aktualisiert: 05.01.2010 14:08 Uhr
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NEUSTADT/VOLKACH
Marlies krönt sich und Volkach
Nach fünf Jahren kommt wieder eine Deutsche Weinkönigin aus Franken
Marlies Dumbsky hat es geschafft: Die 22-jährige Winzerin und Studentin aus Volkach hat sich und das fränkische Weinland gekrönt. Und sie hat ihre Heimatstadt einmalig gemacht: Volkach, die heimliche Hauptstadt des Frankenweins, ist nun die einzige deutsche Weinbaugemeinde, die in der 60-jährigen Geschichte der Wahl drei Deutsche Weinköniginnen stellt. Für Franken scheint der 10. Oktober ein Glückstag zu sein. Auf den Tag genau vor fünf Jahren hatte Nicole Then aus Sommerach die Krone an den Main geholt.
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Spannung in Neustadt an der Weinstraße: Ist's ein Blauburgunder, ein Riesling oder ein Silvaner? Marlies Dumbsky muss sich entscheiden.
FOTOs Herbert Kriener/Christoph Weiss/dpa/ddp -
Da ist sie noch Fränkische Weinkönigin.
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Da wird sie für den Auftritt in Neustadt frisiert.
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Da steht sie Moderator Holger Wienpahl Rede und Antwort.
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Mit Sarah Schmitt (links) und An-drea Köninger, ihren Prinzessinnen.
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Hier gratuliert Weinbaupräsident Andreas Oestemer.
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Springen nun für Marlies Dumbsky ein: Andrea Gebhard und Susanne Gehrig (von links).
Es ist gegen 22 Uhr am Freitagabend, als im großen Saalbau in Neustadt an der Weinstraße vor den Kameras des SWR die Entscheidung fällt. Monika Reule, die Geschäftsführerin des Deutschen Weininstitutes, liest die Namen aus den ersten beiden Umschlägen vor: Sarah Schmitt aus der Pfalz und Andrea Köninger sind Deutsche Weinprinzessinnen. Jetzt bleibt nur noch „Alles oder Nichts“. Wenig später geht ein goldener Konfetti-Regen über eine strahlende Marlies Dumbsky nieder. Weinbaupräsident Andreas Oestemer reißt begeistert die Hände in die Höhe, sein Geschäftsführer Hermann Schmitt führt einen Freudentanz auf. „Das ist der Hammer“, jubelt er.
Vollbesetzter Fan-Bus
Dass Marlies Dumbsky unter die ersten Drei kommen und damit zumindest Deutsche Weinprinzessin werden würde, damit haben beide nach der Vorentscheidung in der vergangenen Woche fest gerechnet. Doch die Konkurrenz an diesem Abend ist stark. „Schwer zu sagen, wer da heute herausragt“, befindet in einer Pause Volkachs Bürgermeister Peter Kornell, der mit einem vollbesetzten Fan-Bus in die Pfalz gekommen ist.
In der Tat fällt die Entscheidung sehr knapp aus, wie hinterher zu hören ist – auch wenn das Deutsche Weininstitut als Veranstalter keine genauen Zahlen bekannt gibt. Dass der deutsche Wein mit Marlies Dumbsky eine hübsche, charmante, eloquente und auch fachlich sehr versierte Vertreterin hat, daran besteht aber kein Zweifel. „Marlies hat das Besondere. Sie hat nicht nur Intelligenz, sondern zum IQ (Intelligenzquotienten) auch EQ, emotionale Qualitäten“, sagt Friedlinde Gurr-Hirsch. 1976 war sie selbst Deutsche Weinkönigin, heute ist sie Staatssekretärin im Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum in Baden-Württemberg. Sie ist eine der 80 Juroren aus Weinwirtschaft, Politik und Journalistik, der sich die sechs Finalistinnen aus 13 deutschen Weinanbaugebieten zu stellen haben. Schon der erste Eindruck dürfte viele von der fränkischen Vertreterin überzeugt haben. Die Dunkelhaarige von der Mainschleife tritt in einem Figur betonenden smaragdgrünen Abendkleid auf. Was an diesem Abend niemand erfährt: Die Seide hat Marlies für 15 Euro bei ihrem Besuch als Fränkische Weinkönigin in China gekauft. Genäht und mit Perlen drapiert hat das Kleid die Gaibacher Schneiderin Heidi Greb, mit deren Kreationen schon die frühere Fränkische Weinkönigin Eva Barthelme glänzte.
Mit Bravour meistert Marlies auch die Aufgabe, ein Weinfest zu eröffnen und dabei drei Waren des Sponsors geschickt in die Rede einzubauen. Bei der anschließenden Weinverkostung sinkt die Stimmung im fränkischen Lager: Ausgerechnet beim Silvaner lässt sich Marlies am Ende von der Kandidatin vom Mittelrhein verunsichern und stellt, nachdem sie sich schon richtig entschieden hatte, das Schildchen Grauburgunder vor die fränkischste aller Rebsorten. Vater Hermann Dumbsky nimmt es gewohnt gelassen – zumal nur eine der sechs Kandidatinnen diese Aufgabe richtig löst. „Wenn die Weine viel Schmelz haben, kann das schon passieren.“ Zur Ehrenrettung will auch angemerkt sein, dass die jungen Frauen die Weine nur ein einziges Mal probieren dürfen.
250 Termine stehen an
In der Schlussrunde dürfen die jungen Damen ihre Erfahrungen als Gebietsweinkönigin schildern. Marlies erzählt locker und charmant von einer spannenden Zeit, von einem Reifungsprozess, von Genuss und davon, wie viel Emotion mit dem Produkt Wein verbunden ist. „Das war gut“, fasst Geschäftsführer Hermann Schmitt wieder Hoffnung. Er und andere sind sich sicher, dass Marlies hier gepunktet hat.
Stark zu ihrem Erfolg hat die Vorrunde beigetragen, in der Marlies Dumbsky viele Juroren mit ihrem Fachwissen überzeugt hatte. Sie habe selbst nicht an den Erfolg geglaubt, sagt die 22-Jährige im Blitzlichtgewitter der Fotografen, aber es sei großartig, und sie freue sich auf die Zeit, die vor ihr liegt. Schon jetzt sind 250 Auftritte für sie als Botschafterin des deutschen Weins geplant. Leipzig, wo sie Kommunikationswissenschaften studiert, wird noch etwas länger auf Marlies warten müssen.

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