publiziert: 04.04.2013 18:48 Uhr
aktualisiert: 05.04.2013 08:28 Uhr
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Prozess um Giftanschlag mit Engelstrompete: Ehefrau des Opfers sagte aus

Putzfrau war „eifersüchtig“
  • FotO: dpa
    Vorgeführt: Polizisten bringen die Angeklagte in den Gerichtssaal.
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Deutlich kleinlauter als am ersten Prozesstag präsentierte sich eine 50-Jährige vor dem Würzburger Landgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft der Putzfrau vor, sie habe im November 2011 versucht, ihren Liebhaber, einen Würzburger Arzt, und dessen Freundin mit dem Gift der Engelstrompete zu töten. Das Paar, das heute keines mehr ist, überlebte den Anschlag.

Es sind verworrene Verhältnisse, die das Gericht aufdröseln muss. Als die Angeklagte von der Patientin zur Geliebten des Arztes wurde, waren beide verheiratet. Der 69-Jährige ist es heute noch. Die Putzfrau ist inzwischen geschieden und sagt von sich, dass sie nun eine Frau heiraten wolle.

Ganz offensichtlich war die 50-Jährige nicht die einzige Geliebte des Mediziners. Seine Ehefrau, die betont, dass sie trotz Trennung von Tisch und Bett in Harmonie mit dem Gatten lebe, schildert die Angeklagte im Zeugenstand als „eifersüchtig“. So habe die 50-Jährige sich bei ihr beklagt, dass der Arzt sie nicht liebe. Dann erzählt sie, dass die Putzfrau bei einem gemeinsamen Essen gesagt habe, sie wisse, wie man sich ungeliebter Partner entledigen könne, ohne Spuren zu hinterlassen. In russischen Internetforen gäbe es die entsprechenden Anleitungen.

Der 19-jährige Sohn der Angeklagten berichtet dem Gericht, dass seine Mutter im Lauf der Jahre mehrmals bei dem Arzt ein- und wieder ausgezogen sei. „Sie hat mir gesagt, dass er sich entscheiden soll, ob er mit ihr zusammen sein will oder mit anderen Frauen“, sagt der junge Mann. Er erzählt auch, dass seine Mutter verärgert gewesen sei, als sie den Mediziner mit einer dunkelhäutigen Frau im Bett erwischt hatte.

Tatsache ist, dass das Kaffeewasser des Arztes und seiner damaligen Freundin mit dem Gift der Engelstrompete versetzt war. Der Mediziner, der am Morgen des Anschlags rund einen Liter Kaffee getrunken hatte, wurde bewusstlos. Seine damalige Freundin, eine Lehrerin, hatte weniger getrunken, ihre Vergiftungserscheinungen waren leichter. Beide Opfer mussten stationär behandelt werden. Nach seiner Entlassung aus der Klinik hatten der Arzt und die pflanzenkundliche Putzfrau wieder Sex.

Die Angeklagte bestreitet den Giftanschlag und weist alle Vorwürfe von sich. Ein Verhalten, das den Vorsitzenden Richter zu einem Hinweis veranlasst: „Es ist Ihre Entscheidung, wie Sie sich verteidigen“, sagt er zu der 50-Jährigen, „aber Sie sollten sich mit Ihrem Verteidiger beraten, ob Ihre Strategie die richtige ist.“

Der Prozess wird am kommenden Donnerstag fortgesetzt.

Von unserem Redaktionsmitglied Gisela Schmidt
    
    

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