aktualisiert: 21.02.2012 18:44 Uhr
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LENGFELD
Steffi List komponiert für Mainfränkische Werkstätten
Wenn Dieter Bohlen & Co. deutschlandweit eine „Superstar“ gesucht und gefunden haben, verglüht dieser Stern oft nach kurzer Zeit. Bei den Mainfränkischen Werkstätten scheint das anders zu sein. Vor eineinhalb Jahren kürten die „Werkstätten für Menschen mit Behinderung“ in Würzburg den Sänger Christian Schmitt zu ihrem Superstar.
Und sein Stern strahlte weiter: Um ihn herum ist inzwischen die Musikgruppe „Mosaik“ entstanden. Ihr Ziel: möglichst viele Auftritte in der Öffentlichkeit – vor Menschen ohne Behinderung. Mit von der Partie ist auch Rockröhre Steffi List, die als Jurymitglied im Superstar-Wettbewerb erstmals Kontakt zu Mitarbeitern der Werkstätten hatte. Die Sängerin aus Geldersheim (Lkr. Schweinfurt) ist nicht nur bei den meisten Proben dabei, sie trat auch schon mehrmals mit ihnen auf.
In einem Raum der Werkstätten sitzen die Bandmitglieder im Kreis. Ein neues Lied steht auf dem Programm: „Ich war noch niemals in New York“. Antje Arlt vom Organisationsteam bückt sich zum Keyboarder Matthias Schammberger hinunter, hilft ihm, die richtigen Tasten zu finden. Zunächst kommt der Refrain an die Reihe. Steffi List, Manuel Ziegler und Praktikant David Seifert begleiten die vier Sänger auf der Gitarre. Am Schlagzeug gibt Bruce Gardner den Takt vor.
Einige Male gerät das Üben ins Stocken, mal kommt der Gesang zum Erliegen, mal liegt es an den Instrumentalisten. „Die Strophe ist quasi das Intro“, erklärt Steffi List. Erneut geht's los. Inzwischen fühlen sich auch die Sänger sicherer: Was vorher als zartes Stimmchen erklang, hört sich nun wie ausgewachsene Töne an. Dafür bekommen die sechs behinderten Musiker einen lobenden Tusch. „Super, es läuft! Jetzt kommt die zweite Strophe.“
„Wir sind gerade dabei, ein Programm zusammenzustellen“, sagt Pädagogin Antje Arlt. Dazu gehören Lieder wie „Hymn“ von Barclay James Harvest, „Knocking on heaven's door“ und deutschsprachige Titel wie „Dieser Weg“ von Xavier Naidoo. Nicht zu kurz kommen soll Frederick Calloway, der soeben eine Kostprobe seines Könnens präsentiert. Mit Hintergrund-Beats vom Recorder legt er einfach los und rappt munter im Freestyle. „Der Text kommt mir einfach so in den Kopf“, erklärt er seinen erstaunten und begeisterten Zuhörern. Beifall bekommt er zudem für seine Mundakrobatik-Einlage „Tschi-tschi-bäng-plopp-plopp-bäng“. Ins Schwärmen gerät der 24-jährige Frederick, als er sich an den Auftritt auf dem Schweinfurter Marktplatz beim Coca Cola-Truck erinnert. „In solchen Momenten fühle ich mich frei und kann vom Alltagsstress abschalten.“ Er freute sich, vor einem so großen Publikum auftreten zu dürfen.
„Ihr habt jetzt genug Cover-Songs im Repertoire“, meldet sich Steffi List mitten in der Probe zu Wort. Unverständliche Mienen um sie herum. Stille. „Ihr braucht ein eigenes Lied, und ich habe euch eins geschrieben.“ Es heißt: „Lass uns Brücken bauen – der Inklusionssong“ und erklingt sofort aus dem Recorder. Die Reaktionen: „Wahnsinn“! „Super“. Und: „spitze“
Werkstattleiter Peter Estenfelder setzt noch eins drauf: „Mosaik“ wird den Song nicht nur im Studio aufnehmen. Mit Unterstützung eines Sponsors wird es wohl auch gelingen, ein Video zu drehen.Bevor sie Jurorin im Superstar-Wettbewerb der Mainfränkischen Werkstätten wurde, habe sie „fast keinen Kontakt zu Menschen mit Behinderung gehabt“, sagt Steffi List. „Ich mochte die Leute von Anfang an“ – so keimte die Idee, dauerhaft mit den Musikern zusammenzuarbeiten. „Ich finde es beeindruckend, dass jeder von ihnen auf seine Weise talentiert ist.“ Und oft werde sie von ihren Mitmusikern überrascht: „Für mich ist es immer wieder erstaunlich, welche Fähigkeiten behinderte Menschen haben.“ Besonders begeistert ist die 36-jährige Sängerin, wie die Bandmitglieder völlig in der Musik aufgehen: „Sie sind mittlerweile richtig bühnengeil!“.
„Mosaik“ wird unter anderem Ende Mai in Würzburg zur Feier des 50-jährigen Bestehens der „Lebenshilfe“ spielen. Steffi List will mit ihrem Engagement dazu beitragen, Berührungsängste abzubauen. Und sie will die Leute wachrütteln, zeigen, dass es gar nicht so schwierig ist, zwischen Behinderten und Nichtbehinderten einen normalen Umgang zu pflegen.
Gespannt ist die Sängerin darauf, wie ihr unplugged-Konzert am 9. März im Theater Augenblick im Würzburger Gewerbegebiet Lengfeld über die Bühne gehen wird. „Wer von der Gruppe an diesem Abend da ist, der muss auch mit ins Rampenlicht und mitmachen.“
„Es gibt nichts Schöneres, als vor vielen Zuhörern zu singen“, sagt Christian Schmitt, der 2010 zum „Superstar“ gekürt wurde. Vor den Auftritten ist der 26-Jährige äußerst nervös, er fürchtet vor allem „Texthänger“. Sobald jedoch die ersten Töne erklingen, ist das Lampenfieber wie weggeblasen.
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