aktualisiert: 11.05.2009 21:23 Uhr
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Skateboarder Max Langhans und seine halsbrecherische Besessenheit
Talent auf vier Rollen
Kurzer Antritt, schneller Sprung und dann fängt die Kunst an: Wie ein Seiltänzer sieht Max Langhans aus, wenn er auf einem Aluminium-Geländer sein Skateboard ausbalanciert. In diesen wenigen Sekunden, in denen er dieses Geländer auf einem Holzbrett hinunter rutscht, schießt das Adrenalin unkontrolliert durch seine Venen. Schließlich setzt er zur Landung an – geschafft.
Solche Filme spult der 16-jährige Skater ab, wenn er durch die Straßen Würzburgs fährt. Ein Skater sieht die Stadt mit anderen Augen. Jeder erhöhte Bordstein, jedes Geländer und jede Treppe sind eine potenzielle Herausforderung. Überall Möglichkeiten, um Grinds, Flips und Grabs zu machen. Beim Grinden rutscht Max mit seinem Skateboard irgendwo runter; wenn er einen Flip macht, dann lässt er es sich unter seinen Füßen drehen und beim Grab muss er während eines Sprungs an das Board greifen.
Die meisten Normalbürger können mit diesen Begriffen schon wenig anfangen, aber wenn sie Max und seine Kumpels dabei beobachten, wie sie Treppengeländer einwachsen, um schließlich mit dem Skateboard hinunter zu grinden, sind die Toleranzgrenzen meist schon strapaziert. Diese werden vollends überschritten, wenn die Skater nach gelungenen Tricks wieder auf dem Asphalt landen. Das ist meist sehr laut, weswegen hier der Spaß bei den Anwohnern aufhört. Dann fallen leicht Worte wie „Vandalen“ oder „Unruhestifter“. Als Skater hat man es nicht leicht.
Doch davon lässt sich der 16-jährige Max Langhans, der seit fünf Jahren skatet, nicht beeindrucken. Seine Leidenschaft ist viel zu groß, als dass er sie wegen erzürnter Anwohner aufgeben würde. Dabei geht es ihm weder um Sponsorenverträge noch darum, Mädchen zu beeindrucken. Er will nur fahren und Tricks machen. Sonst nichts. „Ich mache eigentlich immer die Tricks, die ich nicht so gut kann“, erzählt er. Im Moment sind das die Hard-Flips, aber die beherrsche er auch immer besser. Bei Hard-Flips dreht sich das Board unter den Füßen um 360 Grad. Nur an Grabs könnte er verzweifeln. Dabei würde er sie so gerne können.
Der junge Skater ist eine Nachwuchshoffnung in der deutschen Szene. Im vergangenen Sommer gewann er ein paar kleinere Wettbewerbe, sogenannte Contests in der Umgebung. Aber auch sonst landet er meist auf den vordersten Rängen. Der Blowout-Skateshop in Würzburg ist derzeit sein Sponsor. Bei seinem Boardverschleiß ist das auch notwendig. Max braucht alle vier Wochen ein neues Deck. Das ist das Holzbrett, auf dem die Achsen und Rollen befestigt werden. Vor kurzem wurde er im „Limited Skateboarding Magazine“ der deutschen Skate-Szene vorgestellt, was das Prestige-Konto eines jeden Skaters aufwertet.
Doch es gibt auch Schattenseiten seiner Leidenschaft. Sie bricht ihm im wahrsten Sinne des Wortes das Rückgrat. Schon im Alter von 16 hat Max Langhans Knie- und Rückenbeschwerden und eine lange Verletzungsliste: Bruch des Handgelenks und des Sprunggelenks, Gehirnerschütterungen und Platzwunden. Einmal musste er mit einer mittelstarken Gehirnerschütterung für zwei Tage ins Krankenhaus. Er war bei einem Skate-Contest in Schweinfurt frontal mit einem Kumpel beim Fahren zusammengestoßen. Den Rest des Tages fuhr er sogar noch mit Gehirnerschütterung weiter, bevor er am Abend zusammenklappte.
Seine Mutter macht sich große Sorgen um seine Gesundheit, aber in diesem Punkt gibt sich Max resolut und unnachgiebig: „Solange ich laufen kann, werde ich Skateboard fahren. Das mit den Knochen ist mir egal“, sagt er. Aber in Wirklichkeit will er gar nicht so genau wissen, was mit seinen Knochen ist, vielleicht wegen einer bösen Vorahnung. Sein Arzt jedenfalls hält ihm keine Moralpredigten. „Er ist sogar ein bisschen fasziniert von dem, was ich mache und deswegen auch sehr locker“, sagt der 16-Jährige.
Noch kann er laufen. Und so ist es egal, ob er im Winter unter Brücken oder im Sommer unter freiem Himmel auf den Skateplätzen der Region seine Tricks machen wird – Max bleibt untrennbar mit seinem Board verbunden und wenn nicht unter den Füßen, dann doch wenigstens unter dem Arm. Immer auf der Suche nach dem nächsten Geländer, dass er einwachsen und grinden kann.
Online-Tipp
Alle Porträts der Serie auf www.mainpost.de/portraetserie
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