aktualisiert: 05.03.2009 19:28 Uhr
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LOHR
Mit Patienten gekungelt: Staatsanwalt ermittelt
Drei Pfleger am Bezirkskrankenhaus Lohr beurlaubt – Staatsanwalt eingeschaltet
In der Forensik des Bezirkskrankenhauses in Lohr soll es eine Reihe von Verfehlungen des Pflege- und des Wachpersonals gegeben haben. Diesen Vorwurf formuliert Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel nach Gesprächen mit Betroffenen. In der Folge wurden eine Krankenschwester und eine Wachfrau entlassen sowie drei Pfleger beurlaubt. In der Forensik sind psychisch und suchtkranke Straftäter untergebracht.
Aufgekommen sind die Vorwürfe durch einen Patienten, der sich über die Kumpanei zwischen dem Stationsleiter, dem Stellvertreter und dem Pfleger einer Station sowie einigen Patienten beschwert habe, berichtet Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel (Wörth am Main). Das enge Verhältnis der Betroffenen, so der Vorwurf, habe bestimmten Patienten Vorteile verschafft. Um was es genau geht, wollte Dotzel aus Datenschutzgründen nicht sagen, nur, dass es sich weder um sexuelle Übergriffe noch sicherheitsrelevante Vorgänge gehandelt habe. „Die Sicherheit in der Forensik war zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Aber es sind Dinge passiert, die aus meiner Sicht nicht hätten sein dürfen.“
V-Mann ermittelte wegen Drogen
Inzwischen hat der Bezirk dienstrechtliche Maßnahmen ergriffen und die drei Pfleger beurlaubt. Da sie die Vorwürfe bestreiten, stehe Aussage gegen Aussage, so Dotzel.
Untermauert werden die Vorwürfe allerdings durch die Angaben eines V-Manns, der ohne Wissen des Bezirks in die Forensik eingeschleust worden war, um wegen Drogenhandels unter den Patienten zu ermitteln, bestätigt der Bezirkstagspräsident. Der V-Mann hat die Forensik inzwischen verlassen. Handfest sind zwei weitere Vorfälle der jüngeren Vergangenheit. Wie Dotzel bestätigt, kündigte der Bezirk 2008 Jahr einer Krankenschwester, nachdem sie sich von einem Patienten habe schwängern lassen. Das habe zwar mit den aktuellen Fällen nichts zu tun, so der Bezirkstagspräsident, gehe aber in eine ähnliche Richtung.
Schließlich hat die private Sicherheitsfirma, die den Wachdienst in der Forensik versieht, eine Wachfrau entlassen, weil sie angeblich während ihrer Schicht den Stützpunkt verlassen habe. Dotzel betont, dass die Firma sofort reagiert habe. „Deswegen kann ich nichts Nachteiliges über das Unternehmen sagen.“
Der Bezirk hat inzwischen das Sozialministerium in München informiert und die Staatsanwaltschaft Würzburg eingeschaltet. Deren Sprecher, Oberstaatsanwalt Erik Ohlenschlager, bestätigt den Eingang einer Anzeige. Darin habe der Bezirk die Staatsanwaltschaft gebeten, die Vorfälle in der Forensik auf ihre strafrechtliche Relevanz zu prüfen.
Staatsanwalt ermittelt
Ermittelt wird wegen „Gefährdung einer Entziehungskur“, weil ein Pfleger einem Mann auf Entzug Alkohol angeboten haben soll, und „Gefangenenbefreiung“. „Allerdings geht es nicht um eine tatsächliche Befreiung, sondern darum, dass einem Freigänger Lockerungen über den genehmigten Rahmen hinaus gewährt wurden“, so Ohlenschlager. Dotzel zeigt wenig Verständnis für den laxen Umgang zwischen Pfleger und Patienten und die dienstlichen Vergehen: „In der Forensik sitzt eine schwierige Klientel; das sind ganz ausgebuffte Kerle. Da muss eine Pflegekraft beharrlich sein.“
Dennoch glaubt der Bezirkstagspräsident, dass er zwei der drei betroffenen Pfleger „nach einer Rotation an anderer Stelle in der Psychiatrie des Bezirkskrankenhauses“ weiterbeschäftigen kann. In einem Fall allerdings sei er sich wegen möglicher strafrechtlicher Folgen nicht sicher. Sicher sei hingegen zu jeder Zeit die Forensik: „Sie hat funktioniert, funktioniert und wird in Zukunft funktionieren“, verbreitet der Bezirkstagspräsident Gelassenheit.
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