publiziert: 22.09.2010 19:03 Uhr
aktualisiert: 22.09.2010 19:13 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text SCHWEINFURT
Mordprozess: Zweifel an der Version von Dirk H.

Getötete Ehefrau wollte die Trennung

„Ich kann immer noch nicht glauben, dass meine Schwester tot ist.“ Nur hier stockte die Stimme der 39 Jahre alten Schwester von Simone H. (36), deren Mann Dirk H. (37) sich derzeit vor dem Schwurgericht wegen Mordes verantworten muss. Bei dieser Aussage der Schwägerin zitterte H., der jeden Blickkontakt vermied. Die Hände kneteten einen Kugelschreiber.

    
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Die Schwester, die auch Nebenklägerin ist, lebte und arbeitete seit 15 Jahren in Schottland, gab den Job auf, um sich um die vier Kinder der Getöteten im Alter von fünf bis neun Jahren kümmern zu können. Die befinden sich noch in einem Heim in der Nähe des Wohnortes der Großeltern im Osten Deutschlands.

Kinder stellen Fragen

Die drei Buben und das fünfjährige Mädchen, die psychologisch betreut werden, weinten oft, hätten sehr viele Fragen, den Ältesten drückten Schuldgefühle, schilderte sie deren Gemütszustand. Auch den Eltern von Simone und ihr selbst „geht es nicht gut“, sagte sie.

Ihre Aussage danach korrespondierte nicht mit der Tatversion des Angeklagten, die H. wiederholte. Er will am Computer gesessen, beim Surfen drei Bier getrunken und am 30. Dezember 2009 um Mitternacht ins Schlafzimmer der Wohnung in Katzenbach (Lkr. Bad Kissingen) gegangen sein. Er habe Simone geweckt, damit sie die an Weihnachten verkündete Trennung rückgängig mache. Sie habe sich weggedreht: „Lass mich“. Dann habe er ein Messer gegriffen, das auf einer Kiste mit Weihnachtspapier zufällig noch gelegen habe. „Wenn sie sich nicht weggedreht hätte, wäre es nicht zur Tat gekommen“, sagte er.

Die Schwester, an Weihnachten zu Gast, schilderte demgegenüber, dass sie im Schlafzimmer kein Messer gesehen habe. Es sei nie abgeschlossen gewesen, Bier habe sich nicht im Haus befunden, wie Dirk H. behauptete. Auch das Paket der Großeltern mit Geschenken für die Kinder sei ungeöffnet unter den Weihnachtsbaum gekommen. Der Angeklagte hatte gesagt, es sei mit dem späteren Tatmesser geöffnet, die Geschenke darin umgepackt worden.

Zweifel an Tatversion

Zweifel am vom Angeklagten geschilderten Ablauf äußerte auch das Gericht, zumal nach der Aussage eines Computerspezialisten der Kripo. Demnach hatte H. vor der Tat im Computer mehrere Flirtseiten besucht. Es sei „schwer vorstellbar“, so die Vorsitzende, dass man als Ex-Alkoholiker und Bittsteller ins Schlafzimmer gehe, aber vorher Bier trinke und Flirtseiten anschaue.

Zehn Wochen vor ihrem Tod lernte Simone einen 44-Jährigen kennen, dem sie ihre Eheprobleme und Trennungsabsicht schilderte. Sie habe sich allein gefühlt, sagte der Schweinfurter. Er räumte auch ein, dass sie eine Beziehung hatten, der Grund für die Trennung, die sie H. am 26. Dezember mitteilte, sei er aber nicht gewesen. Bei einem letzten Telefonat am 30. Dezember habe Simone mitgeteilt, ihr Mann sei „so komisch“. Der Prozess wird am Freitag mit den Plädoyers fortgesetzt.

Von unserem Redaktionsmitglied Hannes Helferich
    
    

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