publiziert: 04.05.2007 18:32 Uhr
aktualisiert: 07.05.2007 03:11 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text SCHWEINFURT
Nach Ehedrama: Auch Helfer brauchen Hilfe

Die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten sind schlimme Situationen gewohnt. Der Anblick von Toten oder Schwerverletzten geht aber oft auch an ihnen nicht spurlos vorbei. In manchen Fällen brauchen die Helfer nach der Hilfe selbst Hilfe.

So auch im Fall der Familientragödie vom 28. April in Schweinfurt, deren Hintergründe, so die Polizei am Freitag, wohl für immer im Dunkeln bleiben werden. Vor dem Augen der eigenen Kinder hatte ein 39-jähriger Mazedonier seine 32-jährige Frau erschossen und sich dann selbst mit einem Kopfschuss getötet. Am Tatort waren am Samstagmorgen nicht nur die Polizei, sondern auch vier Rettungskräfte des Roten Kreuzes, drei der Johanniter, zusätzlich der Einsatzleiter der Arbeiter Samariter und später noch drei Betreuer sowie mehrere Notfallseelsorger.

Mit sechs Tagen Abstand kamen nun acht dieser Einsatzkräfte beim Schweinfurter Roten Kreuz zusammen, um das Erlebte aufzuarbeiten. "Streßbearbeitung für Einsatzkräfte" (SBE) heißt dieses Programm, das in Würzburg von einer Gruppe aus angehörigen des Roten Kreuzes, der Johanniter, der Malteser und der Feuerwehr geleistet wird. Eine ähnliche Gruppe ist derzeit in Schweinfurt im Aufbau, erklärt BRK-Kreisgeschäftsführer Helmut Endreß. Das Rote Kreuz dürfe nämlich Menschlichkeit nicht nur nach außen zeigen, sondern müsse sie auch nach innen leben. Jeder Helfer reagiere auf das Erlebte anders, manche bräuchten einfach Hilfe, um schreckliche Eindrücke aufzuarbeiten.

SBE-Mitarbeiter werden nach einem amerikanischen Programm einheitlich ausgebildet, um auch einmal außerhalb des eigenen Bereichs bei Katastrophen eingesetzt werden zu können, erklärt der Bereichsleiter Rettungsdienst/Ausbildung Thomas Stadler. Die Ausbildung beginnt mit einem Grundlehrgang an zwei Wochenenden, dem mehrere Module folgen, so dass sie insgesamt 14 Tage umfasst.

SBE-Mitarbeiter sind nur in wenigen Fällen Psychologen, sondern meist Ehrenamtliche, die selbst Einsatzerfahrungen haben und daher einen leichteren Zugang zu den Kollegen fänden, sagt Endreß. Ihm ist nicht nur die Nacharbeit wichtig, er setzt auch auf Prävention. Sie soll dabei helfen, zu lernen, mit den Erlebnissen umzugehen, mit Schreckensbildern, die nicht aus dem Kopf heraus wollen oder der Angst, die aufkommt, wenn der Helfer eine Einsatzstelle später wieder passiert.

Oft kämen die Veränderungen schleichend, dauere es lange, bis sich Stressmerkmale offen zeigten, berichtet Endreß. Da helfe oft schon ein Gespräch in der Kaffeepause, um ein Problem zu erkennen. Konkret habe es beim Roten Kreuz in Schweinfurt vor einiger Zeit, zwei Mitarbeiter gegeben, die mit der Belastung allein nicht mehr fertig wurden und deren Arbeitskraft gerettet werden konnte, weil sie zur Fachbehandlung vermittelt wurden.

 

Von Karl-Heinz Körblein
    
    

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