publiziert: 25.03.2013 19:12 Uhr
aktualisiert: 19.12.2013 14:24 Uhr
» zur Übersicht Franken
    
    
Artikel
 
    
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text WÜRZBURG
Schulhündin Mischka: Sie hilft Kindern beim Lesenlernen

Die Schulhündin: Sie hilft Kindern beim Lesenlernen und stärkt das Verantwortungsbewusstsein. Aufgaben fallen leicht und Regeln sind kein Problem, weil das Tier für gute Gefühle sorgt.

  • Fotos: Carolin Münzel
    Treue Begleiterin: Grundschullehrerin Christine Baunach bringt Mischlingshündin Mischka jeden Tag mit in die 2b der Goethe-Keppler-Grundschule in Würzburg.
  • Heiß begehrt: Am liebsten würden alle 26 Schüler der 2b mit Mischka auf dem Teppich kuscheln. Aber in jeder Stunde wählt Lehrerin Christine Baunach nur die aus, die ihr im Unterrichts besonders positiv aufgefallen sind.
  • Foto: Carolin Münzel
    Tief entspannt: Schulhündin Mischka genießt es sichtlich von Leonie gestreichelt zu werden. Die Entspannung des Hundes soll sich auf die Kinder übertragen.
  • Foto: Münzel
    Auf dem Weg zur Arbeit: Jeden Tag gehen Lehrerin Christine Baunach und ihre Mischlingshündin Mischka gemeinsam in die Schule.
Bild von
5 Bilder

Lärmend poltern die Zweitklässler der Goethe-Keppler-Grundschule, Würzburg, die Treppe des Schulhauses nach oben. Die Wangen von der frischen Luft gerötet, noch übermütig vom Spielen auf dem Pausenhof. Vor ihrem Klassenzimmer bremsen sie ab, werden leise und öffnen behutsam die Tür. Sie wissen, dass ihre Schulhündin „Flecki“ zu viel Trubel nicht mag.

„Fleckis“ richtiger Name ist „Mischka“. So wird sie von Frauchen und Lehrerin Christine Baunach und deren Familie genannt. Aber nachdem 26 Kindermünder ständig Mischka riefen, allerdings keinen Befehl folgen ließen, gehorchte der Hund irgendwann nicht mehr aufs Wort. „Ich habe in den Sommerferien gemerkt, dass sie auf ihren Namen nur noch schlecht reagiert und beschlossen, sie von den Schülern anders nennen zu lassen“, erklärt Baunach. Und so wird aus Mischka in den Vormittagsstunden Flecki.

Gerade holen die Kinder ihre gelben Schreibhefte heraus und beginnen eine Rechtschreibübung. Mischka liegt auf ihrer weißen Kunstfelldecke neben dem Platz von Greta, die an diesem Tag gemeinsam mit Philipp Hundedienst hat. Das bedeutet, dass sie morgens mit dem Hund spielen und ihn dann auf seinen Lieblingsplatz, eine blaue Couch im hinteren Teil des Klassenzimmers, bringen dürfen. Jeden Tag sind zwei andere Kinder mit dem Dienst an der Reihe. Sie sollen dafür sorgen, dass Mischka nicht zu viel gestreichelt wird und keinem unerträglichen Lärm ausgesetzt ist. Wenn es zu laut wird, bringen sie sie ins Direktorat.

Den Kindern gefällt es natürlich gar nicht, wenn Mischka weg ist, und so sorgt die Hündin indirekt dafür, dass der Lärmpegel nicht zu hoch wird. Durch den Hundedienst würden die Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen, sagt Baunach. Anhand von Mischka kann die Lehrerin ihren Schülern zeigen, was es bedeutet, ein Haustier zu besitzen und es zu versorgen.

Inzwischen haben die Kinder ihre Rechtschreibübung beendet und arbeiten an ihrem Wochenplan, für den es verschiedene Schreib-, Rechen- und Leseaufgaben zu erfüllen gibt. Mischka wurde von Greta auf die Couch zurückgebracht. Dort liegt sie, die kleine Schnauze in die weiche Decke vergraben, die Augen halb geschlossen. Ihre weiß-grau gesprenkelten Pfoten liegen entspannt unter ihrem Kopf.

Leonie, die ihren Wochenplan zuerst fertig hat, darf zur Belohnung neben Mischka auf die Couch und ihr etwas vorlesen. Liebevoll streichelt sie die Hundedame, die sich auf den Rücken dreht und genüsslich alle Viere von sich streckt. „Ich finde es schön, dass sie hier ist und möchte furchtbar gerne selber einen Hund“, sagt die Siebenjährige. Sie hat sich unheimlich angestrengt, ihren Wochenplan so schnell wie möglich fertig zu bekommen, damit sie Mischka etwas vorlesen kann.

