aktualisiert: 03.07.2009 19:05 Uhr
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SCHWARZENBRUCK
Spielplatz des guten Gewissens
Elektro-Motocross: Schwarzenbruck lockt zum ökologisch korrekten Fun-Sport
Motocross stinkt, ist laut und verschmutzt die Luft – deshalb gehen Anwohner, Umweltschützer und Gemeinderäte gewöhnlich auf die Barrikaden, wenn jemand eine Strecke eröffnen will. In Schwarzenbruck, 20 Kilometer südlich von Nürnberg, ist das anders. Dort öffnet heute Nordbayerns erste Cross-Strecke für Elektromotorräder.
Es klingt etwa so, wie wenn man einen Elektrorasenmäher startet, aber das Gras die ersten Umdrehungen blockiert: Ein leises Surren ist das einzige Geräusch, das diese Motorräder verursachen. Ansonsten können sie alles, was herkömmliche Cross-Maschinen auch können: durch den Sand pflügen, über Hindernisse springen, schweres Gelände bezwingen. Die Schweizer Firma Quantya hat sich überlegt, wie man die Schwächen des Motocross-Sports abschalten kann, ohne den Sport völlig zu verändern. Entstanden sind 90 Kilogramm leichte Maschinen mit Elektromotoren, die nach 75 Minuten Ladezeit etwa zwei Stunden Spaß bringen – auf der Straße oder im Gelände. Und sie sind kinderleicht zu bedienen: keine Kupplung, keine Schaltung, nur Gas und Bremse.
In den vergangenen Jahren sind in Europa etwa ein Dutzend sogenannter Quantyaparks entstanden, die meisten produzieren den Strom für die Maschinen über Photovoltaik-Anlagen selbst. Den Park in Schwarzenbruck haben Tobias Schweizer und Andreas Schuller in einer ausgedienten Sandgrube aufgebaut. „Diese Technologie ist kein Experiment mehr. Sie funktioniert, und die Leute haben Spaß, ohne irgendjemanden zu stören oder der Umwelt zu schaden“, sagt Schuller. Die Betreiber stellen Maschinen samt Schutzausrüstung. Es gibt eine Strecke für Anfänger, eine Zweite für Fortgeschrittene. Weitere sollen folgen, bisher ist erst ein Teil des 65 000 Quadratmeter großen Spielplatzes genutzt.
Schwarzenbrucks Bürgermeister Bernd Ernstberger schwärmt von dem Konzept: „Bevor der Park genehmigt war, gab es ständig Ärger mit Motorradfahrern, die illegal in die Grube sind“, sagt er. „Wir sehen den Park sogar als Aushängeschild.“ Den Gemeinderat konnten die Betreiber von ihrer Idee leicht überzeugen. Sie kamen mit einem Elektromotorrad zur Sitzung und fuhren vor den Räten auf und ab – auf dem Flur vor dem Sitzungssaal.
Das Landratsamt verlangte trotzdem ein Lärmschutzgutachten. „Lächerlich!“, sagt Bürgermeister Ernstberger. „Das Lauteste an dem Park sind juchzende Fahrer oder johlende Zuschauer.“ Die könnten sich allerdings leicht gestört fühlen. 30 Meter neben der Hauptstrecke verläuft die B 8 mit 20 000 Fahrzeugen pro Tag. Und die machen mächtig Lärm.
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