aktualisiert: 25.02.2012 09:48 Uhr
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WÜRZBURG/TAHITI
Südsee-Mord: Jäger beruft sich auf Notwehr
Freundin des Opfers als Zeugin?
Heike D. sagt, sie fühle keinen Hass auf den Mordverdächtigen. Aber „ich möchte wissen, wie es passiert ist“, beteuert sie. Nach dem brutalen Tod ihres Freundes Stefan auf der Südsee-Insel Nuku Hiva suchte sie Zuflucht bei Verwandten in einem Vorort von Würzburg – und hofft auf ein Ende der Ungewissheit. Hier trauert sie um den Toten – und ihren verlorenen Lebenstraum.
Mit ihrem Freund Stefan Ramin hatte die 41-Jährige aus Unterfranken vor vier Jahren die Brücken zum bürgerlichen Leben abgebrochen. Sie wollten über die Weltmeere segeln, neue Länder, neue Menschen kennenlernen. Der gelebte Traum endete jäh am 8. Oktober 2011 in der Südsee – als der einheimische Jäger Henri H. ihren Freund bei der Ziegenjagd im Landesinnern tötete, wie er inzwischen gestand.
Die Bluttat und die sechswöchige Fahndung nach H. sorgten wochenlang für Schlagzeilen. Am Ende stellte sich der 30-jährige Polynesier den Behörden. Seitdem wartet er in einer Zelle auf Tahiti auf seinen Prozess.
Heike D., die ihm knapp entkam, hat in Interviews erklärt, sie wolle ihm vor Gericht gegenübertreten. „Ich will aus seinem Mund hören, was er mit Stefan gemacht hat.“ Dieser Moment und der Prozess auf Tahiti rücken jetzt näher.
Heike D. dürfte dort die wichtigste Zeugin sein. Sie ist fest davon überzeugt, dass Henri H. auch sie am 9. Oktober töten wollte, als er ohne ihren Freund zum Strand zurückkehrte – und sie um Hilfe für den angeblich Verletzten bat. Dass er Heike vom Boot herunterlockte, an einen Baum fesselte und bedrängte, hat der Polynesier in mehreren Vernehmungen gestanden.
Heike folgte ihm arglos in den Dschungel, bemüht, ihrem Freund Hilfe zu bringen. Dort eskalierte die Situation: „Im einen Augenblick war es noch richtig friedlich, im nächsten drehe ich mich um und gucke in einen Gewehrlauf. Und er sagt: Du stirbst jetzt.“ Nach einem Handgemenge überwältigte sie der muskulöse Polynesier, fesselte sie an einen Baum. Später, als er fort war, gelang es ihr, sich zu befreien.
Inzwischen berufe sich der Verdächtige auf Notwehr, berichten einheimische Medien wie die „Depeche de Tahiti“. Bei seiner jüngsten Vernehmung habe Arihano (genannt Henri) H. jetzt betont: Stefan habe ihn bei der gemeinsamen Ziegenjagd unerwartet attackiert. Beim Gerangel habe sich aus der Schrotflinte des Jägers ein Schuss gelöst und den Deutschen versehentlich getötet.
Die Waffe ist verschwunden. Und weil Henri H. mehrere abweichende Tat-Versionen bei seinen Vernehmungen lieferte, zweifeln Ermittler an seiner Darstellung. Verteidiger Vincent Dubois sieht aber keinen Grund, an den Worten seines Mandanten zu zweifeln.
Die anschließende Attacke des Polynesiers gegen die Freundin des Weltenbummlers passt freilich nicht dazu. Die Ermittler fragen sich auch: Warum wurde Stefans Leiche zerlegt und versucht, sie im Lagerfeuer zu verbrennen? Das sieht eher nach Vertuschung aus als nach Notwehr.
Heike D. war später mit der Polizei an dem Ort, an dem ihr Freund starb. Es sei ein „wunderschöner Ort“ gewesen. „So konnte ich Abschied nehmen“, sagt sie. „Weil ich wusste, Stefan hat es dort gefallen. Er war die letzten Minuten seines Lebens glücklich.“
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