publiziert: 28.02.2013 18:47 Uhr
aktualisiert: 28.02.2013 19:17 Uhr
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Neue vierstufige Klassifikation bei Wein

Verband der Prädikatsweingüter will mit vierstufiger Klassifikation neue Maßstäbe setzen
  • Foto: Herbert Kriener
    Die Lagenspezialisten: (von links) Martin Schmitt, Armin Störrlein, Bruno Arnold, Kordula Geier, Ludwig Knoll und Robert Haller.
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Es klingt zunächst widersprüchlich: Ausgerechnet der Verband der Prädikatsweingüter (VDP) schafft die Prädikate bei Wein ab. Kabinett, Spätlese und Auslese gibt es zumindest bei trockenen Weinen nicht mehr. Stattdessen sollen künftig in einer vierstufigen Qualitätspyramide die besten Weinlagen für die besondere Qualität der VDP-Weine stehen.

In Würzburg traten jetzt Vertreter namhafter VDP-Weingüter in Franken vor die Presse, um ihren Weg in die Zukunft zu erläutern. Weingutsleiter Robert Haller vom Bürgerspital Würzburg wies darauf hin, dass es um die neue Klassifikation schon seit acht Jahren im Verband gärt. Nun soll sie binnen zweier Jahre umgesetzt sein. Haller betonte, dass die Neuregelung von allen 28 VDP-Weingütern in Franken getragen werde. Einige Elemente der neuen Klassifikation wie die Großen Gewächse oder die Gutsweine seien schon vor Jahren eingeführt worden.

„Diese neue Vierstufigkeit wird schmeckbar sein.“
Kordula Geier, Verkaufsleiterin Weingut Juliusspital Würzburg

Für den Verbraucher bedeutet die neue Klassifikation, dass er in den beiden unteren Kategorien „Gutswein“ und „Ortswein“, die rund 70 Prozent beim Weinabsatz ausmachen, auf die Angabe einer Weinlage verzichten muss. Beim Gutswein kann die Rebsorte gegebenenfalls mit Jahrgangsangabe und dem Zusatz „trocken“ stehen, es gibt aber keinen Hinweis auf seine Herkunft. Die Trauben können also in ganz Franken geerntet und gemischt worden sein. Beim Ortswein wird zwar der Ort genannt, in dem Trauben geerntet wurden, aber keine Einzellage.

Lagennamen kommen erst in der dritten Kategorie „Erste Lage“ ins Spiel. Es sind gehobene Weine, die im alten System mindestens Spätlesequalität aufgewiesen hätten. An der Spitze schließlich stehen die Großen Lagen mit ihren Großen Gewächsen, bei denen nur klassische Rebsorten wie Riesling, Silvaner, Burgunder oder Traminer vertreten sein können. Weil nur die besten Lagen für die Spitzenweine verwendet werden, verschwinden viele Lagen wie der „Würzburger Pfaffenberg“ ganz aus dem Sprachgebrauch der VDP-Weingüter.

Die VDP-ler sind überzeugt, mit dieser „Ausdünnung“ auf dem richtigen Weg zu sein. „Diese neue Vierstufigkeit wird schmeckbar sein“, versichert Kordula Geier, Verkaufsleiterin des Weingutes Juliusspital Würzburg. Winzer Armin Störrlein aus Randersacker weist darauf hin, dass dieses System international sei und ein einfaches Modell, um Menschen leichter zur Qualität zu bringen. 40 Jahre habe man zu sehr in Öchslegraden gedacht und die Individualität der Lage zu wenig herausgestellt. „Wir müssen der Spätlese nicht nachtrauern, wir haben sie schon vor fünf Jahren abgeschafft“, sagt der Würzburger Winzer Ludwig Knoll. Bei Lagenangaben könne sich der Verbraucher darauf verlassen, dass die Weine nur aus den besten Stücken kommen, die auf die Parzelle genau festgeschrieben seien.

Die Randersackerer Winzer Bruno Arnold und Martin Schmitt vom Weingut Schmitt's Kinder sind sich sicher, dass „unsere Botschaft weltweit verstanden und von jungen Leuten schnell angenommen wird“.