„Der Hund motiviert die Kinder“, erklärt die Lehrerin. Nicht nur dazu, Aufgaben zu erledigen, sondern auch Regeln einzuhalten. Wer beispielsweise statt mit Hausschuhen mit Straßenschuhen in die Klasse kommt, darf am Ende der Stunde nicht mit dem Hund auf dem eigens dafür ausgerollten Teppich liegen. Mischka motiviert die Kinder auch zu mehr Bewegung, wenn sie beispielsweise an Wandertagen mit ihnen um die Wette springt.

Eine ihrer wichtigsten Aufgaben, so Baunach, sei aber die eines Lesehundes. Kinder, die beim Lesen Probleme haben, entspannen sich, wenn sie statt einem Menschen der Hündin etwas vorlesen. Sie verbinden das positive Gefühl, das sie beim Zusammensein mit dem Hund haben, fortan mit dem Lesen und steigern so ihre Leistung.

Eine spezielle Ausbildung für ihren Schuldienst bekam Mischka übrigens nicht. Zwar hat sie die Begleithundeprüfung abgelegt, ansonsten ist sie aber offenbar ein Naturtalent. Ihre Karriere begann, als Frauchen sie zu einem Elternabend mitnahm. Die Väter und Mütter waren so angetan von dem Tier, dass sie Christine Baunach aufforderten, den Hund mit in den Unterricht zu nehmen. Nachdem die Genehmigung der Schulleitung eingeholt worden war, wurden Eltern und Kinder auf den Einsatz von Mischka vorbereitet. Dazu kam Hundelehrerin Hanne Dahl, die Mischka für die Begleithundeprüfung ausgebildet hatte, ins Klassenzimmer. Gemeinsam mit den Kindern erarbeitete sie Hygienegrundsätze sowie grundsätzliche Regeln für den Umgang mit dem Hund. Zudem haben Baunach und andere Schulhundeführer eine freiwillige Selbstverpflichtung unterschrieben, in der beispielsweise festgelegt ist, dass sie „regelmäßig am Austausch zur hundegestützten Pädagogik in speziellen Weiterbildungen oder mit qualifizierten Vereinen Hundeschulen, Arbeitskreisen oder Fachleuten“ teilnehmen.

Inzwischen ist die neunjährige Mischka seit sieben Jahren im Dienst. Wie lange sie sie noch mit zur Schule bringen kann, weiß die Lehrerin nicht. Es gebe Tage, an denen der Vierbeiner keine Lust habe, mitzukommen. „Dann steuert sie morgens nach dem Gassi gehen gleich aufs Haus zu und ich weiß, dass sie lieber daheim bleiben will. Da lasse ich sie dann auch in Ruhe“, sagt Baunach. Solche Momente sind allerdings selten.

Die meiste Zeit verbringt Mischka nach wie vor mit ihrem Frauchen in der Schule und sorgt dort für strahlende Gesichter. Baunach streichelt der Hündin, die sie im Oktober 2005 aus dem Tierheim geholt hat, liebevoll über den Kopf und sagt: „Es ist unglaublich, wie viel Freude dieser griechische Straßenhund den Menschen schon gebracht hat.“

Hunde in der Schule

Christine Baunach hat Mischka im Oktober 2005 aus dem Tierheim geholt. Seit 2006 ist die Hündin regelmäßig in den Grundschulklassen der Lehrerin an der Würzburger Goethe-Keppler-Schule dabei. Sie ist Lesehund, Spielgefährte und Lärmindikator. Zudem animiert sie die Schüler, sich mehr zu bewegen, stärkt emotional und fördert das Verantwortungsbewusstsein. Als Baunach anfing, ihren Hund mit in die Schule zu bringen, gab es noch wenig Literatur zum Thema Schulhunde. Inzwischen ist das Angebot gewachsen. Zahlreiche Studenten haben sich schon an die Lehrerin gewandt, weil sie Arbeiten über tiergestützte Pädagogik schreiben wollten. Sogar eine Diplomarbeit ist zu dem Thema verfasst worden. Zusammen mit anderen Lehrern, die Hunde besitzen, hat Baunach den Arbeitskreis Schulhunde in Bayern gegründet.

ONLINE-TIPP

Die Serie „tierisch!“ stellt Themen rund um Mensch und Tier vor. Parallel dazu können Sie bei unserem Haustier-Fotowettbewerb unter anderem ein iPad-Mini gewinnen. Infos zum Gewinnspiel und alle bisherigen Artikel der Serie finden Sie auf www.mainpost.de/tierisch Mit den Autoren diskutieren können Sie auf www.facebook.com/haustierisch

 Carolin Münzel

Carolin Münzel

» Über den Autor
    
    

Diesen Artikel

Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

Die neuesten Kommentare

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist abgelaufen. Sie können daher keine Beiträge zu diesem Artikel verfassen.
    
Anzeige
Anzeige

Zeichen setzen 

Förderpreis für
engagierte Bürger
Lesen Sie alles über den Preis und machen Sie Vorschläge, wer ihn bekommen soll. »mehr

Prospekte

 

Beilagen