publiziert: 26.11.2012 18:32 Uhr
aktualisiert: 26.11.2012 20:29 Uhr
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Polizeihund attackiert sechs Kinder

Nürnberger Ermittler erheben schwere Vorwürfe gegen Hundeführerin
  • Foto: DPA
    Ein Polizeihund sitzt auf diesem Archivbild aus dem August in der Diensthundeschule in Altengamme. Bei dem Hund im mittelfränkischen Polsdorf handelte es sich um einen zwei Jahre alten belgischen Schäferhund.
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Er sollte zum Polizeischutzhund ausgebildet werden – ausgerechnet er wurde am Sonntag sechs spielenden Kindern im mittelfränkischen Polsdorf (Lkr. Roth) zum Verhängnis. Anscheinend von dem lauten Gejohle der Buben und Mädchen angezogen, fiel der freilaufende Rüde „Cabil“ die auf einer Pferdekoppel tobenden Fünf- bis Neunjährigen an, biss ihnen in Oberschenkel und Hüften und verletzte zwei von ihnen schwer. „Ein Bub und ein Mädchen wurden auch heute noch im Krankenhaus behandelt“, berichtete der stellvertretende Nürnberger Polizeipräsident, Roman Fertinger, am Montag sichtlich betroffen. Gegen die für den zwei Jahre alten belgischen Schäferhund verantwortliche 41-jährige Polizistin läuft nun ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Zu den Details der Biss-Attacke wollte sich Fertinger mit Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern. „Es ist durchaus möglich, dass das Getobe der Kinder bei dem Hund eine Art Schlüsselreiz ausgelöst hat“, spekulierte Fertinger und räumte ein, dass sich „Cabil“ zum Unglückszeitpunkt von seiner Diensthundeführerin weit entfernt hatte. Ein Umstand, der für Fertiger allein Grund genug ist, am korrekten Verhalten der Beamtin zu zweifeln.

Ein junger Hund wie „Cabil“, der erst eine Vorprüfung bestanden hat, aber noch nicht die anschließende Schutzhundeprüfung, müsse „zu jeder Zeit an der Hand geführt werden“, erläuterte der Leiter der Diensthundestaffel der mittelfränkischen Polizei, Norbert Hofmayer. Für Fertinger besteht ein „Anfangsverdacht“, dass die Polizistin gegen Dienstvorschriften verstoßen hat.

Betroffen von dem Vorfall zeigte sich auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Er bedauerte die Beißattacke und entschuldigte sich bei den Eltern der Kinder für den Vorfall. „Wir haben bei der Polizeihundeausbildung ganz klare Regeln, um solche Vorfälle zu verhindern“, betonte der Minister. „So etwas darf nicht passieren.“ Er habe den Eltern zugesagt, den Vorfall vorbehaltlos aufzuklären. Bis dahin werde die Beamtin nicht mehr in der Polizeihundestaffel Dienst tun. Sie werde in einem anderen Bereich eingesetzt, kündigte Herrmann an.

Nach Fertingers Angaben gehört die 41-Jährige seit neun Jahren der Polizeihundestaffel an. „Cabil“ sei ihr zweiter Hund gewesen. „Sie gilt als sehr professionell“, betonte Fertinger. Der Rüde war seit acht Monaten in ihrer Obhut und wurde seitdem von ihr auf die Schutzhundeprüfung vorbereitet; diese hätte in zwei Wochen angestanden.

Das weitere Schicksal des von einem deutschen Züchter erworbenen Rüden sei derzeit noch unklar. Derzeit überprüfe ein Sachverständiger das Wesen des Hundes. Es sei nicht auszuschließen, dass der Rüde eingeschläfert wird. Er befindet sich zurzeit im zentralen Zwinger der Nürnberger Polizei.

lby
    
    

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»Alle 10 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

lobi (422 Kommentare) am 30.11.2012 08:34

Liebe MP-Redaktion

haben Sie schon neue Recherchen?
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lobi (422 Kommentare) am 29.11.2012 15:52

gibt es weitere Recherchen zur Polizeihundattacke?

Bei "Kampfhunden" gäbe es die.
Bekommen Hundehalter wie in neuestem Bericht vom 27.11.12 beschrieben im Falle einer "Halterflucht" ähnlich wie Fahrerflüchtige eine Strafanzeige?
Gerade Beamte im Polizeidienst sollten doch um Ihrer Verantwortung ihrer Position in der Öffentlichkeit wissen, oder?
Ob Plüschteddies vom Chef der "Tante" Hundeführerin eine Strafverfolgung oder "Dienstaufsichtsbeschwerde" egalisieren?
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SICHERHEITSDIENST (99 Kommentare) am 27.11.2012 19:09

Bei einem "Beißunfall" ist immer der Tierhalter schuld

Jeder Halter eines Tieres ist voll und ganz für sein Viech verantwortlich. Egal ob es ein Pferd ist, das ausgebüxt ist und einen schweren Autounfall verursacht, irgendwas gefräßiges aus dem Dschungel oder der Steppe oder eben "einfach nur" ein Hund.
Der stammt nun mal vom Wolf ab und jeder Hund kann gefährlich sein.
Das ist genetisch so festgelegt und nicht zu ändern.
Es gibt Rassen da ist es unwahrscheinlich das so etwas passiert, andere Rassen wurden mit der Grundlage aggressiv zu sein aus dem Urtier gezüchtet.
Da nutzt auch die beste Hundeausbildung nichts.
Natürlich ist es unverantwortlich einen relativ jungen unausgebildeten Hund unbeaufsichtigt zu lassen. Auch wenns unpopulistisch klingt: der Hund wollte wahrscheinlich "mitspielen".
Und ich glaube nicht das es wenig Konsequenzen gibt.
Da kommt sicherlich einiges ua. zivilrechtlich an Schmerzensgeldforderungen auf die Dame zu.
Für sog. Kampf-Köter, z.B. aus dem anderen Artikel, halte ich jedoch auch die 1€ Lösung für angebracht.
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juergenjarr (8 Kommentare) am 27.11.2012 19:57

Publizistisch gesehen.....

.... habe ich das Gefühl, der "Völkische Beobachter" hält Einzug.
Die 1€ Varianten lässt tief blicken......... ....
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chikofidel (30 Kommentare) am 27.11.2012 10:25

Das Verhalten von Hunden wird Konditioniert!

Ein Hund verhält sich immer, außer er ist krank, so wie er konditioniert/ausgebildet/erzogen wurde. Wenn der Polizeihund ausgebildet wurde auf ein bestimmtes Verhalten von Menschen mit Angriff zu reagieren, ist das genau das Verhalten, in welchem er konditioniert wurde. Ihn deshalb einzuschläfern, wäre nicht im Sinne des Tieres, weil es mutmaßlich seiner Konditionierung entsprochen hat. Die verantwortliche Hundeführerin wäre hier zu verantworten.
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