publiziert: 03.02.2012 17:33 Uhr
aktualisiert: 03.02.2012 17:58 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text OSTHEIM VOR DER RHÖN
Neuer Bionade-Chef Schütz: Ja zur Region

Der alleinige Geschäftsführer von der Radeberger-Gruppe im Interview

Nach der Komplett-Übernahme von Bionade durch Radeberger hat sich der neue Bionade-Chef für den Firmenstandort Ostheim/Rhön ausgesprochen.

  • Fühlt sich in der Rhön zuhause: Bionade-Geschäftsführer Christian Schütz.
    Foto: Susanne Seufert
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Die Führungs-Troika bei Bionade in Ostheim vor der Rhön (Lkr. Rhön-Grabfeld) ist auseinander gebrochen. Die Kowalsky-Brüder Peter und Stephan von der Gründerfamilie haben sich mit dem Verkauf ihrer Anteile an die Radeberger-Gruppe aus der Unternehmensführung zurückgezogen. Das alleinige Sagen bei Bionade hat seit dem 1. Februar nun der ehemals „Dritte im Bunde“, Christian Schütz. Er war von der August Oetker KG – zu der Radeberger gehört – nach dem Einstieg bei Bionade 2009 zum Finanzchef bestellt worden. Wie es bei dem Hersteller der Kult-Brause unter seiner Führung weitergeht, erläutert Christian Schütz im Interview mit unserer Redaktion.

    
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Frage: Was bedeutet der kleine Standort Ostheim vor der Rhön einem global agierenden Unternehmen wie der Radeberger-Gruppe?

Christian Schütz: Das müssten Sie doch eigentlich die Radeberger-Gruppe fragen. Denn ich bin ja Geschäftsführer hier vor Ort in Ostheim und damit Teil dieses „kleinen Standortes“ – und kann nicht für die Gruppe sprechen. Aber wieder zurück zu Ihrer Frage: Die Radeberger Gruppe lebt ja gerade die Regionalität wie keine andere Unternehmensgruppe. Die Gruppe vereint verschiedenste Standorte, die zwar an bestimmten Stellen von zentralen Leistungen und Vorteilen profitieren können, ansonsten aber in der Region und aus der Region heraus arbeiten. Und das sind mal größere Standorte, wie in Berlin oder Radeberg, aber manchmal auch kleine, zum Beispiel in Selters, Augsburg, dem Allgäu oder eben Ostheim. Die Radeberger Gruppe kann beides – und das zeichnet sie aus. Der Standort Ostheim ist daher genauso wichtig für die Gruppe wie jeder andere – er hat sogar noch einen entscheidenden Vorteil: Er ist der einzige, an dem wir Bionade brauen können – und wollen. Man braucht uns also in der Radeberger-Gruppe.

Ist der Standort Ostheim möglichen Expansionsplänen überhaupt gewachsen?

Schütz: Im Moment geht es uns nicht um riesige Expansionen: Wir wollen die Marke weiter stabilisieren – da sind wir bereits auf einem guten Weg. Nun geht es darum, diesen Weg konsequent, mit Ruhe und Besonnenheit, Schritt für Schritt, weiterzugehen. Wir freuen uns über die positiven Signale, die wir seit dem letzten Jahr aus dem Markt bekommen – das stimmt uns zuversichtlich und motiviert uns.

Ist Bionade als teure Premiummarke zukunftsfähig oder muss sie den Weg zu den Discountern gehen, was einige Beobachter befürchten?

Schütz: Diese „Befürchtung“ verstehe ich nicht: Bionade ist im vergangenen Jahr vor allem im klassischen Lebensmitteleinzelhandel gewachsen. Wir werden bei den Vertriebswegen keine grundsätzlichen Schwerpunktverlagerungen vornehmen. Allerdings war es doch schon die Ursprungsidee bei der Entwicklung von Bionade, eine gesunde Alternative für Viele zu schaffen. Und dazu müssen wir eben dort hingehen, wo unsere Verbraucher sind. In der Gastronomie – und im Handel.

Die Familie Kowalsky/Peter-Leipold hat immer eine besonders enge Beziehung zur Rhön und zum Biosphärenrerservat gepflegt, man war ja viele Jahre eine Schicksalsgemeinschaft. Warum sollte man in Frankfurt oder Bielefeld diese Region weiter so wertschätzen?

Schütz: Weil die Rhön – und unser Standort hier in Ostheim – es wert sind und weil wir wichtige Rohstoffe hier aus der Region beziehen.

Das große Bionade-Projekt vom Biolandbau Rhön ist auf viele Jahre nicht gefährdet?

Schütz: Warum sollte es gefährdet sein? Das Produkt wird sich nicht – ebenso wenig wie die Marke oder das Unternehmen – verändern. Bestehende Partnerschaften mit den Landwirten hier vor Ort werden selbstverständlich fortgeführt, wir werden weiterhin dieselben hochwertigen und nachhaltig angebauten Rohstoffe benötigen und sie von unseren langjährigen bewährten Partnern hier in der Rhön beziehen.

Welche Pläne gibt es bei Bionade für ökologische und pädagogische Projekte im Biosphärenreservat?

Schütz: Wir werden in diesem Jahr zum einen den Bau von Nisthilfen für Insekten mit unterstützen, zum anderen begleiten wir das Projekt „Unternehmen Biosphärenreservat“. Hierbei handelt es sich um einen Erlebnistag für Schulklassen. Darüber hinaus wird das Projekt „Klasse! Vom Feld in die Flasche“ – Lehrmaterialien für Schulen rund um das Thema nachhaltige Entwicklung und Umweltbildung – fortgeführt und weiter ausgebaut.

Vor wenigen Jahren hat Peter Kowalsky noch den Schritt über den großen Teich angekündigt. Was ist daraus geworden?

Schütz: Da knüpfe ich wieder bei meinem Punkt „Besonnenheit“ an: Wir machen erst einmal unsere Hausaufgaben hier in der Region und in Deutschland – und wenn wir das alles erledigt haben, dann können wir über die nächsten Entwicklungsmöglichkeiten nachdenken. Wir machen einen Schritt nach dem anderen.

2015 laufen die Patente für das Bionade-Rezept aus, ein Jahr später die Markenrechte. Hat man vor diesem Datum Angst in Ostheim?

Schütz: Nein, haben wir nicht.

Sie selbst leben seit dem Eigentümerwechsel in der Region. Was bedeutet Ihnen die Rhön seitdem?

Schütz: Ich lebe seit Februar 2010 mit meiner Familie in Bad Kissingen. Meine Kinder wachsen hier auf – und meine Familie sieht diese Region als ihr Zuhause an. Für mich und meine Familie war es eine gute und richtige Entscheidung, nach vielen Jahren in der Großstadt, hier her zu ziehen. Wir fühlen uns hier sehr wohl.

Das Gespräch führten Gerhard Fischer und Georg Stock
    
    

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