aktualisiert: 07.09.2010 19:02 Uhr
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WÜRZBURG
Lebensretterin besucht genetischen Zwilling
Stammzellenspende der Würzburgerin Sabine Zügner half den Krebs eines Kaliforniers zu besiegen
Wer jemandem das Leben rettet, kann sich schon als Held fühlen – so wie die 48-jährige Sabine Zügner aus Würzburg. Dabei hatte sie eigentlich nichts Großes geleistet, sie war einfach „richtig“, hatte die richtigen Stammzellen. Nur deswegen konnte der Knochenmarkkrebs des in Kalifornien lebenden Andy Carrico geheilt werden.
Vor zehn Jahren hatte sich die Krankenschwester Sabine Zügner bei einer Typisierungsaktion der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) als potenzielle Spenderin registrieren lassen. Im Herbst 2007 dann der Hilferuf: Ein Mann aus den USA bräuchte womöglich ihre Stammzellen. Was sie erst viel später erfuhr: Der heute 66-jährige Familienvater Andy Carrico aus San Gabriel in Kalifornien hatte damals gerade die Diagnose Knochenmarkkrebs erhalten. Nur 13 Monate gab ihm der Arzt noch zum Leben. Einzige Rettung vor dem sicheren Tod wäre ein „genetischer Zwilling“.
Genetischer Zwilling
Sabine Zügner ist so ein Zwilling. Sie weist dieselben Gewebemerkmale wie Carrico auf; nach einer Transplantation könnten ihre Stammzellen die des kranken Familienvaters ersetzen. Sichere Rettung bedeutete dies indes noch nicht: Das Risiko, die Spende nicht zu überleben, liegt bei 50 Prozent.
Deswegen entschied sich Carrico zunächst gegen die Transplantation und versuchte, zunächst sein normales Leben weiterzuführen – schließlich hatte er auch Frau und Kinder zu Hause. Er ging zur Arbeit und verbrachte viel Zeit mit der Familie.
Doch einen Monat vor Ablauf der Frist, die ihm der Arzt gegeben hatte, verschlechterte sich sein Zustand rapide und Symptome wie stundenlanges Nasenbluten alarmierten ihn. Nun musste er nach dem letzten Strohhalm, den Stammzellen von Sabine Zügner, greifen.
Auch die Würzburgerin stimmte der Transplantation zu. „Es war klar für mich, dass ich helfen will“, erinnert sie sich, auch wenn der Betroffene ein Fremder in mehr als 9387 Kilometer Entfernung war und noch lange ein Fremder bleiben würde. Denn: Nach deutschem Gesetz dürfen sich Spender und Patient frühestens zwei Jahre nach der Transplantation kennenlernen.
„Überwältigendes Gefühl“
Ende Juli 2008 bekam die Krankenschwester ein Hormonmedikament, das die Bildung von Stammzellen verstärkt. Anfang August war es dann soweit und wie bei einer Blutwäsche wurden ihr die Stammzellen entnommen. Helfen zu können „war ein überwältigendes Gefühl“, sagt sie.
Wie die Transplantation verlaufen war – davon hatte sie zunächst keine Ahnung. Erst nach einigen Wochen erhielt sie einen Brief von der Spenderdatei. Mit ihm war eine Postkarte weitergeleitet worden, die an ihre Spendernummer adressiert war. Mit herzlichen Worten bedankte sich Andy Carrico bei Sabine Zügner, obwohl er noch gar nicht richtig über den Berg war. Die Karte hat die Krankenschwester aufbewahrt, sicher verstaut in einer Klarsichtfolie, die sie immer wieder vorzeigen kann, wenn jemand ihre Geschichte hören will.
Besuch in Kalifornien
Die so plötzlich verbundenen Menschen hielten regen Kontakt, wenn auch anonym. Nach einigen Wochen bekam sie dann endlich die erlösende Nachricht: Carricos Körper hatte die Stammzellen nicht abgestoßen, es bildeten sich immer mehr gesunde Blutzellen. Zu diesem Zeitpunkt war klar: Zügner hatte jemandem das Leben gerettet.
Nach Ablauf der Frist beantragten beide, sich kennenzulernen. Doch dabei blieb es nicht, denn sie wollten sich auch persönlich gegenüberstehen. Kurz darauf begegneten sie sich dann an einem kalifornischen Flughafen zum ersten Mal.
Sabine Zügner und ihr 17-jähriger Sohn Daniel wurden für zehn Tage bei der Familie aufgenommen. „Sie haben uns richtig verwöhnt“, erzählt Sabine Zügner. Und alle hätten sich bei ihr bedankt. „Das war mir schon fast peinlich!“ Eine Party hatte man gegeben, zu der auch Carricos Arzt kam.
In Kontakt stehen sie weiterhin, für 2012 planen sie ein weiteres Treffen, dann in Deutschland. Und Andy Cariccos Kinder, mit denen sich Daniel angefreundet hat, kommen vielleicht sogar schon im nächsten Sommer vorbei – fast wie richtige Blutsverwandte.
Knochenmarkspenderdatei
Schon über 22 000 Leben sind insgesamt über die Deutsche Knochenmarkspenderdatei gerettet worden, etwa zehn am Tag. Dies geschieht entweder über die periphere Stammzellenentnahme, wie bei Sabine Zügner, oder über eine Knochenmarkentnahme aus dem Beckenkamm.
Als einer von insgesamt mehr als 2 200 000 registrierten Spendern weltweit liegt die Wahrscheinlichkeit, in zehn Jahren als „richtiger Partner“ ausgewählt zu werden, bei fünf Prozent. Registrieren lassen kann man sich über einen Wangenabstrich mit Wattestäbchen, das im Internet unter www.dkms.de anzufordern ist oder bei verschiedenen Veranstaltungen. Auf der Internetseite gibt es darüber hinaus alle möglichen Informationen rund um eine mögliche Knochenmarkspende.
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