publiziert: 29.12.2009 19:17 Uhr
aktualisiert: 29.12.2009 19:19 Uhr
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Teures Zertifikat für simplen Test

EU fordert Akkreditierung für Labors, die im Schweinefleisch nach Trichinen suchen

In eigenen Labors untersuchen die Veterinärämter Schlachtfleisch vom Schwein auf Trichinen. Auf hohem Niveau, wie der Schweinfurter Amtsleiter Dr. Thomas Wiethe findet. Schließlich geht es um Lebensmittelsicherheit. Künftig sollen die Messstationen nach EU-Recht akkreditiert werden. Eine Vorschrift, die laut Wiethe aber keine Qualitätssteigerung bringt, sondern nur Geld kostet und die Fleischbeschau-Gebühren nach oben treibt.

  • Trichinenuntersuchung im Landkreis Schweinfurt: Elisabeth Spies und der Chef des Veterinäramtes, Dr. Thomas Wiethe, im Labor in Stadtlauringen.
    FOTO Josef Schäfer
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15 000 Proben durchlaufen pro Jahr die drei Labors im Landkreis Schweinfurt – eines davon steht in Stadtlauringen. Das Fleisch kommt in der Hauptsache von Metzgereien, einen großen Schlachthof gibt es nicht. Darunter sind aber auch 500 erlegte Wildschweine und 2200 Tiere, die aus Hausschlachtungen stammen. Die Fleischkontrolleure suchen nach Trichinen: Die gefährlichen Fadenwürmer werden beim Fressen von Nagetieren oder toten Füchsen auf (Wild-)Schweine übertragen. Nach dem Fleischverzehr lösen sie beim Menschen Durchfallerkrankungen aus oder lagern sich in den Muskeln ab – oft mit irreparablen Folgen. Auch Pferde können Trichinen übertragen, nicht aber Rinder und Federvieh.

Gefahr nur bei Rohwaren

Allerdings, so Wiethe, gilt die Infektion nur für Rohwaren wie Tartar oder Schinken. Durchgegartes Fleisch und gekochte Wurst sind demnach ungefährlich, selbst wenn das Produkt befallen wäre. Doch dies komme in Deutschland höchst selten vor: Im vergangenen Jahr sind acht positive Proben entdeckt worden – bei über 50 Millionen Schweineschlachtungen. Für seinen Amtsbereich kann sich Wiethe in seiner Laufbahn an keinen einzigen Fall erinnern.

Dennoch schreibt das Gesetz für jedes einzelne Tier eine Trichinenuntersuchung vor. Selbst für einen Laien ist schnell ersichtlich, dass die Methode keine Hexerei und der Geräteeinsatz niedrig ist: Elisabeth Spies stellt im Labor in Stadtlauringen aus Wasser, dem Enzym Pepsin und Salzsäure eine Lösung her, in der die Verdauung simuliert wird. Darin werden bis zu 100 zerkleinerte Fleischproben auf 45 Grad erhitzt, bis sie sich weitgehend aufgelöst haben.

Mit Sieb und Scheidetrichter filtert die Kontrolleurin die Flüssigkeit, die sie danach unter ein Stereomikroskop legt. Trichinen wären nun mit dem bloßen Auge zu sehen. Bleibt ein Rückruf von Elisabeth Spies beim Schlachtbetrieb bis zu einem vereinbarten Zeitpunkt aus, ist das Fleisch automatisch freigegeben, darf verkauft und verarbeitet werden. Auch an diesem Tag muss die Mitarbeiterin des Amts nicht zum Hörer greifen.

Das ist nicht überall in Europa so: Laut Studien treten regelmäßig einige Fälle in Osteuropa und auch Spanien auf. Die Europäische Kommission besteht trotz Protesten unter anderem aus Bayern auf einen einheitlichen Standard: Alle Laboratorien, die Trichinentests durchführen wollen, brauchen ab 2010 eine EU-Akkreditierung. Dafür fallen Gebühren an. Der Schweinfurter Amtschef Wiethe rechnet mit 5000 Euro für die Erstaufnahme und bis zu 3000 Euro jährlichen Folgekosten. Macht für die drei Labors in Wiethes Bezirk zwischen 9000 und 15 000 Euro, die wiederum auf die Fleischbeschaugebühren umgelegt werden müssen.

Für den Veterinär sind die Kosten „der eigentliche Problempunkt“. Wiethe sieht die bisherige Praxis in Gefahr, die „schnell, ortsnah und kostengünstig“ dem Verbraucherschutz ebenso Rechnung trage wie den Interessen der Schlachtbetriebe. Bei zu hohem Gebührendruck müsse man, so Wiethe, im Landkreis Schweinfurt über eine Zusammenlegung der Labors nachdenken. Für manche erst 2009 mit EU-Zulassung versehene selbstschlachtende Metzgerei stelle sich die Frage der Rentabilität.

„Maßlos aufgebauscht“

Dabei ist Wiethe überzeugt, dass seine Behörde schon jetzt über ein funktionierendes Qualitätsmanagementsystem verfügt: Er kontrolliert vor Ort die Dokumentationen, überprüft die Thermometer für die Zubereitung der Lösung und die Lagerung des Pepsins, testet die Waage mit Eichgewichten. „Mehr kann auch ein externes Büro nicht machen.“ Daher hält er den Inhalt der EU-Verordnung für „maßlos aufgebauscht“.

Immerhin hat die EU den Veterinärämtern eine Übergangsfrist zugestanden: Wer eine Akkreditierung beantragt, darf seine Labors unverändert bis 2013 betreiben. Der Landkreis Schweinfurt hat dies für seine drei Messstellen getan, um sich Luft zu verschaffen. Unter anderem auch die Kreise Kitzingen (1), Bad Kissingen (3) und Würzburg. Dort sollen aber ab 2014 von den fünf Labors nur noch zwei weiter betrieben werden. In der Zwischenzeit will die unterfränkische CSU-Europaabgeordnete Anja Weisgerber nochmals bei der Kommission vorstellig werden. Ob sie Brüssel umstimmen kann? Thomas Wiethe ist skeptisch.

Stichwort

Trichinen

Dabei handelt es sich um Fadenwürmer, die unter anderem über ungenügend erhitztes Schweine- und Pferdefleisch auf den Menschen übertragen werden können. Ihre Larven setzen sich in Muskeln fest, verkalken und erzeugen rheumaähnlichen Schmerzen. Ist der Herzmuskel betroffen, kann die Trichinellose, an der pro Jahr 3000 Menschen weltweit erkranken, auch tödlich verlaufen.

Von unserem Redaktionsmitglied Josef Schäfer
    
    

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