Von unserem Redaktionsmitglied

Herbert Kriener

    
    

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»Alle 13 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

fuez (1 Kommentare) am 01.03.2013 22:15

Olaf77 hat`s kappiert

Na endlich einer, der es auf den Punkt bringt. Das neue System des VDPs ist längst überfällig und macht sich die Vorzüge der international bewährten Bezeichnungen zu eigen.
Je enger die Herkunft desto besser der Wein. Wird Zeit, dass man endlich mal über den fränkischen Tellerrand hinaus schaut. - Weiter so!
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grayjohn (3504 Kommentare) am 04.03.2013 11:06

He Mann - @ fuez

wenn ich über meinen fränkischen Tellerrand rausgucken will, ist das kein Problem. Ich hab aber was dagegen, dass jemand für mich über den Tellerrand rausschaut und mir das etikettenmäßig verschweigt! Wenn ich nämlich damit rechnen muss und keine Lust hab jede Abzocke mitzumachen, ist die Konsequenz klar. Und wenn das noch mehr Leuten so geht wie mir, kommt es wahrscheinlich bald mal wieder zu einer Rabattschlacht, die dem Frankenwein als Marke am allerwenigsten gut tut. Aber man kann/ muss es ja mal probieren...

Am besten ich such mir einen Winzer dem ich vertrauen kann und der selber vermarktet, dann kann der Rest machen was er will. Aber vielleicht gibt es ja genug "Preußen", denen man ggf. sogar "Ochsenfurter Sonne" noch schweineteuer als Prädikatswein verkaufen könnte...
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olaf77 (1 Kommentare) am 01.03.2013 17:54

Gerade das Gegenteil ist doch der Fall.

Ein mutiger Schritt in eine ehrliche Bezeichnung. Wenn man sich mit der Thematik intensiver beschäftigt und das Problem der überdehnten Einzellagen, fragwürdigen Großlagen oder auch die Bezeichnungen der Prädikate z. B. Kabinett mit 13 oder 14,5 % vol anschaut, ist das eine absolut gute Konsequenz und eine ehrliche Rückführung aufs Wesentliche. Im übrigen hat der VDP schon immer auf verbrauchertäusch Großlagen verzichtet, die enge Einzellagen suggerieren, aber aus oftmals 6 – 8 versch Ortschaften stammen können, ich würde ihm keine schnelle Mark vorwerfen. Und wenn man die vorherigen Kommentare liest, sieht man ja wie einfacheres Weinverkaufen scheinbar läuft. Wichtiger wäre den eigenen Geschmack zu schulen, denn eine Lage /Prädikate alleine oder goldige Auflkleber sind wohl kaum Qualitätsgaranten. Wenn Orientierung dann wohl das Weingut und die Fähigkeiten, eine entsprechende Lage überhaupt authentisch auf die Flasche zu bekommen. In diesem SinnePROST gerneauch mit einemGutswein;
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kultor (6 Kommentare) am 01.03.2013 11:54

ich werde jetzt zum Biertrinker

Bisher kaufe ich meinen Wein beim Winzer. Mir war auch beim "einfacheren" Wein wichtig zu wissen welche Lage, welcher Jahrgang und welche Traube ich kaufe. Ich will es schmecken - die Traube, den Boden und die Sonne und ...! Dafür bezahle ich auch mehr als 1,95 beim Discounter. Aber ich will es auch von den kleinen Winzern wissen - da liegt die Vielfalt, nicht bei den Genossenschaften.
Da kann ich gleich den chemisch zerlegten mit Holzspänen barickierten, immer gleich schmeckenden Califorischen Wein kaufen. Wo ist der Unterschied. -> ich werde zum Biertrinker!
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Laeufer61 (682 Kommentare) am 01.03.2013 11:33

Na, da bekommt ja der "Magische Aussichtspunkt" am Stein...

...unerwartet eine neue Bedeutung: In Zukunft kann dann gepanschter Wein aus ganz Franken (Ist das denn noch sicher?) an diesem Platz getrunken werden und man bekommt den magischen Eindruck vom Würzburger Stein-Wein zwinkern
Ansonsten kann ich meinen Vorrednern nur zustimmen. Der Verbraucher wird von den Geschäftemachern nur noch dumm gehalten. Hauptsache er zahlt für die "gute Marke". Wozu muß er denn dann noch wissen woher der Wein kommt? - beim Fleisch geht's doch auch... traurig
(Und Heute schon wieder ein Oberhammer mit vergiftetem Viehfutter!)

MfG
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