publiziert: 22.03.2013 19:02 Uhr
aktualisiert: 22.03.2013 19:44 Uhr
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Tierserie: Wenn Tiere sterben - stiller Abschied von Schnuffel

Menschen, die um Bello, Mieze oder Schnuffel trauern, wollen oft keine Tierbeseitigung, sondern Trost und ein Andenken.

  • Foto: Petzold
    Letzte Ruhestätte: Auch ein Hase namens Schnuffelchen ist auf dem Tierfriedhof bei Münnerstadt bestattet – von seinen Menschen sicher als Familienmitglied betrauert.
  • Foto: Katharina Winterhalter
    Foto-Urnen: Tierbestatter Roger Zandner aus Schweinfurt mit seinen selbst entwickelten Modellen.
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Wer Haustiere hat, weiß: eines Tages liegt das Meerschweinchen tot im Käfig, muss man mit dem schwer kranken Hund den letzten Weg zum Tierarzt antreten. Zur Trauer um den guten Freund kommt noch die Frage, was nun mit ihm passiert. Am einfachsten ist es für Besitzer von Grundstücken, die nicht im Wasserschutzgebiet liegen. Sie dürfen ihr Haustier dort begraben – mindestens einen halben Meter tief.

In Gärten tierliebender Familien gibt es oft richtige kleine Friedhöfe mit selbst gebastelten Kreuzen, mit Steinen und Blumen. Kleine Rituale helfen den Kindern, Abschied von der geliebten Katze oder vom Vögelchen zu nehmen. Was aber tun, wenn man in einer Stadtwohnung lebt? Laut Gesetz wird das Tier nach dem Tod zum Kadaver, der entsorgt werden muss. Letzte Station ist normalerweise die Tierbeseitigungsanlage. Was dort mit den Körpern passiert, ist für viele Tierfreunde eine schreckliche Vorstellung: sie werden klein gehäkselt, gekocht, zu Tiermehl verarbeitet.

Eine Bestattungskultur auch für Tiere, die in anderen Ländern wie den USA oder den Niederlanden eine lange Tradition hat, wächst in Deutschland erst langsam. Der Schweinfurter Roger Zandner war einer der Ersten, der sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat, wie er sagt. Vor zehn Jahren hat er „Luna“, den Bestattungsservice für Tiere eröffnet. Auslöser war eine Reportage über ein Tierkrematorium in den Niederlanden, das zu 80 Prozent Kunden aus Deutschland hatte. Als Zandner anfing, gab es nur etwa zehn Tierbestatter in Deutschland, inzwischen schätzt er die Zahl auf 200.

Der 46-Jährige bietet an, die toten Tiere abzuholen und in das Tierkrematorium in Lauf bei Nürnberg zu bringen. Die Besitzer können zwischen einer günstigeren Sammelverbrennung (zwischen 80 und 250 Euro je nach Gewicht des Tieres) und einer Einzeleinäscherung (zwischen 120 und 320 Euro) entscheiden. Wer mag, kann in einem „Raum der Stille“ bei Musik und Kerzenschein Abschied nehmen.

Die Asche der gemeinsam verbrannten Tiere kommt in ein Sammelgrab beim Krematorium. Bei der Einzeleinäscherung erhalten die Besitzer die Asche zurück. Anders als bei Menschen gibt es bei Tieren keinen Bestattungszwang. Wer mag, darf die Asche verstreuen, vielleicht auf der Wiese, auf der der Hund so gerne gespielt hat oder er darf sich die Asche auf den Kamin stellen.

Hier liegt der zweite Geschäftsbereich von Roger Zandner. Weil es im Handel vor zehn Jahren nur eine kleine Auswahl an Urnen für Tiere gab, hat er angefangen, eigene Modelle zu entwickeln und zu bauen. Am beliebtesten sind die Foto-Urnen, also Holzkästchen zum Stellen mit einem Fach für ein Bild oder Bilderrahmen mit einem Kästchen für die Asche. Seit einigen Jahren vertreibt Zandner seine Modelle an andere Bestatter.

Inzwischen gibt es auch einige Tierfriedhöfe in Unterfranken, meist angegliedert an ein Tierheim. Ein Beispiel ist der Tierfriedhof am Elferweg in Würzburg. Von den rund 200 Grabstellen ist mehr als die Hälfte belegt. Eine Einbettung von Hund oder Katze samt Pacht für drei Jahre kostet hier 226 Euro, die Verlängerung pro Jahr 52 Euro. Günstiger ist es auf dem Tierfriedhof des Tierheims Wannigsmühle bei Münnerstadt. Der war früher nur für Mitglieder gedacht, ist jetzt aber für die Allgemeinheit offen. Ein Grab für einen Hund kostet 185 Euro für fünf Jahre, mit Option auf Verlängerung. Erd- und Feuerbestattungen auf einem schönen Gelände am Waldrand bietet der Tierfriedhof Frankenland in Kitzingen an.

Für Roger Zandner ist es wichtig, den Menschen zuzuhören, ihre Trauer ernst zu nehmen und den Tieren einen würdevollen letzten Weg zu bereiten. Die Alternative ist alles andere als würdevoll. Inzwischen bieten zwar viele Tierärzte an, das eingeschläferte Tier in der Praxis zu lassen – aber auch dann landet es in der Tierkörperbeseitigungsanlage. Noch viel schwerer ist es aber, den geliebten Hund selbst zur „Entsorgung“ zu bringen, wie es offiziell heißt. In Schweinfurt beispielsweise ist die Tierkörpersammelstelle beim Servicebetrieb Bau und Stadtgrün am Sennfelder Bahnhof: ein Kühl-Container, in dem zwei Tonnen stehen. Hier werden die Kadaver bei einer Temperatur von zwei Grad aufbewahrt, bis sie von einem Spezialfahrzeug des Zweckverbandes Tierkörperverwertung abgeholt werden.

Keiner der Mitarbeiter macht es gerne, aber jeder tut es, wenn es sein muss und ist den Betroffenen dabei behilflich, ihr totes Tier in die Tonne zu geben – in der möglicherweise andere Kadaver liegen, überfahrene Tiere oder solche, die beim Tierarzt eingeschläfert wurden. Manchmal müssen die Mitarbeiter dabei auch ein paar Worte des Trostes sagen.

Tierfriedhöfe

10 000 tote Tiere werden jährlich von den etwa 160 Tierbestattern in Deutschland auf 120 Tierfriedhöfen bestattet, in 18 Tierkrematorien 80 000 Tierleichen eingeäschert (Quelle: Mars-Heimtierstudie). Zur Serie „tierisch!“ gibt es den Haustier-Fotowettbewerb. Infos: www.mainpost.de/tierisch. Mit den Autoren diskutieren können Sie auf ww.facebook.com/haustierisch

Von unserem Redaktionsmitglied Katharina Winterhalter
    
    

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