzubringen, jobbt sie für ein Onlineportal. Thomas (20) hat es da besser. „Meine Eltern zahlen die Gebühren.“ Der Jura-Student findet die Beiträge „grundsätzlich auch okay“. Es sei aber ungerecht, „wenn ein Bundesland sie erhebt, ein anderes nicht. Die Praxisgebühr zahlt man auch überall.“

Am Marktplatz durften sich die Oppositionsvertreter des Beifalls der Studierenden gewiss sein – allen voran die der Freien Wähler, die es mit ihrem Volksbegehren erst möglich gemacht haben, dass mittlerweile auch die CSU die Beiträge abschaffen möchte. „Bildung ist das Grundrecht eines jeden Menschen. Deshalb muss sie umsonst sein“, so der Landtagsabgeordnete Hans Jürgen Fahn. Er zeigte sich zuversichtlich, die Gelder, die derzeit die Studenten aufbringen, über den Haushalt zu finanzieren. Simone Tolle (Grüne), Homaira Mansury (SPD) und Jan Bühler (Piraten) argumentierten ähnlich.

Mut bewies der FDP-Landtagsabgeordnete Karsten Klein, der, unterbrochen durch Pfiffe und Zwischenrufe, die Studiengebühren verteidigte. Es sei „sozial gerecht“, dass diejenigen, die von der Hochschulausbildung profitieren, auch einen Beitrag dazu leisten. Es sei richtig, so Klein weiter, nun das Volk über die Gebühren abstimmen zu lassen.

Die Studenten hoffen derweil, dass es zu dem Volksentscheid gar nicht mehr kommt. Eduard Göbl: „Ein Ende der Studiengebühren, das wäre doch ein schönes Weihnachtsgeschenk von Horst Seehofer.“

Aus Sicht der Polizei verlief die Demonstration störungsfrei.

Von unserem Redaktionsmitglied Michael Czygan
    
    

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»Alle 18 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

hrausch (8 Kommentare) am 19.11.2012 08:58

Der Schlaue lebt vom Dummen, der Dumme von der Arbeit!

Jeder Bäckermeister muß seine Meisterprüfung selbst bezahlen (5000 - 7000€)! Jeder Student hat ein Recht auf Bafög (12 Semester x 500€ maximal = 6000€) verzinst mit 2,13%.
Rückzahlung bis 25 Jahre mit max. 50€ im Monat. Abzahlung erst ab 1650€ Nettoverdienst. Über 30% aller Studenten sind von den Studiengebühren befreit. Ein Ingenieur bei BMW hat mehr als 40.000€ im Jahr! Was ist sozial?
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klosterschueler (1014 Kommentare) am 19.11.2012 09:48

Auch ein Akademiker

muss nach Studienabschluss arbeiten.
Der Bäckermeister kann die Kosten der Fortbildung zum Meister von der Steuer absetzen, Studiengebühren sind nicht abzugsfähig, weder bei mir als Vater noch bei meinem Sohn nach Abschluss des Studiums.
Als Arbeiterkind hatte ich nach dem Studium entsprechend Bafögschulden. Wenn mir auch noch Schulden aus Studiengebühren gedroht hätten, hätte ich vermutlich nicht studiert und nicht nur auch der Allgemeinheit wären die höheren Beiträge zur SozVers. und Lohnsteuer entgangen. Außerdem ist nicht jeder zum Handwerker geboren. Vielen fehlt es am handwerklichen Geschick aber intellektuelle Fähigkeiten sind vorhanden.
Warum soll jemand ein schlechter Handwerker werden, der ein guter Wissenschaftler werden könnte? Nur weil seine Eltern arm sind?
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toto (821 Kommentare) am 19.11.2012 12:03

So ein Quatsch!

In Deutschland muss doch keiner auf sein Wunschstudium verzichten! Selbst wenn die Eltern keine Kohle haben bekommt jeder Student ein kostengünstiges Studiendarlehn! Und die Kohle irgendwann zurückzahlen zu müssen ist ja wohl das Mindeste! Und sie mit Ihrem tollen Steuerausgleich bei einem Meisterbrief.. ein Student der meist noch nie Steuern bezahlt hat, auch noch so doppelt und dreifach gefördert werden?? Im übrigen müssen sie auch schon bisschen was verdienen dass sich dieser Steuerentlastungsvorteil lohnt.

Ein Handwerker der seinen Meister macht legt mal locker 10000€ auf den Tisch -ohne Verdienstausfall- und zieht auch meist die Meisterschule am Wochenende neben der herkömmlichen Arbeit durch und hier heult man rum wegen 500€ pro Semester(!!)
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klosterschueler (1014 Kommentare) am 19.11.2012 13:05

Nur zur Klarstellung

meine Frau und ich haben nach dem Studium berufsbegleitend ebenfalls Zusatzqualifikationen erworben Wir wissen also was das für eine Schinderei ist.
Aber nichts desto trotz es ist volkswirtschaftlich unsinnig, begabte Menschen mit einer Unimaut vom Studium abzuschrecken.
Die Ausbildung Begabter aus armen Elternhäusern rentiert sich für die Allgemeinheit mindestens so sehr wie für den Einzelnen. Ich für meine Person kann sagen, dass der Staat der größte Nutznießer aus meinem Studium ist.
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asazyma (423 Kommentare) am 16.11.2012 11:49

Demo-Dauerbrenner

Wie zuvor schon erwähnt, wenn tatsächlich so viele gegen die Abschaffung sind, wieso kommen dann so wenige Studenten zu einer solchen Demo? Aber vielleicht liegt es auch an denen, die dazu aufrufen und deren Parolen dann die Transparente zieren. Unter keiner dieser meist völlig albernen Parolen würde ich mitlaufen, selbst wenn ich dagegen wäre. Alle dürfen in Deutschland ein Abi machen und somit die Hochschulreife erlangen, alle haben auch dort die Möglichkeit zu studieren, auch mit Beiträgen, wie sie tatsächlich heißen. Und es sind Beiträge, weil es durchaus zumutbar ist, einen Beitrag zu seiner Ausbildung zu leisten und nicht nur darauf zu hoffen, dass mir alles bezahlt wird. Es müssen keine 500€ sein, aber mit 50€ im Monat (300€ im Semester) leistet doch jeder einen Beitrag, der dann auch dem Studium zugute käme, indem weitere Tutorien oder Lehrmaterialien angeschafft werden können. Der Staat soll machen... Tolle Einstellung. Achja, "Scheiße" schreibt man mit ß, nicht mit ss.
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